Meine Geburt und mein Sterben auf Erden
Dann fühlte ich, dass ich zu mir kam. Es war, als machte man mich wach. Ich fühlte es deutlich. Aus der Tiefe des geistigen Lebens kehrte ich zur Wirklichkeit zurück. Ein heiliges Gefühl durchströmte mich. In mir fühlte ich mein Herz klopfen, aber dennoch weit von mir entfernt. Ich hörte, wie eine sanfte Stimme sagte: „Lantos! Lantos!“ „Lantos“, dachte ich. „Lantos?“ Jene Stimme kam näher und näher. Was bedeutete „Lantos“? Wer war Lantos? Ich spürte, dass ich zu Bewusstsein kam, und nun verstand ich die Bedeutung des Wortes „Lantos“.
„Lantos“, hörte ich wieder aufs Neue und wusste, dass man mich rief. Es war, als spräche Gott persönlich zu mir. „Hörst du mich?“
Ich wollte einen Laut von mir geben, doch es war mir nicht möglich.
„Du kannst allein fühlen“, kam es in mich.
Ich begriff, was man damit meinte und sandte mein Gefühl empor. Meine Gefühle wurden aufgefangen, und wieder hörte ich aufs Neue: „Lantos, hörst du mich?“
„Ja“, sandte ich zurück, „ich höre dich; wo bin ich?“
„Du lebst auf Erden, doch im Schoße der Mutter. Aber nicht mehr lange, dann wirst du sterben.“
„Du lebst in der Mutter“, hörte ich abermals. „Du bist nun wach, doch es sind die höheren Meister, die dich erwecken. Hörst du mich? So gib mir eine Antwort.“
„Ich höre dich, aber weit, ganz weit weg.“
„Spürst du, wer zu dir spricht?“
„Ich spüre es. Bist du es, Meister Emschor?“
„Ja, mein Bruder, ich bin es. Nun schlafe, Lantos, du wirst bald in die Sphären zurückkehren.“
Darauf sank ich in die geistige Tiefe zurück. Als ich erwachte, lag ich auf meinem Ruhebett in meiner eigenen Wohnung. Neben mir stand mein geistiger Leiter Emschor.
„Mein Bruder Lantos, kannst du dich an etwas erinnern?“
„Was meinst du?“, fragte ich. „Ich habe keinerlei Erinnerung. Ich weiß lediglich, dass du mit mir zur Welt des Unbewussten gegangen bist, und dass ich dich zu mir sprechen und Lebewohl sagen hörte.“
„Spürst du nichts anderes?“
„Nein, nichts, ich bin mir von nichts anderem bewusst.“
„Nicht, dass du auf Erden warst und dort gestorben bist?“
„Nein, davon spüre ich nichts.“
„So höre. Du bist auf Erden gestorben. Im Alter von fast neun Monaten bist du hinübergegangen. Ehe du dort geboren werden solltest, bist du gestorben. Dein Vater und deine Mutter befinden sich in einem Zustand des Kummers und des Schmerzes und weinen um dein Hinübergehen.“
„Was für ein Wunder erzählst du mir da?“
„Fühlst du die Stille des Geistes in dir?“
„Ich fühle eine andere Stille als die ich zuerst fühlte, Meister.“
„Jene Stille gehört zu deiner Mutter, zu jenem ungeheuren Prozess, den du erfahren hast. Du bist noch nicht gänzlich in dieses Leben übergegangen, mit anderen Worten: Du hast deinen vorigen Zustand, also bevor wir zur Welt des Unbewussten hinabstiegen, noch nicht angenommen. Sogleich wirst du wieder in Schlaf fallen und für eine lange Zeit schlafen, um abermals zu erwachen. Erst dann wirst du dich fühlen, wie du dich zuvor fühltest, ehe du verbunden wurdest. Ich weckte dich auf, und ich werde meine Konzentration nun zurückziehen, worauf du einschläfst. Schlafe, mein Bruder, du hast dieses Wunder erfahren dürfen.“
Dann war ich mir von nichts mehr bewusst.
Wieder wurde ich wach, und ich fühlte mich so, wie ich beim Eintreten aus meinem ersten Schlaf erwachte. Ich wusste, wo ich mich befand und schaute zu Marianne. Wie groß ist Gott, dachte ich. In mir lag Liebe und Stille, stiller Frieden. Ich dachte an mein eigenes Leben, dann an Emschor. Im selben Augenblick trat er ein.
„Mein Bruder Lantos, wie fühlst du dich?“
„Herrlich“, sagte ich.
„Ich habe dir vieles zu erklären. Danach kehren wir zur Erde zurück, und du wirst deinen Vater und deine Mutter, deine Schwester und deine Brüder sehen.“
„Meine Schwester und meine Brüder, Vater und Mutter?“, wiederholte ich.
„Ja, weißt du nicht, was wir besprochen haben?“
„Doch, das weiß ich, aber ich kann mich an nichts erinnern. Ich weiß, dass ich eine Zeit lang geschlafen habe, mehr nicht. Muss ich das annehmen?“
„Laut irdischer Zeit sind achtzig Jahre vergangen.“
„Was sagst du?“
„Achtzig Jahre, und das ist kurz, denn viele sind hunderte von Jahren in jener Welt, ehe sie zur Erde angezogen werden.“
Ich konnte kein Wort sagen und stammelte: „Ist das alles dein Ernst?“
„Wie kannst du mir eine solche Frage stellen. Aber wir wissen, dass niemand das annehmen kann, doch ich werde dir die Wahrheit dessen beweisen. Nimm also an, dass du auf die Erde zurückgekehrt bist.“
Welch ein Wunder war geschehen! Man hatte mir im Voraus davon erzählt, und doch konnte ich es nicht annehmen. Dann fragte ich den Meister: „Wie geschieht das alles? Wann wird die Seele angezogen, und wodurch kommt jene Verbindung zustande? Weißt du, wie der Mensch auf Erden geboren wird?“
„Hör zu. Wenn der Vater oder die Mutter an dieses Geschehen denken, befinden sie sich bereits in einer kosmischen Abstimmung. Jenes Geschehen ist also ein kosmisches Wunder, eine Kraft, die diese Verbindung verstärkt, worin beide Wesen aufgenommen sind. Im selben Augenblick also, da der Vater oder die Mutter sich darauf einstellt, wird das Leben, die Seele, angezogen. Dieser Prozess nimmt seinen Anfang, wenn sich das Embryo formt, und nachdem es wächst, wird das Leben bewusst. Die direkte Bewusstwerdung nimmt das Embryo zwischen dem dritten und dem vierten Monat an. Die Eltern haben im Augenblick des Sicheinstellens eine Verbindung mit dem Kosmos, also mit dieser Welt, und jene Verbindung kann allein durch brutale Gewalt unterbrochen werden, und das ist geistiger Mord. Das Leben, das zu dieser Welt zurückgestoßen wird, wird auf diese Weise verflucht, und das werden die Eltern oder der Mensch gutzumachen haben. Der Mensch, der Geist oder die Seele, der in jenem jungen Körper heranwächst, ist sich, wie du weißt, von nichts bewusst. Als der Stoffkörper dort geboren wurde, warst du selbst bereits auf dem Weg zu den Sphären. In einer kurzen Zeit, also schlafend, bist du in deinen vorigen Zustand zurückgekehrt, und das gilt allein für diejenigen, die diese Bewusstwerdung erfahren. Wenn du auf Erden geboren worden und dort später gestorben wärst, hättest du die Zeit des Heranwachsens an dieser Seite erfahren, wenn diese auch kürzer dauert als auf Erden. Das geistige Wachstum geht einher mit den innerlichen Kräften, die der Mensch besitzt, und stimmt sich darauf ab. Ein höher abgestimmter Geist, der auf die Erde zurückkehren würde, hätte – am Ort seiner Abstimmung angekommen – seinen vorigen Zustand bereits angenommen. Ist dir das verständlich?“
„Ja“, sagte ich, „doch es ist so wundersam.“
„Wir werden zur Erde zurückkehren, und dort werde ich dir alles erklären. Mit Hilfe der Meister durfte ich dich einst mit der Vergangenheit verbinden, doch nunmehr mit deinem Geborenwerden und Sterben und der Rückkehr in diese Welt. Du wirst es erst dann annehmen, wenn du auch das erfahren hast. Bist du bereit?“
„Ja, Meister, ich folge dir.“
Schwebend kehrten wir zur Erde zurück. Wie wundersam war dieses Problem! Ich war auf Erden geboren und vor meiner Geburt zu dieser Welt zurückgekehrt. Wundersame Kräfte des Geistes. Bald hatten wir die Erde erreicht. Als ich mich einstellte sah und spürte ich, dass wir uns im Osten befanden. An der Kleidung der Menschen sah ich, wo ich war. China, sagte ich zu mir selbst – also befand ich mich in einem anderen Erdteil. Als ich meinen geistigen Leiter fragte, ob ich mich deutlich eingestellt habe, bestätigte er dies. Ich spürte, dass Meister Emschor sich andauernd konzentrierte und ich wusste, dass er mit höheren Mächten verbunden war. Ich folgte ihm in aller Stille und nahm wahr. Für mich sollte sich ein ungeheures Problem auflösen. Wenn die Menschen es annehmen könnten wüssten sie, wie und wodurch sie an all diese Eigenschaften kamen. Die Kunst und alle Charaktereigenschaften hatte man sich in einem anderen Leben angeeignet. Sprache und Land hatten mit dieser Kraft nichts zu tun. Das Leben kehrte zurück und sollte auf Erden geboren werden. Es war tief. Von meinen vorigen Leben wusste ich nichts mehr, wenn ich hier geboren wurde, aber tief, ganz tief in mir, da lag es. Ich spürte und überblickte dies alles.
Nun wandelten wir durch die Straßen einer Stadt, und wiederum sah ich den astralen Menschen, und ich kannte sein Verlangen. In einer bestimmten Straße angekommen, traten wir in ein komfortables Haus ein. Vor mir sah ich die irdischen Menschen: Mann, Frau und Kinder und ich spürte, dass sie im Gebet versunken waren. Hier fühlte ich die Stille.
„Deine Eltern, deine Schwester und deine Brüder“, sagte Meister Emschor zu mir. „Fühle, dass sie es ist, die dich in all den Monaten trug und mit der du verbunden warst.“
Im selben Augenblick, da ich mich einstellte, fühlte ich die Verbindung mit meiner Mutter. In mir lag Mutterliebe; deutlich fühlte ich diese Gefühle. Dieser Augenblick war mir heilig. Trotzdem waren all diese Menschen mir fremd, doch etwas hielt mich gefangen. Das war die Liebe, die sie alle empfanden gegenüber dem Wesen, das tot geboren worden war. Sie sandten reine Gedanken des Wiedersehens und der Verbindung zu mir. Sie waren überzeugt, dass ich lebte. Nun fühlte ich, wie ich immer tiefer und tiefer versank. Die Erde verschwand unter meinen Füßen und die Ruhe, die in mich kam, war wunderbar. Doch ich behielt mein Bewusstsein. Jetzt fühlte ich mich zu meiner Mutter hingezogen und auch, dass ich mit ihr verbunden war. Ich sah mich selbst in meiner Mutter. O mein Gott, wie wunderbar ist alles! Ich konnte allerdings nur fühlen – ich begriff es aber dennoch. Als ich dies wahrnahm, hörte ich meinen geistigen Leiter – durch den Gefühlsstrahl, der in mich kam – sagen: „Du bist eins mit deiner Mutter, Lantos. Ich sende nun meine Gefühle zu dir, um dir jenen Prozess zu verdeutlichen. Du siehst nunmehr, was geschehen ist, du bist mit der Vergangenheit in Verbindung. Ist dir das klar?“
Ich sandte zu meinem geistigen Leiter zurück: „Ja Meister, ich verstehe dich in allem.“
„Du siehst, Lantos, dass das Embryo Form annimmt. Du lebst bereits in jenem Stoffkleid, und doch ist es erst eine Frucht, die größer und größer wird. Nachdem die Frucht wächst, wird das Leben bewusst, und zwischen dem dritten und vierten Monat kommt es zur gänzlichen Bewusstwerdung. Darüber habe ich dir bereits erzählt. Das Leben also, das im Stoffkörper lebt, ist die Seele und jene Seele, der Mensch also, hat in verschiedenen Stadien gelebt. Während der Tragezeit lebt die Mutter durch das Wesen, das sie trägt, in einer höheren geistigen Abstimmung. Die Seele oder das Leben hat nun einem Prozess zu folgen, und das ist das vollkommene Wachstum, danach wartet es auf die Geburt. Einen Tag vor deiner Geburt hast du selbst deinem Leben ein Ende gemacht. Jene Kraft lag in dir, was kosmisch festgelegt ist, ein Gesetz also, woran kein Mensch etwas ändern kann. Das hat mit dem stofflichen Geschehen nichts zu tun. Die Seele oder das Leben sollte zu den Sphären zurückkehren. Wenn du dich nun auf jenes Geschehen einstellst, kannst du es deutlich spüren. Die Macht also, die der Geist oder das Leben besitzt, und die sich in einer Drehung manifestiert, bedeutet das Beenden des Lebens und das Zurückkehren zu deiner eigentlichen Abstimmung. Millionen von Wesen kehrten auf diese Weise zurück und haben die Bewusstwerdung im stofflichen Leben erfahren. Ich sagte dir schon, das gehört zum Kreislauf der Seele, das ist das Abschiednehmen vom dritten Grad des kosmischen Lebens. Du kehrtest zurück, andere aber werden geboren werden. Wir wissen davon. Und der Mensch kehrt mit einem bestimmten Ziel dorthin zurück; sei es um zu lernen, sei es, der Welt etwas Schönes zu bringen – was kosmisch festgelegt ist. Auf Erden denkt man, dass eine stoffliche Störung eingetreten ist, wenn ein Kind tot geboren wird. Doch das ist nicht wahr, denn das Leben sollte und musste zurückkehren. Hier wurdest du geboren, dies sind deine Mutter und dein Vater, deine Schwester und deine Brüder. Du spürst wohl, dass wir alle Brüder und Schwestern sind, und dass das Vater- und Muttersein im geistigen Leben keine Möglichkeit mehr hat zu bestehen, denn die Vater- und Mutterliebe geht in die universelle Liebe über. Nun lasse ich dich zurückkehren und werde dir die weiteren Wirkungen und Geschehnisse erklären.“
Ich fühlte, dass mein bewusstes Leben zurückkehrte. Langsam vollzog sich dieser Prozess, und ich spürte die mächtige Konzentration, die in mir lag, dass ich nicht auf Erden geboren werden sollte. Dann sah ich, wie ich mein Leben selbst beendete. Wundersam und erhaben war dieses Geschehen. Als ich zu mir kam, hielt ich meines geistigen Leiters Hand in der meinen. Ich begriff, wozu er dies getan hatte. Von Gefühl zu Gefühl sah ich dieses Wunder, und was er durch noch höhere Mächte wahrnahm, fühlte ich, und es ging in mich über. Es hatte sich ein Prozess vollzogen, von dem der Mensch auf Erden nichts wusste und auch nichts verstehen oder annehmen konnte. Im Leben nach dem Tode lag das Geheimnis, und jenes Geheimnis kannten und fühlen die kosmisch Erwachten, die Mentoren, die ich hatte wahrnehmen dürfen.
Abermals wurde ich mit meinem geistigen Leiter verbunden.
„Nimm wahr“, sagte er, „nun allerdings wirst du das Zurückkehren und das Erwachen im Geiste erfahren.“
Deutlich sah ich meine Mutter und dass ich in ihr war, und ich verfolgte die Tätigkeit des jungen Lebens. Dann sah ich, dass es einige Drehungen machte und selbst sein Leben beendete. Das junge Körperchen erstickte in der Mutter, und jene Gefühle kehrten nunmehr in mich zurück. Ich fühlte, was ich tat; ein Drang, eine Kraft trieb mich dazu – nach der ich handelte. Nun sah ich, dass das Leben sich befreite und ich sah, wie sich aus dem Leib meiner Mutter ein junges geistiges Wesen löste. Im selben Augenblick, da ich dies wahrnahm, sah ich einige Wesen, und unter ihnen meinen geistigen Leiter. Nun verstand ich dieses Geschehen. Als der Geisteskörper sich gänzlich befreit hatte, riss die geistige Schnur auseinander und löste sich auf wundersame Weise auf. Das junge Leben war auf Erden gestorben, doch im Geiste geboren. Die Wesen, die mich zu den Sphären trugen, wurden von meinem eigenen geistigen Leiter verfolgt. Ich sah, dass es von dem Augenblick heranwuchs, als man die Welt verlassen hatte. Dieser Wachstumsprozess vollzog sich immer weiter. Um das Wesen lag ein dichter Schleier, und darin lag das Wesen in tiefem Schlaf versunken. Dann näherten wir uns den Sphären des Lichts, und wir betraten die zweite Sphäre. Ich wurde auf mein eigenes Ruhebett niedergelegt. Ich sah dies alles geschehen. Langsam erhielt ich meinen vorigen Zustand zurück. Wie normal, wie natürlich war dieses Geschehen, dieses Wunder Gottes. Ich sah, dass sich der dichte Schleier auflöste und mein Geisteskörper größer wurde. Danach betete ich im Stillen, und ich dankte meinem allmächtigen Vater innig, dass ich dieses heilige Geschehen erfahren durfte. Dieser Wachstumsprozess war wunderbar. Bald erlebte ich mein Erwachen in den Sphären. Noch war ich nicht in mein eigenes Leben zurückgekehrt. Ich sah dies alles geschehen. Nun nahte das Ende, und mit jenem Ende mein Erwachen im Geiste. Das war in dem Augenblick, als mein geistiger Leiter mir zusprach. Das alles wusste ich. Wieder sah ich mich selbst in Schlaf fallen, und nach einiger Zeit erwachte ich auch daraus und war wie neugeboren. Ich hatte ein mächtiges Problem kennen gelernt und erfahren, wie ein Mensch auf Erden geboren wird und wieder zurückkehrt zur geistigen Welt. Das ist kosmische Weisheit und heilig. Es ist Gottes heilige Führung und Allmacht, die dies alles lenkt. Ich sank nieder und dankte nochmals meinem Gott für alles.
Als ich mein Gebet beendet hatte, sah ich auf zu meinem geistigen Leiter und dankte auch ihm für dieses Geschehen.
„O, wenn die Menschen das annehmen wollten“, sagte ich.
„Das ist möglich, Lantos, und das gibt ihnen einen Halt, denn sie werden das irdische Leben anders als zuvor erleben. Sie werden nicht mehr traurig sein, wenn ein junges Leben hinübergeht. Alles ist Gottes Wille. Nun höre weiter, Lantos. Jetzt, da du dies alles erfahren hast, dürfte dir klar sein, dass der Mensch oder die Seele aus dem Unbewussten angezogen wird, und die Seele für die eine oder andere Aufgabe zur Erde zurückkehrt. Zwischen jener Welt und der Erde, jener Abstimmung also, liegt und lebt Gottes heilige Macht. Jene Macht und Kraft sind Gesetze, von denen auch die Meister nichts wissen. Darin liegt das Geheimnis, was die Seele im irdischen Leben erfahren und empfangen wird. Von dort aus kommt es auf die Welt, und nun treten Gottes Gesetze in den Vordergrund, und die sind da, wo die Seele leben wird. Du lebtest in China, in deinem vorigen Leben im Westen, davor in Ägypten und vielen anderen Teilen der Welt. Davon weiß weder der Geist noch der Mensch etwas. Die Meister können sich also, ehe die Seele die Welt des Unbewussten betritt, mit jenem Leben verbinden und sich durch Konzentration auf die Erde einstellen, wodurch sie das Leben verfolgen können. Soll die Seele Reichtum besitzen, so kann kein Mensch daran etwas ändern. Es wird auf Erden in jener Situation geboren werden. Die Tiefe all dieser Probleme ist erst ab dem vierten kosmischen Grad festzustellen. Doch kein Wesen, das auf jenem Planeten lebt, du weißt es schon, hat Kontakt mit der Welt, denn sie wissen, dass es Gottes Gesetze sind, und sie werden jene Gesetze respektieren. Wird die Seele auf Erden etwas gutmachen müssen, so wird es geschehen. Soll es mit fünf, mit zehn oder im fortgeschrittenen Alter dort sterben, auch das liegt fest und wird geschehen. Kein Wesen auf Erden besitzt die Konzentration, um das höhere geistige Wesen anzuziehen, auch nicht, wenn man all diese Gesetze und Vorgänge kennt. Das sind Gottes Gesetze; weder Seele noch Geist – wie hoch auch gekommen – weiß darüber etwas oder kann darin eine Änderung herbeiführen. Bei guten und spirituellen Eltern tritt das tierische Leben ins Stoffkleid. Im Leben auf Erden ist dies sehr deutlich festzustellen. Menschen beten und bitten Gott, ihrem Kind, das geboren werden wird, geistige Gaben zu schenken. Aber durch Beten ist daran nichts zu ändern. Wenn es geschieht, dann ist es ein Gesetz. Die Tiefe dieses mächtigen Prozesses kennt allein Gott, das ist ein heiliges Gesetz, welches die Allkraft ist. Worin sich die Seele auch befindet, alles dient dazu, sich durch das Stoffleben geistige Liebe zu Eigen zu machen. Der Mensch wird immer und immer zurückkehren, bis er den dritten kosmischen Grad innerlich trägt, und dann ist sein Kreislauf auf Erden zu Ende. In diesem Leben geht es mit der Seele weiter, und all die anderen und höheren Sphären sind dir bekannt. Du weißt auch, dass, wenn der Mensch an dieser Seite in die tiefste Finsternis eingeht, er sich bereits an dieser Seite entwickeln und die höchsten Sphären erreichen kann. Dein eigenes Leben gibt dir dafür ein Beispiel. Aber es ist dennoch möglich, aus den höchsten Sphären auf die Erde zurückzukehren und dort eine Mission zu vollbringen. In der Sphäre der Selbstmörder ließ ich dich dies spüren, es war in dem Augenblick, da beide Möglichkeiten in dir bewusst wurden. Die eine Möglichkeit ist ein Gesetz, die andere eine Gnade, eine Mission, eine Aufgabe. Ein Mentor nun wie Cesarino kann auf die Erde zurückkehren und die Bewusstwerdung erfahren, so auch dort bis zum gewünschten Alter heranwachsen, wenn die Seele mit den Naturgesetzen in Harmonie bleibt. Die Seele, also das höher abgestimmte Wesen, kann blitzartig zu seiner eigenen Sphäre zurückkehren und in seine vorige Abstimmung übergehen. Je höher der Mensch also gekommen ist, desto schneller vollzieht sich dieser Prozess; und es geschieht nach der inneren, und zwar der Liebeskraft, die das Wesen besitzt.
Der Geist oder die Seele, welche in die Welt des Unbewussten eingehen – du hast jenen Vorgang erfahren -, steigt in eine tiefe Abstimmung ab und geht zurück zu einem Funken an Licht, an Leben, wird kleiner und kleiner – wie dein eigenes Kleid, also dein Geisteskörper, den du hast heranwachsen sehen. Von dieser Seite aus steigt es in jenen unerklärlichen Zustand ab, und von der stofflichen Verbindung an – der Befruchtung – wachsen Seele und Körper natürlich auf, und so wird der Mensch auf Erden geboren. Das Geschlechtswunder ist auch ein kosmisches Gesetz, das allein Gott kennt, und das die Seele erfährt. Es ist nicht möglich, dies auf Erden im Voraus zu bestimmen. Wir aber wissen es; und was ich dir nun erzählen werde, ist das Unglaublichste dieses mächtigen und heiligen Prozesses: dass die Seele dort in beiden Körpern geboren wird. Wenn eine Mutter mehrere Kinder gebärt, ist dies ein Geschehen, das mit den stofflichen Organen zusammenhängt; und es hat allein damit zu tun. Sobald also eine Befruchtung stattfindet, sinkt das Leben von dieser Seite aus in den Stoff hinab und zieht die Frucht, da sie durch den Menschen zustande gebracht worden ist, das Leben an. Das gilt für Tier und Mensch. Doch der Mensch stimmt sich auf das höhere und vollkommene göttliche Wesen ab. Das Tier aber gehört zu seiner eigenen Abstimmung des tierischen Lebens, wenn die Befruchtung, das Hinabsinken des Lebens und das In-Besitz-Nehmen des Stoffkörpers auch auf ein und dieselbe Weise funktionieren. Aber all jenes Leben ist Gottes heiliges Leben. Die Seele sinkt also in beide Körper hinab. Spürst du die tiefe Bedeutung dieses Wunders? Es dürfte dir dann klar sein, dass die Seele in einem Leben den männlichen Körper besitzt und im anderen das weibliche Wesen repräsentiert. Die Tiefe dieses mächtigen und heiligen Problems ist nicht zu ergründen. Aber die Meister wissen es, und wir alle, die wir uns mit dem Menschen auf Erden verbinden können, fühlen und sehen, dass dies die Wahrheit ist. Die Mutterliebe nun ist jene mächtige Kraft, Gottes heilige Schöpfung, wodurch die Seele in ein höheres geistiges Stadium tritt und sich dann jenen Besitz zu Eigen machen kann. Alles, was die Seele also auf Erden erfährt, dient dazu, um aus dem Tierischen ins Grobstoffliche, ins Geistige einzutreten. Wenn nun der Mensch auf Erden sich fragt: ‚Wie komme ich an all diese Eigenschaften?‘, so hat das Leben sich diese in vorigen Leben angeeignet. Und das alles hat zum Ziel, geistig zu erwachen. Wir wissen, dass man sich alles aneignen muss, indem man es erlebt und lernt, und dass man zugleich annehmen muss, dass man sich all jener Eigenschaften in einem kleinen und kurzen irdischen Leben nicht bemächtigen kann. Dazu benötigt die Seele tausende von Jahren. Und was sind an dieser Seite schon tausend Jahre? Gott schenkt all seinen Kindern und allem anderen Leben diese Gnade, sodass die Seele gutmachen kann, was in einem vorigen Leben zerstört worden ist. Es ist Gott, der dem Menschen auf Erden die Gnade gewährt, sein unterbrochenes Werk an dieser Seite fortzusetzen. Stets ist es unser Heiliger Vater, der uns Kinder führt und zeigt, was für uns das Beste ist. Es ist Gott, welcher der Seele die Gnade gewährt, die Mutterschaft zu erfahren und sich die Liebe, das Heiligste, was Gott geschaffen hat, zu Eigen zu machen. Das ist das Leben auf Erden, mein Lantos, und der Kreislauf der Seele ist das stoffliche, ist das geistige und das kosmische Leben. Ist dir alles, was ich dir mitgeteilt habe, verständlich, mein Bruder Lantos?“
Da fasste ich die beiden Hände meines geistigen Leiters und Meisters und sagte: „Ich verstehe dich vollkommen, Meister, ich könnte es sonst nicht fühlen. Dies alles zu erleben bewirkt, dass man es annimmt.“
„Ich danke dir, dann gehen wir weiter.“