TEIL III 

Das Kosmische Leben 

Dienende Liebe

Das Leben in meiner Hölle verstand ich nun vollkommen. All die Übergänge und Sphären hatte ich kennen gelernt. Nun würde ich an mir selbst arbeiten, und dies war allein möglich, indem ich anderen etwas bedeutete. Mein Meister hatte mir dies klargemacht, und auch die Meister in der Kunst hatten mir in einer solchen Weise zugesprochen. 

Ich setzte meinen Weg auf Erden fort und würde bald ein Werk verrichten, dem ich mich gänzlich hingeben konnte. Ich blieb allerdings in der astralen Welt. Höher gehen war mir nicht möglich. Ich schlenderte durch die Straßen und konzentrierte mich auf den Menschen. Diejenigen, die sich in Leid und Schmerz befanden, zogen mich am meisten an, und ihnen würde ich folgen. Ich begegnete sehr vielen Menschen, doch nicht ein Einziger fühlte sich glücklich. Immer gab es etwas, was das Glück verfinsterte, und ich wusste warum. 

Die Erde war ein Planet, auf dem der Mensch zu lernen hatte, eine Schule, und in jener Schule musste man sich selbst kennen lernen. O, ich verstand und spürte so stark, was Gott beabsichtigte, und wozu der Mensch auf Erden lebte. Mir war nun alles klar. Es gab in meinem eigenen Leben keine Abgründe mehr, weder Probleme noch Wunder, mir war alles offenbart worden und zwar durch ihn, meinen Vater aus längst vergangenen Zeiten. 

Wie mächtig war der Mensch, wie abgründig und unbegreiflich waren geistige Gesetze! Wenn man an dieser Seite das Gute wollte, lernte man all diese Gesetze kennen, und man erfuhr Wunder und Probleme. Dann erst wurde man man selbst, man verstand das Leben und den Sinn, auf Erden zu sein. Doch im Leben auf Erden, in jener Schule, musste man sich selbst kennen lernen, und dazu war man auf Erden. Aber der Mensch lehnte sich auf, er suchte und fragte sich, „warum“ und „wozu“ und konnte nicht akzeptieren. Er wollte Glück, denn ein Mensch hatte Recht darauf. Gott hatte all Seine Kinder lieb, war ein Vater der Liebe, und trotzdem gab es so viel Elend. Jeder spürte Leid, Krankheit und viele andere unmenschliche Dinge, sodass es keine glücklichen Menschen gab. Ich sah, wie sie rannten und eilten, nicht ein Einziger war ruhig. Aus jedem Menschen stiegen Lichtblitze empor, links und rechts, und das war die Ausstrahlung ihres innerlichen Gemüts, ihrer Gedankenwelt, das war die Abstimmung des Wesens. Daran erkannte ich ihr innerliches Leben. Jeder Lichtstrahl, den ich deutlich wahrnehmen konnte, bedeutete etwas. Ich sah das grünliche Licht, vor dem mich schauderte, und das ich so aus der Nähe kennen gelernt hatte. Die Dämonensphäre würde ich nicht so leicht vergessen können, denn darin hatten sie mich angegriffen und über den Boden geschleift. Auch die Wesen, bei denen ich jenes Licht wahrnahm, gehörten zu ihnen. Ich brauchte nicht zu suchen und zu ergründen, sie waren für mich durchsichtig, denn ich las in ihnen und ging gänzlich in sie über. Diese Wesen waren gefährlich. Wenn sie auf Erden die Macht über anderlei Besitz hatten, waren sie ganz gewiss imstande zu martern und zu foltern, wenn der Mensch nicht tat, was sie wollten. An dieser Seite gehörten sie zu denjenigen, denen ich begegnet war, und sie konnten abermals fortfahren, die Menschheit zu vernichten. Diese Menschen waren nicht zu erreichen. Ich begegnete vielen, doch ließ sie gehen. Sie lebten in allen Kreisen der Gesellschaft. Ich sah Arme und Reiche, die so waren, und wenn dann einem Armen die Mittel und die Macht gegeben würden, vergaß sich auch dieser und war genauso. Ihre inneren Gefühle stimmten überein. Doch ich wusste, dass die Armen auf die Erde gekommen waren, um in diesem Zustand ihren Kreislauf zu beenden. 

Bei anderen Menschen sah ich an ihrem inneren Licht, woran sie dachten, und in was sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit übergegangen waren. Düstere Ausstrahlungen nahm ich wahr, und ich fand es großartig, dies zu erschauen. Gleichzeitig begriff ich, dass ich nichts davon verstanden hätte, wenn ich nicht in all diese Höllen hinabgestiegen wäre. Doch es waren Jahrhunderte vorübergegangen; und in jener Zeit hatte ich viel gelernt, sodass ich nun jedermann verstand, der in und unter meiner eigenen Hölle lebte. Wenn ich Menschen begegnete, die für mich Schemen waren, fühlte ich mich glücklich. Sie waren weiter als ich, und das spornte mich an, innig, ganz innig zu denken. So verfolgte ich schon eine Zeit lang den Menschen und war bereit, denen zu helfen, die mich am meisten nötig hatten. 

Vor mir sah ich einen irdischen Menschen, und in seiner Ausstrahlung lag etwas, das mich anzog. Der Mann lief vornübergebeugt, ganz in sich gekehrt weiter und war wie ein lebender Toter. Er trug ein prächtiges Gewand, und daran erkannte ich, dass er zu den höchsten Kreisen gehörte. Ich folgte ihm weiter und blickte bis tief in seine Seele, sodass ich wusste, woran er dachte. Dieser Mensch war innerlich gebrochen. Er verzehrte sich durch Hass, weil man ihn betrogen hatte. Liebe, immer und ewig war es die Liebe, wodurch auch er so traurig war. Er wusste in diesem Augenblick nicht einmal, dass er lebte. Wir gingen in eine Straße hinein, aus der anderen wieder heraus. Doch ich sah noch mehr. Er wurde von zwei astralen Wesen verfolgt, es waren ein Mann und eine Frau. Die Gedanken, die sie zu ihm sandten, waren vernichtend. 

Was wollten diese Wesen von diesem irdischen Menschen? Ich zog mich in meine eigene Welt zurück, denn ich wollte nicht, dass sie mich wahrnehmen würden. Wodurch ich daran so plötzlich dachte, begriff ich erst später, und ich spürte, dass man auch mir folgte. Nun lernte ich Kräfte kennen, die ich auf meiner Reise, die doch Jahrhunderte gedauert hatte, nicht erlebt hatte. Dieser Mensch war nicht mehr er selbst, denn zwei tierische Wesen hatten sich mit ihm verbunden. Sie lebten nunmehr in ihm. Er war in einen Schleier der Leidenschaft und der Vernichtung gehüllt. „Wenn der nur zu retten ist“, dachte ich. 

Der Mann war betrübt und hatte keinen geistigen Besitz, mit dem ich mich verbinden konnte. Doch ich folgte ihm weiter, eine andere Kraft zwang mich, solches zu tun. 

Ich sah, dass aus ihm Lichtblitze zu einem anderen Menschen gingen, was ich deutlich wahrnahm, und dessen Bedeutung ich verstand. Ich würde diese scharf ausgesandten Gedanken nachher verfolgen, aber zunächst wollte ich wissen, wo er lebte. Es dauerte lange, ehe er sein Ziel erreicht hatte, doch endlich trat er in seine Wohnung ein. Ich hatte richtig herausgefühlt, dass er reich war. Er hatte viel irdischen Besitz und war dennoch unglücklich. Unaufgefordert folgte ich ihm, und mit mir die beiden anderen. Ein Mensch auf Erden, der sich von nichts bewusst war, wurde verfolgt. Ich glaubte etwas Unheilverkündendes zu spüren. 

Es war beängstigend, dies aus meiner Welt zu sehen. In einem seiner Zimmer setzte er sich nieder. Nun verfolgte ich die astralen Wesen und war gespannt, was sie tun würden. Der irdische Mensch saß dort vornübergebeugt, den Kopf in beide Hände gestützt und seufzte tief. Einer der Dämonen näherte sich ihm und zwängte sich in seine Aura, ergründete seine Gefühle und durchbohrte ihn mit seinem Willen. Ich stellte mich auf dieses Wesen ein und spürte, was es wollte. „Was für Monster sind das“, dachte ich, „welch scheußliche Wesen!” Man sandte Mord und Gewalt zu ihm. Der astrale Mensch lag in ihm. Neben diesem stand der weibliche Geist und sah zu, wie dies alles verlief. Ich blieb stets mit ihnen verbunden. Dieses Einssein war wundersam, aber trotzdem scheußlich, weil sie den Menschen auf Erden zu furchtbaren Dingen anstachelten. Der Dämon steigerte seinen Hass, und das war sehr einfach. Er verstärkte sein Gefühl in Bezug auf diejenige, die ihm dies alles antat. Einmal so weit gekommen, würde er den Plan zur Ausführung bringen. Das Licht, das ich nun wahrnahm, war teuflisch. Der Mensch auf Erden wurde rasend. Er sprang auf von dem Platz, wo er saß, und rannte im Zimmer auf und ab! Nach einer Weile setzte er sich wieder nieder, um nachzudenken. 

„Oh, Mensch, du bist in den Händen des Bösen“, dachte ich. „Wenn du dich zu dem entschließt, wozu sie dich nötigen, wird ein Mensch sterben, und auch du wirst in dieses Leben eingehen.” Man legte Mord und Vernichtung in ihn. Ich konnte ihn nicht erreichen, hier gab es für mich nichts zu tun, denn die Dämonen hatten ihn in ihrer Gewalt, und er hatte mit ihnen zu tun. Nun folgte ich den Gefühlen des weiblichen Geistes, und ich blickte in ihr Leben. Sie war auf Erden vernichtet worden, man hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. Sie hatte ihren Kampf geführt, doch sie hasste. In diesem Leben hatte auch sie Hilfe empfangen, und zwar von demjenigen, der sich in diesem Augenblick verbunden hatte. Ihr Hass war entsetzlich, und dies alles ging von ihr aus. Er, dieser irdische Mensch, hatte sie umgebracht. 

Mich hatte dieses Leben geläutert, doch dieses Leben hatte ihren Hass verstärkt. Ein menschliches, aber scheußliches Spiel spielte sich hier vor mir ab. Ich war Zeuge eines Geschehens, das sich zunächst auf Erden abgespielt hatte und sich nun an dieser Seite fortsetzte. Mir schlug das Herz bis zum Hals hinauf. Was sollte ich tun? Ich spürte deutlich, dass ich ihn nicht würde erreichen können. Von dieser Seite wollte man, dass er töten würde. Um sich davor zu schützen, musste er auf der Stelle ein anderes Leben beginnen, und von seinen Verlangen Abstand nehmen. Doch ich spürte, dass dies nicht möglich war. Jene Kräfte waren nicht in ihm. 

Ich konzentrierte mich wieder auf ihn und fühlte, dass sein Hass ein wenig nachgelassen hatte. Er saß nun ruhig da und dachte nach. Der Dämon befreite sich und sagte zum weiblichen Wesen: „Ich glaubte schon, dass ich so weit war, doch er kommt nicht zu einem Entschluss.“ 

Ich begriff, dass der irdische Mensch doch noch stets er selbst war und sich dadurch schützte. 

„Stachel ihn an“, sagte das weibliche Monster, „dass er trinkt, dann wird seine Konzentration nachlassen.“ 

Abermals zwängte sich der astrale Mensch in dieses irdische Wesen und spornte ihn an zu trinken. 

Ich erschrak. Tatsächlich, er handelte nach jenem strengen Willen und sprang auf. Aus einer Nische holte er Alkohol hervor und schenkte sich einen Becher voll ein, den er in einem Zug leerte. Er trank nochmals von diesem Nass, sodass sein Gefühl betäubt wurde und er sich seiner Gedanken nicht mehr sicher war. Sein Hirn geriet dadurch in Verwirrung, und er wurde immer unruhiger. Nun war er gänzlich in ihrer Gewalt. Ich verfolgte diesen scheußlichen Prozess mit Interesse und blieb, wo ich war. Ich sah, dass aus ihm fortwährend Gedanken zu jener anderen Persönlichkeit gingen. Nun würde ich diesen folgen, denn ich wollte wissen, wer dies alles verursachte. 

Ich folgte seinen Gedanken, indem ich mich darauf einstellte, und jene Gedanken brachten mich an den Ort, wo diejenige lebte, die all sein Denken beanspruchte. Es war sehr einfach. Bald trat ich in ein Gebäude ein, und vor mir sah ich eine bildschöne Frau. Bei ihr war ein anderer Mensch, und nun verstand ich die ganze Situation. „Du musst mir helfen“, hörte ich sie sagen, „meinem Leben droht Gefahr, denn er ist nicht mehr er selbst.“ 

„Soll ich hier bleiben?“, hörte ich ihn fragen. 

„Tu das“, antwortete sie. „Lass uns abwarten. Aber ich bin mir nicht sicher, ich vertraue ihm in nichts mehr.“ 

Das Wesen, zu dem sie sprach, war ein Mensch mit einer schönen Ausstrahlung. Diesen konnte ich erreichen, und ich wollte versuchen ihm klarzumachen, was geschehen würde. Ich verband mich mit ihm und legte meine Gefühle in ihn. Seinen Gedankengang trieb ich zu dieser anderen und das Gespräch, das ich nun hörte, gab mit die Gewissheit, dass er mich verstand. Ich hörte ihn sagen: „Ich kenne ihn, er ist zu allem fähig. Du musst sehr vorsichtig sein, denn du bist nicht die Erste. Es gehen Gerüchte um, dass er krasse Maßnahmen ergreift, wenn er seinen Willen auf etwas gerichtet hat und es nicht zu seinem Vorteil geschieht. Ich empfinde es als eine sehr ernste Situation. Du spottest mit deinem Leben. Warum bist du auch so weit gegangen?“ 

„Was sagst du, zu weit gegangen? Soll ich mich betrügen lassen? Willst du mir sagen, dass ich Schuld bin? Wie kommst du darauf.“ 

„Aber ich meine es, du bist zu weit gegangen. Du hast dich in seiner Person getäuscht. Nun stehst du vor einer sehr ernsten Sache. Soll ich ihm einen Besuch abstatten?“, fügte er hinzu. 

„Einen Besuch abstatten?“, wiederholte sie seine Frage. „Was würdest du tun?“ 

„Ich würde mit ihm sprechen, vielleicht überrede ich ihn.“ 

„Du? Deinen Feind?“ 

„Was solls?“ 

„Nein“, sagte sie, „das niemals.“ 

Nun zog ich mich zurück. Ich befand mich in einer sehr merkwürdigen Situation. Nur ich wusste, was geschehen konnte. Was nun? Ich verband mich erneut mit diesem jungen Mann, und ich wusste, wie weit er gehen würde. Für sie wollte er sein Leben geben. Doch sie war es nicht wert, und ich versuchte es zu verhindern. Ich ließ ihn spüren, dass sie es nicht wert war, und hierauf hielt ich meine Konzentration eingestellt. Es dauerte nicht lange, da fing er an, nachzudenken. Seine Gedanken waren jetzt scharf auf sie gerichtet. Nun durchschaute er ihre ganze Persönlichkeit. 

Seine Gefühle waren fein und rein menschlich. Sie aber spielte mit den Herzen, und das ließ ich ihn deutlich spüren. Er stand auf und fuhr fort: „Wie lange kennst du ihn?“ 

„Fast ein halbes Jahr“, sagte sie. 

„So, und du hast ihm nichts, absolut nichts versprochen?“ 

„Wie kommst du dazu?“, lautete ihre Frage. 

„Wie ich dazu komme, dürfte dir doch wohl klar sein“, sagte er ruhig. „Ich begreife nicht, dass er das Recht hat, dir diese Forderungen zu stellen.“ 

„Du siehst, er denkt, dass er es kann.“ 

Er ergründete sie und ich ihn und ich spürte, dass er sie noch nicht lange kannte. Für ihn war sie ein unergründliches Wesen, denn der Mensch auf Erden konnte die Tiefe ihres Gefühls nicht ergründen. Daher steigerte ich sein Gefühl, und durch mich empfand er sie wie nie zuvor. Hier wollte ich retten, was es zu retten gab. Wenn dieser Mensch sich für sie hingab, gingen er und sie zugrunde. Ich wollte nun, dass er sich von ihr löste. Ich legte ein Gefühl des Zweifelns in ihn; und jene Gefühle verstärkte ich, indem ich ihn ihren Charakter spüren ließ, dessen er sich nun bewusst wurde. Ich folgte seinen Gedanken, und sein Interesse für sie nahm ab. Plötzlich machte er einen Schritt auf sie zu und sagte: „Darf ich diesen Brief lesen?“ 

Sie durchbohrte ihn mit ihrem Blick, zuckte geringschätzig mit den Achseln und sagte: „Was hättest du davon? Nichts. Du würdest bloß deine gute Gesundheit und deinen Humor verlieren.“ 

Ich verstand auf der Stelle, dass ich nicht alles wusste. Gab es einen Brief? Hatte er ihr geschrieben und Forderungen gestellt? Wo war dieser Brief? Ich ergründete ihren Gedankengang und so wusste ich, wo dieser sich befand. Sie trug dieses Schreiben bei sich, doch sie sagte, dass sie es weggeräumt habe und es jetzt nicht holen könne. Für mich war dies eine Lüge. Nun las ich, was in dem Brief geschrieben stand. Es war wunderbar, all das zu können. Deutlich sah ich jedes geschriebene Wort. Jedes Wort strahlte Licht aus. Dieses Schreiben bedeutete Hass. Ich brauchte nicht einmal mehr zu lesen, ich wusste bereits alles. Es war eine deutliche Forderung. Ich las: „Gib mir binnen vierundzwanzig Stunden die Gelegenheit, mit dir zu reden.“ Davon war der größte Teil schon verstrichen. An diesem Abend, vor zwölf Uhr, würde sie sich entscheiden müssen. Sie stand vor den letzten Stunden. Er, der bei ihr war, würde sie behüten und doch, ich spürte es deutlich, zog er sich nun im Gefühl von ihr zurück, da er ihre ganze Persönlichkeit kannte. Dieser Mensch wollte für sie sein Leben geben, aber er musste wissen wofür. Ich war sehr glücklich, denn das waren meine Gefühle. 

Nun sah ich ein anderes Wunder. Neben mir baute sich etwas auf, und ein Geist manifestierte sich vor meinen Augen. Ich sah, dass sie zu den höheren Wesen gehörte. 

„Ich danke Ihnen“, sagte das Wesen zu mir, „dass Sie mein Kind beschützen.“ 

„Ihr Kind?“, fragte ich ganz verwundert. 

„Es ist mein Kind“, und sie zeigte auf ihn. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, denn ich folge ihm schon eine geraume Zeit. Haben Sie diese Szene gänzlich erfasst? Wissen Sie, was geschieht?“ 

„Nein“, sagte ich, „das weiß ich noch nicht, ich bin dabei, es zu verfolgen.“ 

„So wissen Sie, dass Sie es nicht verhindern können. Ich sah diese Gefahr schon seit langem und folge daher meinem Kind. Aber Sie müssen ihn daran hindern, sich ihr zu nähern. Durch Konzentration ist dies möglich, dann wird er sich zurückziehen müssen. Ich helfe Ihnen, doch nicht hier. Ich werde Gott um Kraft bitten, denn es ist notwendig, dass er lebt.“ 

„Aber“, sagte ich, als ich mein eigenes Leben plötzlich vor mir sah, „ist dies möglich? Kann man ihn beschützen, wenn er hinübergehen muss, dies erleben muss?“ 

„Nein“, sagte das Wesen zu mir, „das nicht, aber wenn Sie ihn nicht wecken, geht er ohnehin zugrunde. Er wird um sie trauern, und dann ist sein Leben zerstört. Spüren Sie, was ich meine?“ 

„Ja“, sagte ich, „ich verstehe Sie vollkommen, ich bin schon dabei.“ 

„Das weiß ich, doch Sie müssen bei ihm bleiben. Er ist der Einzige, dem Sie helfen können.“ 

„Und die anderen?“ 

„Sie beide gehen hinüber.“ 

„Haben Sie das schon übersehen?“ 

„Ich habe dies empfangen“, sagte das schöne Wesen zu mir. 

Mein Gott, dachte ich, was habe ich noch zu lernen. „Ich werde bei ihm bleiben, aber können Sie mir noch einen Rat geben?“ 

„Sie folgen ihm, und Sie müssen ihm weiterhin folgen, mehr brauchen Sie nicht zu tun. Aber wenn es möglich ist, sollten Sie ihre Gefühle auf ihn übertragen, wonach er handeln wird.“ 

Darauf zog sich der Geist vor mir zurück, und ich war wieder allein mit den beiden. Es sollte ein furchtbares Drama geschehen. In den Sphären wusste man bereits davon. Für mich war es abermals ein tiefes Problem und zugleich ein Wunder an menschlicher Kraft. Über den irdischen Menschen wusste man alles, wenn beide verbunden waren. Von dieser Seite aus stellte man sich auf den irdischen Menschen ein, und was für die Erde Wunder waren, die man erst an dieser Seite kennen lernte, war nichts anderes als die Liebe zwischen Mutter und Kind. Ich würde versuchen, ihm seine letzten Gefühle ihr gegenüber zu nehmen. Ich lernte Gesetze kennen, die neu für mich waren. Der eine lebte durch den anderen, und wiederum ein anderer wurde durch den unsichtbaren Menschen vernichtet. Derjenige, den ich zu beschützen glaubte, war nicht mehr zu retten, doch demjenigen, an den ich nicht gedacht hatte und den ich nicht einmal kannte, ausgerechnet dem sollte ich helfen. Ich wartete nun ab, was geschehen würde. Hier war es nun ruhig. 

Der junge Mann sprach mit ihr, doch sie wich seinen Fragen aus und sah den Ernst ihrer Lage nicht ein. Sie hatte ihn durch ihre Schönheit beeinflusst, ihre Schönheit zog ihn an. Das alles war wirklich menschlich. Derartige Dinge waren an der Tagesordnung. Aber dass es auf diese Weise geschah, sah ich erst in diesem Leben, und ich erlebte es, weil ich darin überging. Hier lernte ich, was ich auf meiner langen Reise nicht gelernt hatte. Doch ich würde die Erscheinung nicht enttäuschen. Noch war er verblendet, aber ich musste versuchen, seine Gefühle zu töten. Doch ich spürte, dass dies nicht so einfach war. 

Diese Frau hatte mit demjenigen, der von den Dämonen beeinflusst wurde, eine Verbindung. Sie hatte diese Beziehung abgebrochen, doch er kam darauf zurück und akzeptierte es nicht. Nun übersah ich alles. Es war ganz einfach. Er hatte die andere Frau, diesen Dämonen, betrogen, und sie hatte an dieser Seite Hilfe von jenem furchtbaren Monster erhalten, sodass er von ihnen aufgestachelt wurde. Hiermit waren fünf Menschen verbunden, und ich würde versuchen, diesen jungen Mann zu retten. Eine nicht einfache Aufgabe, aber ich würde mein Bestes tun. Eine Mutter wachte über ihr Kind; ihre Gefühle waren schön und es tat mir gut, dies erlebt zu haben. Darin sah ich reine Liebe, eine Liebe, die höher und stärker war als die meine. Nun hörte ich sie wieder sprechen, ich hatte ihnen, während ich nachdachte, trotzdem in allem folgen können. Er drängte darauf, alles über ihr Leben mit ihm zu erzählen. Aber sie wusste auf eine vortreffliche Art und Weise seine Bitte zu umgehen und dem Gespräch eine Wende zu geben. Doch er kam immer wieder darauf zurück. Ich legte mein Gefühl in ihn und spornte ihn an, fortzufahren. Seine Fragen waren kurz und streng, ihre Antworten bissig und heuchlerisch. 

„Wenn du mir nicht die Wahrheit sagst, geh ich“, sagte er. 

„Ich habe nichts zu sagen“, fauchte sie ihn an. „Was willst du? Geh, wenn es dir nicht gefällt, geh ruhig, ich werde mich zu verteidigen wissen.“ 

Er stand da, wie ein Toter so blass, und war über sie erschrocken. Nun fing er an, sie ganz zu durchschauen, denn ich blieb mit ihm in Verbindung. Sie trat auf ihn zu. 

„Komm“, sagte sie, „lass all das.“ Sie schmiegte sich an ihn und meine Macht über ihn ging auf sie über. Es war nicht so einfach, einen Menschen gänzlich in seiner Gewalt zu haben und von dieser Seite aus zu beschützen. Durch seine Liebe zu ihr stieß er mich von sich, und indem sie sich an ihn schmiegte war meine Macht über ihn schon gebrochen. Sein eigenes Verlangen spielte mir einen Streich. Damit hatte ich wiederum nicht gerechnet. Alles geschah hier unerwartet. Diesen menschlichen Willen musste ich dominieren, sonst erreichte ich nichts. Doch ich konnte ihn in diesem Augenblick nicht erreichen. Nun dachte ich an die anderen. Ich wollte wissen, was dort geschah und entfernte mich, würde aber sogleich zurückkehren. Bald war ich dort und fand ihn so vor, wie ich ihn verlassen hatte. Die Zeit verstrich. In ihm und um ihn herum sah ich noch stets die beiden Dämonen. Nun war er ein Instrument in ihren Händen. Wie würde sich dieses Drama lösen? Ich ergründete ihn abermals und stellte fest, dass er bereits einen Entschluss gefasst hatte und dass er ganz mit Leib und Seele mit ihnen verbunden war. Sein Hass hatte den Höhepunkt erreicht. Seine Seele war von dem Gift dieser Seite infiziert. Es war unmenschlich, was ich wahrnahm. Er hatte das Alter von vierzig Jahren erreicht, und das war zu jung um zu sterben. Doch er war verloren, denn er wollte es nicht anders. Fuchsteufelswild stampfte er auf den Boden und trank seinen Becher leer, wodurch sein Hirn benebelt wurde und sein Hass sich verstärkte. 

Plötzlich schien er zu einem Entschluss zu kommen. Ich spürte, was er tun wollte und sah noch, dass er einen Dolch einsteckte. Dann machte er sich zum Aufbruch bereit. Die Dämonen folgten ihm, ihre Konzentration war und blieb scharf auf ihn gerichtet. Blitzartig begab ich mich fort, zurück zu demjenigen, dem ich helfen sollte. Ich konzentrierte mich auf die Umgebung und schwebte dorthin. Um das Haus herum lag ein prächtiger Garten, und einige Bäume versperrten die Aussicht. Deutlich sah ich diese irdische Szene. Ich trat schnell ein, denn es musste gehandelt werden. Ich drängte sie beide, um fortzugehen, aber dies war mir, wie sich zeigte, nicht möglich. Er war wieder gänzlich in sie übergegangen und hatte sich in ihren Schlingen verfangen. Sein jugendliches Blut verleugnete sich nicht. Ich zwängte mich in ihn und verschärfte meine Konzentration. Ich hatte ein durchgehendes Pferd in seinem Lauf zum Stillstand bringen können. Ihn überfiel eine gewaltige Angst. 

„Was fehlt dir?“, fragte sie interessiert. 

„Ich fühle mich nicht gut“, sagte er. 

Dann ging ich auf sie über, und auch in sie legte ich meine Angst, was ich über das Schicksal wusste. Beide fühlten mich. 

„Es wird etwas passieren“, sagte sie, „ich bekomme Angst.” Auch er hatte Angst, doch er wollte es vor ihr nicht wahrhaben. „Er wird kommen“, sagte sie, „was soll ich tun?“ 

„Geh“, sagte sie wieder, „er wird dich töten.“ 

„Nein“, antwortete er, „Ich bleibe.“ 

„Geh“, sagte sie abermals, „es kostet dich dein Leben.“ 

„Ich bleibe“, sagte er fest entschlossen. Er setzte sich nieder und sah zu ihr. Sie rannte wie ein wildes Tier auf und ab. Plötzlich stieß sie ein furchtbares Gekreische aus, das bis in mein Leben durchdrang. Sie sah zum Eingang, und vor ihr stand ihr voriger Liebhaber. Er übersah die Situation und lächelte. Dann trat er näher, und zwei Paar Augen trafen einander. Er blickte von ihr zu ihm, der vor ihr Platz genommen hatte. 

„Wer bist du?“, fragte er meinen Schützling. Dieser sagte nichts, doch sah ihn unverwandt an. 

„Wer bist du?“, fragte er nochmals, „und was tust du hier in meinem Haus?“ 

Er erschrak. „Ihr Haus?“ 

„Mein Haus, was tust du hier?“ 

Sie stand da, wie am Boden festgenagelt und war der Verzweiflung nahe. Mit einem Sprung stand sie vor ihm. „Geh“, sagte sie, „wer gibt dir das Recht, so zu sprechen?“ 

„Ich komme hierhin, wann ich es will“, hörte ich ihn sagen. Blitzschnell griff er seinen Dolch, und im selben Augenblick waren zwei Menschen erstochen. Mein Schützling entfernte sich, innerlich heftig erschrocken. 

Ich blieb und sah zu, wie dies enden würde. Noch lebten sie, doch beide sollten sterben. Im selben Augenblick, da ich dies alles wahrnahm, hörte ich, wie neben mir gesagt wurde: „Folge ihm, du kannst später hierher zurückkehren.“ 

Ich konzentrierte mich auf ihn und hatte ihn bald erreicht. Wie in einem Traum folgte er seinem Weg und war sich nicht bewusst, wohin er ging. Ich verband mich mit ihm, seine Gedanken waren scharf. Doch es gelang mir, ihn zum Nachdenken zu bringen, sodass er anfing, sich Fragen zu stellen. Er spürte meine Gedanken, meine Kraft machte ihn bewusst. Aber plötzlich begann er heftig zu weinen und sank zusammen. Auch damit hatte ich nicht gerechnet. Was nun? Ich wollte ihn wach machen, aber es gelang mir nicht. Stunden gingen vorüber. Endlich sah ich, dass man ihn zu seiner eigenen Wohnung brachte. Darauf kehrte ich an den Ort des Unheils zurück. Beide waren noch am Leben, aber wenige Minuten später hauchte sie den Geist aus. 

Als ich dies wahrnahm, sah ich einige Schemen in meiner Nähe, die ich bereits eher zu sehen geglaubt hatte. Nun wurden sie für mich sichtbar, und ich sah, dass sie lange Streichbewegungen über dem Stoffkleid machten. Dann hörte ich einen scheußlichen Aufschrei, und der Geist verließ das Stoffkleid. Sie war auf Erden gestorben und an dieser Seite geboren. Er lebte noch, aber lange würde es jedoch nicht mehr dauern. Die Dämonen sahen aus einiger Entfernung zu. Nun hatten sie ihn verlassen, doch warteten an dieser Seite auf seinen Eintritt. Ich stand da und wartete ab, was sie tun würden. In diesen wenigen Stunden hatte ich ein furchtbares Drama erlebt. Nun vernahm ich einen unterdrückten Schrei, und ich begriff: Auch er ging hinüber. 

Doch ich erlebte wiederum ein anderes Geschehen. Ich sah abermals Schemen, und diese Schemen trugen ihn weg. Aber ging das? War nicht auch er ein Selbstmörder? Was bedeutete das? Doch im selben Augenblick hörte ich, wie in mir gesagt wurde: „Das ist sein Ende!“ „Sein Ende“, wiederholte ich, „sein Ende? Mein Gott, wie unbegreiflich sind deine Gesetze!“ 

„Folge diesen Schemen“, hörte ich zu mir sagen, „all das kann man dir erst später erklären. Dies ist sein normales Ende.“ 

Von wem war diese Stimme? Jemand, der Selbstmord verübte, war auf normale Weise gestorben? Und ich? „Zu unbegreiflich“, dachte ich, „für mich noch zu tief. Einmal wird mir die Bedeutung schon gegeben werden.” Ich hörte nichts mehr und folgte den Schemen. 

Wohin sollten sie gehen? Nun fühlte ich mich aufgehoben, und in schneller Fahrt ging es weg von diesem Ort. Auch die Dämonen gingen fort und folgten den Schemen. Ich spürte, dass ich die Erde verließ. Es ging immer höher und höher, sodass ich die Erde nicht mehr wahrnehmen konnte. Auch dies hatte ich auf meiner langen Reise weder gesehen noch gespürt noch erlebt. Was war das für ein Wunder? Ich folgte ihnen weiter. 

Wussten die Dämonen, wohin jene Schemen gingen? Ich spürte jedoch, dass ich ein neues Wunder erlebte, von dem ich noch nichts wusste, obwohl ich schon viel zu wissen glaubte. Immer weiter ging es. Jene Schemen hatte ich auch bei dem Kampf auf der Straße gesehen. Auf einmal dachte ich daran. Auch dort hatten sie diejenigen, die gestorben waren, weggeführt. Wohin wusste ich nicht, doch nun würde ich es erfahren. Vor mir tauchte eine Stadt auf, ich betrat eine andere Welt. Um mich herum sah ich Häuser und Gebäude. Wo war ich? Dies konnte kein Himmel sein, denn es herrschte Finsternis um mich herum. Sie gingen immer weiter und schwebten durch all diese Gebäude hindurch. Endlich sanken sie. Ich fühlte mich auf ebener Erde, der Boden war fest. Auch die Dämonen waren dicht neben mir, doch sie sahen mich nicht. Ich folgte auch ihrem Tun und Lassen. Wie Raubtiere sahen sie zu, und ich spürte ihre Absicht. Jenes Wesen dort hatte ihr volles Interesse. 

In einer dunklen Höhle legte man den Gestorbenen nieder. Um mich herum sah ich noch mehr Höhlen und Löcher. Nun sah ich die Schemen deutlich, und einer von ihnen bestrahlte ihn. Er machte lange Streichbewegungen über dem Körper. Dies dauerte eine geraume Zeit. Ich schaute weiterhin zu und fand es äußerst wundersam, was ich wahrnahm. Die Dämonen blieben in einiger Entfernung und sahen zu. Ich merkte, dass die Schemen sie spürten, denn einer von ihnen blickte in ihre Richtung. Dann hörte ich sie sprechen und erschrak durch das, was ich hörte. 

„Unsere Arbeit ist getan“, sagte der eine Schemen, „gleich können sie ihn anfallen.“ Nun verstand ich auf der Stelle die ganze Situation. Davon hatte mir mein eigener Meister erzählt. Auch ich hätte eine derartige Situation erlebt, wenn ich auf eine normale Weise gestorben wäre. Die Schemen gingen nun fort; doch sie waren kaum weg, da vielen die beiden Dämonen wie Wahnsinnige über den Mann her, der dort lag und schlief, und verprügelten ihn. Ich hörte ihn wimmern und spürte, dass er zu Bewusstsein kommen würde. Man trat und stieß ihn und schleifte ihn aus der Höhle hervor. 

„Lasst mich in Ruhe“, hörte ich ihn sagen, „lasst mich in Ruhe.“ Da schrie die Frau ihm einige Schimpfwörter zu und verfluchte ihn. Ich sah, dass von ihm nicht viel übrig bleiben würde, doch spürte zugleich, dass ich hier nichts tun konnte. Die Dämonen hatten ihn in ihrer Gewalt, daran war nicht zu zweifeln. Teufel waren es! Sie packten ihn und warfen ihn einige Meter von sich fort, um ihn aufs Neue zu verprügeln. Wo um Himmels willen war ich gelandet? Ich war in einer Hölle, und trotzdem war mir diese Hölle nicht bekannt. Wie würde ich hinter diese Wahrheit kommen können? Das Wesen stieß ein scheußliches Gewimmer aus, und es war noch nicht genug, denn sie fielen es nach wie vor an. Diese Menschen waren nicht mehr sie selbst. Sie warfen ihm alle möglichen Schimpfwörter und Verwünschungen zu. Er sei schuld an ihrem Untergang. Wie tierisch waren diese Menschen; hier lebten sie sich aus. Ich verspürte einen Hass, den ich auf Erden niemals verspürt hatte. Wie konnte ein Mensch so tief hassen? Doch sie fuhren noch fort. Der Gestorbene war sich nun von nichts mehr bewusst. Er spürte nicht mehr, dass man ihn schlug, er war bewusstlos. Die Frau war wie eine wilde vortierische Bestie, scheußlich war sie. „Mein Gott“, dachte ich, „welch ein Biest, was ist bloß in diese Menschen gefahren!” Nun ließ man ihn liegen. 

„Wir kommen wieder“, hörte ich sie sagen, „wir werden dich wieder wecken. Wir lassen dich schlafen, um Kräfte zu sammeln, aber dann kommen wir wieder.“ „Ich komme wieder“, hörte ich das weibliche Wesen sagen. „Wo ist diese andere?“ 

Der männliche Geist, an den diese Frage gerichtet wurde, sagte: „Hier ist sie nicht.“ 

„Schade“, hörte ich sie sagen. „Komm, wir gehen zurück zur Erde.“ 

Zur Erde, dachte ich, sind wir denn nicht auf Erden? Wo war ich, in der Hölle? Aber wo? Erstarrt vor Schreck stand ich da und dachte nach. Plötzlich fühlte ich eine Hand auf meiner Schulter und sah in das Gesicht eines Menschen. 

„Bruder“, sagte das Wesen zu mir, „siehst du zu, wenn ein anderer Mensch von Dämonen zerrissen wird?“ 

„Ich kann doch nichts tun“, sagte ich, „ich bin hier machtlos. Sag mir, wo bin ich?“ 

Das Wesen sah mich an und sagte: „Du befindest dich in den Sphären. Dies hier ist eine Hölle. Wo du herkommst, das gehört zur Erde und sind die astralen Gefilde, doch dies ist das Land des Geistes.“ 

„Merkwürdig“, sagte ich und fragte: „Bist du ein Geist des Lichts?“ 

„Ja, das bin ich.“ 

„Was tust du hier?“ 

„Ich versuche Unglücklichen zu helfen.“ 

„Hier in dieser Finsternis?“ 

„Ja, in dieser Hölle, und es gibt noch viele.“ 

„Was ist dies für ein Land, ich sehe Häuser und Gebäude?“ 

„Dies hier ist das Land des Hasses. Du siehst in Wirklichkeit eine Stadt, doch diese Stadt ist durch Hass errichtet.“ 

„Was tust du hier so allein?“ 

„Ich bin nicht allein, hier sind tausende Helfer, um denen zu helfen, die wollen, dass man ihnen hilft.“ 

„Hätte ich ihm denn helfen können?“ 

„Du hättest für denjenigen, den man von der Erde hierher brachte, dein Leben geben können.“ 

„Kann ich mein eigenes Leben geben?“ 

„Ja, das ist möglich, sieh dort.“ 

Ich sah zu der Stelle, zu der er wies, und im selben Augenblick fiel man mich an; und ehe ich michs versah, schleifte man mich durch die Finsternis. Man hatte mich schon eher angefallen, sodass ich wusste, wie ich mich aus diesen Klauen befreien musste. Dann hörte ich ein teuflisches Gelächter. Diese Schufte! Was für Heuchler leben hier beisammen? Ich spürte, dass ich mich befreit hatte, doch hier lauerte das Böse auf den Menschen, wie auf Erden. Damit hatte ich nicht gerechnet. Plötzlich hatten sie mich angefallen, diese Teufel! Welche Menschen lebten hier? Ich befand mich in einer anderen Welt, nur welcher? Dort vor mir lag die Hölle. Aber ich wollte wissen, was mit ihm geschah und kehrte zurück. Ich konzentrierte mich scharf auf das Wesen, das man dort niedergelegt hatte. Ich konnte zwar wieder angefallen werden, stieg aber dennoch hinab. Dieser Dämon gab sich als ein Bruder aus, wie gefährlich war es hier. 

Es wurde finster um mich herum, und ich spürte, dass ich auf dem richtigen Weg war. Ich näherte mich ganz vorsichtig. Da lag das Wesen. Links und rechts von mir sah ich andere Wesen, und diese Menschen waren wie die Dämonen, die ihn verfolgt hatten. Ich hörte auch sie sprechen. Sie sprachen über mich. Hörte ich wohl richtig? Ja, sie erzählten einander, wie sie mich angegriffen hatten. Ich begriff nun, dass ich in einer anderen Hölle war. Ich war weit von der Erde entfernt. Dies hier war die geistige Abstimmung. Lag dieses Gebiet außerhalb der Sphäre der Erde? Wo war denn die Erde? Ich würde darauf achten. Spürte ich die Bedeutung? War auf Erden die astrale Welt? War dies die Wahrheit? Ich hatte eine mir unbekannte Sphäre betreten. Ferner hörte ich ihn noch, wie gesagt wurde, dass die anderen zur Erde zurückgekehrt seien, doch dass sie hierher zurückkommen würden. Einer von ihnen hielt hier die Wacht. Sie warteten, bis er wieder wach wurde, dann würde wieder gekämpft werden. Auf Erden schlug man einen Menschen tot, doch hier bewusstlos. Man „musste“ erwachen. Ich glaubte auch dieses Problem zu verstehen und fand es furchtbar. Nichts als Grausamkeit, Leidenschaft und Gewalt, was ich wahrnahm. Alle waren Dämonen, Dämonen, die sich für höhere Wesen ausgaben, um dann diejenigen, die sich von nichts bewusst waren, anzufallen. Ich fühlte noch, wie sie mich geschlagen hatten. Wie scheußlich war alles, was ich bis jetzt erfahren hatte. Mich hatte man in der astralen Welt angefallen, aber hier fand ich sie noch gemeiner. 

Viele gingen nun, doch zwei blieben zurück. Gehörten sie alle zu ihm, hatten diese Menschen mit ihm zu tun? Das Böse, das er auf Erden verbrochen hatte, erwartete ihn. Womöglich würden Hunderte mit ihm zu tun haben. Nach einer kurzen Weile kamen wieder andere. Auch die ersten Dämonen, die ihn hierher geschickt hatten, kehrten zurück, darunter die Frau, die ihre Anführerin war. Dort vor mir sah ich einen furchtbaren Komplott. Welch schreckliche Bande von Räubern und Mördern war dort beisammen! Alle gehörten zusammen. Es war unglaublich. Hier lernte ich die Verbindung der Teufel kennen. Hunderte waren miteinander verbunden. Nun sprachen sie über mich, dass ich ihnen gefolgt sei, und dass sie mich vernichtet hätten. „Das hättet ihr wohl gewollt“, dachte ich, doch dieser Übermacht war ich nicht gewachsen. Was sollte ich hier denn noch tun? Ich wollte zurück zur Erde, zu demjenigen, den ich alleine zurückgelassen hatte. Ich würde also der Stimme meines Herzens folgen, und die Stimme und das Verlangen hielt ich auf die Erde gerichtet. Ich hatte einen Menschen von der Erde ins Geisterreich eingehen sehen. Es war ein furchtbarer Übergang, denn man erwartete ihn hier und bewachte ihn ferner. Wenn er erwachte, würde man ihn erneut anfallen. Wie zitterte und bebte ich vor diesen teuflischen Kräften! Nun konzentrierte ich mich auf die Erde und wollte noch schneller gehen, denn ich spürte, dass Angst in mich kam. Diese Hölle löste sich vor mir auf, und indem ich unablässig an die Erde dachte, schwebte ich der Erde entgegen. Ich hatte es also doch richtig gespürt: Dort war das Geisterreich, und ich ging nun zur Erde. Auf Erden waren die astralen Gefilde, so musste es sein, eine andere Bedeutung konnte ich nicht dafür finden. Aber dann hatte dieser Dämon die Wahrheit gesprochen! Da sah ich schon die Erde. Nun hielt ich meine Gedanken auf denjenigen gerichtet, den ich hatte beschützen wollen. Viel hatte ich nicht für ihn tun können als ihm lediglich denken zu helfen, und so war er hinter ihre wahre Persönlichkeit gekommen. Die Erde wurde nun sichtbar für mich. Es war, als könnte ich nun deutlicher wahrnehmen. Kam das daher, weil ich dabei war, für andere etwas zu tun? Jedenfalls stimmte es mich fröhlich, denn ich war mir meiner guten Absichten bewusst. Nun trat ich in ein Gebäude auf Erden ein. Ich ging durch die Zimmer, und ich hielt meine Gedanken auf den gerichtet, den ich verlassen hatte. Derjenige, der dieses Drama erlebt hatte, lag in einem der Zimmer und schlief. Um ihn herum waren einige irdische Menschen. Ich sah, dass er erwachte und dass man ihm Fragen stellen wollte. Blitzartig begriff ich, was ich zu tun hatte. Ich verband mich mit ihm, und ich gab auf jede Frage eine Antwort. Ich sagte, dass ich mit all dem nichts zu tun hätte. Er selbst wusste nicht, welchem Weg er folgen sollte, was ich deutlich spürte, doch er musste diesem Weg folgen, sonst war auch er verloren. Ich blieb folglich in ihm und zwang ihn, in dieser Weise weiterzusprechen. Ich hatte ihn gänzlich in meiner Gewalt, und er hörte auf mich. Dann trat ein alter Mann ein, und ich spürte, dass es sein Vater war. Er hörte zu und begriff die Situation, in der sich sein Kind befand. Man fragte, ob er beide Personen kenne. 

„Nein“, sagte er. 

„Man ist Ihnen gefolgt“, hörte ich sagen. 

„Dann haben die Leute es nicht richtig gesehen“, ließ er darauf folgen. Plötzlich glaubte ich, dass alles verloren sei, denn er begann zu schluchzen. Das war falsch, denn man könnte ihn verdächtigen. Man dachte, dass er sich nun ganz ergeben würde. Ich verstärkte meine Konzentration und zwang ihn ruhig zu bleiben. Auch spürte ich nun, dass mir geholfen wurde. Durch die Kraft, die ich in ihn legte, wurde er wieder er selbst, und er sagte: „Ich bin sehr bestürzt, wie kommen Sie dazu, mir diese Fragen zu stellen?“ 

Nun ergriff sein Vater das Wort, und er trat für sein Kind ein. Ich begriff, dass dies die einzige Möglichkeit war, ihn vor dem Schafott zu retten. 

„Ich fühle mich nicht gut“, sagte er, „mit dem anderen habe ich nichts zu tun. Nun wünsche ich zu schlafen, mir ist nicht wohl, und ich fühle mich krank. Sucht, aber nicht hier.“ 

Der Vater setzte das Gespräch fort und versuchte sie von der Unschuld seines Kindes zu überzeugen. 

„Wo sind Sie zu der und der Zeit gewesen?“, fragte einer der Herren ihn noch. „Man hat Sie weit von Ihrer Wohnung entfernt gefunden.“ 

„Dem ist so, aber ich habe trotzdem nichts damit zu tun.“ 

„Gut“, sagten sie und gingen fort. 

Das erste Verhör war vorbei. Ich fühlte mich zu ihm hingezogen, wusste aber nicht warum. Hatte ich etwa mit ihm zu tun? Bald lag er in einem tiefen Schlaf, doch ich wachte weiter über ihn. Merkwürdige Gefühle kamen in mir auf. Ich fühlte mich wie früher, als meine Eltern noch lebten, und trotzdem war ich nun in einem fremden Land. Kannte ich diese Wesen? Ich ergründete ihn und auch seinen Vater. In diesem Augenblick spürte ich wieder die mir so bekannte Einwirkung. Wurde ich mit etwas verbunden? Aus der Vergangenheit tauchte etwas vor meinem Geist auf. Hatten diese Wesen aus längst vergangenen Zeiten etwa mit mir zu tun? Ich ergründete sie abermals, um ihr ganzes Wesen, ihr tiefstes Inneres erfühlen zu können. Dies gelang mir jedoch nicht, und so blieb ihr Leben in einen dichten Schleier gehüllt. Ich zweifelte aber nicht daran, dass dies eine Bedeutung hatte, denn in diesem Leben hatte alles eine Bedeutung. Jeder Gedanke, den man fühlte, und der bewusst oder unbewusst ausgesprochen wurde, hatte für denjenigen, der ihn auffing, eine Bedeutung. Aber ich fühlte mich nur zu ihm hingezogen, nicht zu seinem Vater. Unsere Gefühle, oder was es auch war, stimmten überein. In seinem Zustand lag etwas von mir selbst, und diese Gefühle kehrten zu mir zurück. Das war es, was mich beschäftigte, was ich merkwürdig fand, aber doch deutlich spürte. Sein Vater war im Gefühl weit von mir entfernt, und ihn verstand ich mehr als die Verbindung mit diesem Menschen. Diese Gefühle kamen während seines Schlafs zu mir. Nach einem langen Schlaf erwachte er aufs Neue. Er sprang aus seinem Bett und suchte seinen Vater auf. Ich folgte ihm, denn ich wollte wissen, was er mit ihm besprechen würde. Nun hielt ich meine Konzentration von ihm zurück, sonst würde er meine Gefühle wiedergeben und erfuhr ich nichts. Ich wollte sehen, dass ich hinter die ganze Wahrheit kam. 

Nun folgte ein Gespräch zwischen Vater und Sohn. 

„Ich habe keine Schuld“, sprach er. „Nein, das alles geht mich nichts an.“ 

„Bist du dort gewesen?“, fragte sein Vater. 

„Ja, er hat sich vor meinen Augen erstochen, und auch sie, die ich erst so kurz kannte.“ 

„Sprichst du die Wahrheit, Lantos?“ 

Ich erschrak. Hörte ich richtig? Lantos? Er trug meinen Namen? War er ein Angehöriger von mir? Hatte ich es also richtig empfunden? Mein Gott, dachte ich, was nun wieder. 

Darauf sagte er: „Ich spreche die Wahrheit, Vater. Wenn ich Schuld hätte, legte ich mein Haupt auf das Schafott. Und ich würde es auf der Stelle tun, aber dies geht mich nichts an, glaube mir.“ 

„Ich glaube dir“, sagte sein Vater. „Ich verstehe alles und werde dir helfen, überlass das mir. Sie müssen es akzeptieren, sonst steht dein Leben auf dem Spiel. Aber du hast den richtigen Weg eingeschlagen. Fahre so fort, sonst rollt dein Kopf.“ 

Sein Vater ging fort, und ich wusste, was er tun würde. 

Lantos, dachte ich, dieser junge Mann trug meinen Namen? Plötzlich glaubte ich dieses Problem zu verstehen. Ein Wesen von unserer Familie war auf Erden. Nun sah ich mich in dem Raum um und erkannte viele Dinge, die auch wir gehabt hatten. Wenn ich es richtig verstand, hatte man von unserem Besitz doch noch Güter retten können. Dann waren sie diejenigen, die unseren Besitz geerbt hatten oder auf die eine oder andere Art und Weise erlangt hatten. Links und rechts sah ich Gegenstände aus meiner Zeit. Es war seltsam. Hatte Meister Emschor mich auch nun wieder verbunden? War die Einwirkung, die ich gespürt hatte, die seine? Es konnte nicht anders sein. Ich setzte mich nieder und dachte an mein früheres Leben. Plötzlich hörte ich eine leise Stimme sagen: „Ich danke dir für deine Hilfe, Lantos Dumonché.“ 

Ich erschrak, denn mein Name wurde ausgesprochen. „Kennen Sie mich?“, fragte ich. 

„Ja“, sagte die Stimme, „ich kenne dich. Dies alles nimmt ein gutes Ende, aber mein Kind wird hinübergehen. Es trägt deinen Namen, und doch gehört es nun zu einem anderen Geschlecht. In einem deiner Leben war es dein Kind. Du siehst, deine Wege werden verfolgt. Derjenige, der dich von der Vergangenheit überzeugt hat, schickte mich zu dir. Akzeptiere dies alles, es ist die Wahrheit.“ 

„Sind Sie seine Mutter?“ 

„Ja, es ist mein Kind.“ 

„Wie mächtig sind die Kräfte der Meister, dass sie dies alles wissen können!“ 

„Ihre Kräfte sind unbegrenzt. Wenn es Gottes Wille ist, wird uns alles offenbart werden.“ 

„Was soll ich nun tun?“, fragte ich. 

„Geh und folge deinem Weg.“ 

„Kann ich hier noch etwas tun?“ 

„Nein, hier hat man deine Hilfe nicht mehr nötig.“ 

„Wollte Meister Emschor, dass ich dies erlebte?“ 

„Ja, und du siehst, es ist bereits geschehen.“ 

„Hat man mich hierhin gelenkt?“ 

„Ja, das können diejenigen, die diese Kräfte besitzen, und du kennst jene Kräfte. Danke Gott für all dies.“ 

Ich hatte es also richtig gespürt, und Emschor hatte es mir am Ort meiner Geburt deutlich gemacht. 

„Wo ist diejenige“, fragte ich, „die man tötete?“ 

„In einer anderen Welt. Du kannst sie später besuchen. Doch warte eine längere Zeit, denn auch sie schläft, und sie wird lange schlafen müssen.“ 

„Ich danke Ihnen“, sagte ich zu dem Wesen, „aber warum erlebe ich das alles?“ 

„Um dich von deiner Vergangenheit zu überzeugen, und weil es notwendig ist.“ 

„Haben Sie in den Sphären des Lichts mit allem und jedermann Verbindung?“ 

„Wir sind mit Millionen von Wesen verbunden, und auch du gehörst dazu.“ 

„Guter Geist, ich danke Ihnen aus tiefster Seele, nun weiß ich genug, ich danke Ihnen.“ Der Geist ging fort. 

Merkwürdig, dachte ich, ich hatte mein eigenes Kind beschützt, wie abgründig war alles! Wie gewaltig sind die Kräfte derer, die dies alles wissen. Immer wieder die Vergangenheit – ich hatte offenbar noch nicht genug erfahren. Hieran hatte ich nicht gedacht, aber wer sollte nun daran denken. Je höher man gekommen war, desto tiefer blickte man in das Leben und die Leben, die bereits gelebt waren. Dieses Leben ist großartig, sagte ich mir. 

Wohin sollte ich nun gehen? Zunächst besuchte ich denjenigen, den ich beschützt hatte. Er war wieder gegangen und ruhte sich aus, und ich spürte nun, dass ihm keine Gefahr drohte. Es war noch nicht seine Zeit, um hinüberzugehen. Wie viele Wesen waren mit diesem Geschehen verbunden? Es könnten Tausende sein, und doch ging es allein um ihn. Aber ich hatte dadurch viel gelernt, ich wusste nun, dass ich noch längst nicht alles über meine eigene Hölle wusste. Durch eine einzige Situation wurde ich mit dem ganzen Universum verbunden. Durch einen einzigen Menschen lernte ich, was man auf Erden nicht könnte. Dies alles war geistige Weisheit, es gehörte zu diesem Leben. Doch es war mächtig und abgründig, sehr abgründig. Ich wollte nun weitergehen und würde eine neue Aufgabe suchen. Wohin? Sollte ich zu meiner Zelle zurückkehren? Vielleicht würde ich dort eine Aufgabe finden, denn dort gab es viele Unglückliche. Wurde ich auch dorthin gelenkt? Dies zog mich an, denn dort waren Dämonen, um die Unglücklichen zu vernichten. Was ich antraf, war stets Gewalt. Hier lebte das Böse beisammen. Doch ich ging nicht zu meiner Zelle, sondern wollte erst diese andere Welt wieder aufsuchen, weil ich darüber alles wissen wollte. Ich kehrte also zu jenem anderen Wesen zurück. 

Bald war ich dort und sah, dass er noch stets bewacht wurde. Armer Mensch, was du auch verbrochen hast, dies ist furchtbar! Er musste gutmachen, was er einst verbrochen hatte. Wie viele Menschen hatte er hierhin geschickt? Besaß er diese Macht auf Erden? Nach all dem, was ich wahrnahm, schien es wohl so zu sein. 

Wieder streifte ich durch die Straßen dieser finsteren Stadt und konnte mich nicht satt sehen. Wenn ich es nicht selbst wahrgenommen hätte, hätte ich es nicht annehmen können. Hier lebten die Menschen der Erde; doch ich spürte schon bald, dass hier allein das Böse vereint war. Ich sah auch Schemen, aber die gehörten zu den höher abgestimmten Menschen, die den Unglücklichen zur Seite standen. Sie trugen Väter und Mütter auf ihren Schultern und führten sie aus diesem Schrecknis fort. Wohin gingen sie? Sie lösten sich sozusagen vor mir auf, was ich äußerst wunderlich fand. Doch ich stand machtlos da und sah zu und konnte nicht mitgehen, wie gerne ich auch wollte. Eine unsichtbare Macht gebot mir Einhalt. Wenn ich es dennoch versuchen wollte, dann war es, als wenn man mir die Luft abschnürte und ich erstickte. Darum gab ich es mal auf, denn ich begriff die Bedeutung davon. Ich war noch nicht so weit, diese Kräfte steckten nicht in mir. Das geistige Gesetz war unerbittlich. War es Gott? Nein, Gott war es nicht, ich war es, der ich mich selbst festgesetzt hatte und somit meine Hölle nicht verlassen konnte. Ich konnte erst dann weiter und höher gehen, wenn ich mir jene Kräfte zu Eigen gemacht hatte. Aber ich verwunderte mich über alles, was ich wahrnahm. Es war hier wie auf Erden, und doch lag dieses Gefilde weit von der Erde entfernt. Deshalb nannte man es hier die geistige Welt. Ich lebte in einer Stadt, doch diese Stadt war bizarr. Es war eine wahre Hölle, aber diese Hölle war anders als die astralen Gefilde. Hier befand ich mich in der wahrhaftigen Hölle vom Leben nach dem Tode. Jede Hölle hatte eine eigenständige Bedeutung, und in all jene Höllen stieg ich hinab. Darin lebten Menschen, die sich wie Tiere fortbewegten und keine Menschen mehr waren, sodass ich erschauderte. Ich sah Wesen, die mit Wunden bedeckt waren; und wenn ich all diese Dinge nicht verstand, ergründete ich sie und spürte auf diese Weise die Bedeutung davon. So wandelte ich in der Sphäre der Selbstmörder, welche auf Erden den Verwesungsprozess erfahren hatten. Von der Erde waren sie hierher gekommen. So folgte jedermann seinem eigenen Weg, oder er schloss sich anderen an. Ich hatte mit all diesen Menschen zu tun, und trotzdem konnte ich nicht helfen. Hier spürte ich das tiefste Leid, das ein Mensch empfangen konnte. 

Ganz allein stolperte ich fort, und so lernte ich all diese Höllen kennen. Ich irrte immer weiter, ich stieg tiefer und tiefer hinab und besuchte eine Hölle nach der anderen. Ich kam in eine Hölle, in der die Menschen weder Tiere noch Menschen waren. Sie lagen da und schliefen, und ich spürte, dass sie womöglich schon hunderte von Jahren hintereinander geschlafen hatten. Doch einmal würden sie erwachen, und dann begann ihr Leben an dieser Seite. All dieses Elend hatte ich erfahren, wie hatte ich es verarbeiten können! Nun war ich bereits so weit, dass ich für andere etwas tun wollte. Ob all diese Wesen auf die Erde zurückkehrten, wusste ich nicht. Für sie würde es eine Gnade sein, denn auf Erden hatten sie alles. Wenn sie aus ihrer Hölle in die Welt des Unbewussten hinabstiegen, um auf die Erde zurückzukehren, wussten sie natürlich nichts davon. Was sie erlebt hatten, lag tief, ganz tief in ihrer Seele; und doch, wer die Kräfte besaß, um in die Tiefe des Seelenlebens hinabzusteigen, der sah und spürte all diese Wahrheiten. Aber das konnten allein die Meister, die kosmisch Erwachten, wie Emschor sagte. Als ich mich auf diese Menschen einstelle, spürte ich, dass sie ihren Kreislauf auf Erden bereits vollbracht hatten und von hier aus weitergehen würden, um das Höhere zu suchen. Wie ich dies so auf einmal begriff, wusste ich nicht, doch mir wurde bestimmt wieder geholfen. Ihr Schlaf war anders als der, den ich verspürt hatte, als ich am Rande meines eigenen Grabes damit verbunden war. Doch nicht allein ihr Schlaf, sondern auch diese Welt, Hölle oder Sphäre, oder wie man es auch nennen wollte, war anders. In ihrer Welt war Bewegung, wenn sie selbst auch nichts davon spürten, aber in dieser anderen Welt war nichts, die war leer. Nun spürte ich noch mehr, nämlich, wer zur Erde zurückkehrte, stieg sofort in die Welt des Unbewussten hinab; aber nur dann, wenn es zu ihrem Kreislauf auf Erden gehörte. Andere also, die auf Erden gestorben und hier eingegangen waren, konnten für die eine oder andere Aufgabe zurückkehren, doch sie stiegen bewusst in die Verbindungswelt hinab. Das waren also zwei Möglichkeiten, um zurückzukehren, doch die eine Möglichkeit war ein geistiges Gesetz. Ich spürte schon, dass diese Gedanken nicht von mir selbst waren, und ich dankte jener unsichtbaren Hilfe für diese Gefühle. 

Ich stieg immer tiefer hinab, und als ich mich deutlich konzentrierte und wissen wollte, wo ich war, befand ich mich dicht bei der Erde. Mensch, oh Mensch, dachte ich, wer bist du schon? Warum all dieses Elend? Ich spürte nun, dass all diese Höllen ineinander übergingen. Tiefer oder höher, sie waren dennoch eins. So mussten also auch die Himmel sein. Ich kehrte zurück zu der Hölle, in der ich die Dämonen zurückgelassen hatte. Sie waren noch bei ihm und wachten, denn sein Schlaf war tief. Doch einmal würde er erwachen. Wie dies alles funktionierte, begriff ich nicht, doch ich bebte von all diesen Schrecknissen. 

Wie hart und gemein waren diese Wesen, sie wachten nach wie vor. Sie konnten ihm das, was er ihnen angetan hatte, nicht verzeihen. Er hatte ihnen und womöglich vielen das Leben genommen, und das musste er gutmachen. Ich spürte die Tiefe dieses Problems. Der Mensch stand an dieser Seite vor seinem gescheiterten Leben, vor seinen Sünden und Fehlern. Hier konnte man sich nicht verbergen. 

Wie traurig es auch war, er hatte es selbst gewollt, und das war das Schlimmste. 

Wenn die Menschen auf Erden das einmal wüssten und ich ihnen einmal erzählen dürfte, wie viele sie erwarteten, bei denen sie etwas gutzumachen hatten! Ich spürte schon, dass ich hier niemals auslernte und dass ich tausend Jahre hintereinander weiter, immer nur weitergehen konnte. Denn es gab kein Ende, ich lebte schließlich in der Ewigkeit. Die Menschen auf Erden hatten von der Ewigkeit keine Vorstellung. Sie könnten das Wort „ewig“ nicht erfassen. Wenn sie hier eintreten, wird ihnen eine unsichtbare Macht Einhalt gebieten, und sie stehen vor ihrer eigenen Persönlichkeit. Der eine empfängt Glück, ein anderer furchtbares Elend. Dies alles muss man zunächst erleben, ehe man die Tiefe dieses Lebens spüren kann. 

Jahre hintereinander verweilte ich in all diesen Höllen. Wenn man meine Hilfe benötigte, dann gab ich mich gänzlich. Nach all den Jahren meinte ich mehr Licht zu sehen, in meiner Hölle begann es zu dämmern. Ich wollte es erst nicht glauben, doch ich musste es akzeptieren. Viel hatte ich für meine Mitmenschen noch nicht getan, aber ich war bereit, mein ganzes Inneres zu geben. 

Nun spürte ich, dass ich hier nicht bleiben wollte. Diese Hölle kannte ich und die darunter liegenden Höllen ebenfalls. Es waren sieben. In all diesen Höllen hatte ich gelernt, dass es nicht so einfach war, Menschen zu helfen, doch ich wollte versuchen, die Schwierigkeiten zu überwinden. Dadurch ging ich gänzlich in dieses Leben über, und das bedeutete geistige Weisheit. 

Nun sollte ich zu meinem Kerker zurückkehren. Es war, als wurde ich dorthin gelenkt. War es Einwirkung? Sollte man also aus der Ferne meine Wege verfolgen? Es musste wohl so sein, da ich es spürte. 

Als ich mich auf die Erde einstellte, löste sich diese Welt vor mir auf. Dieses Sichauflösen war äußerst merkwürdig. Ich wiederholte es einige Male und verstand es nun vollkommen. Dann verschärfte ich meine Konzentration, und so schwebte ich im mächtigen Universum, der Erde entgegen. Ich war mir bewusst, dass mich Millionen von Wesen, Sterne und Planeten, Sonnen und Körper umgaben; und doch war ich allein, ganz allein und verlassen auf dem Weg, um anderen zu helfen. Unablässig hielt ich meine Konzentration auf meinen Kerker gerichtet. Indem ich stets daran dachte, musste ich dorthin gelangen. Dieses Fortschweben und mich mit anderen Dingen zu verbinden hatte ich mir bereits zu Eigen gemacht. Wenn es mein eigenes Leben betraf, konnte ich alles wahrnehmen, aber alles, was über meiner eigenen Welt lebte, blieb für mich unsichtbar. Ich sagte schon, dass in meiner Hölle mehr Licht war, und das kam dadurch, weil es sich in mir selbst wandelte. Einst würden auch die höheren Sphären für mich sichtbar werden. 

Bald war ich auf Erden. Ich betrat den Ort, wo ich eingesperrt gewesen war. Meine Zelle war jedoch leer. Darauf besuchte ich die anderen Zellen, denn ich wollte wissen, ob man mich hier vielleicht brauchte. Diejenigen, die ich bei meinem vorigen Besuch antraf, waren bereits alle an dieser Seite. Es waren Jahrhunderte vergangen, und dieses Gebäude diente noch immer als Gefängnis. Ich betrat eine Zelle. Vor mir sah ich einen alten Mann, er konnte das Alter von sechzig Jahren erreicht haben. Auch er war wie ein Skelett. Abermals spürte ich den zarten Wink der höheren Geister, wodurch ich nun wusste, dass man mir noch stets in allem folgte. Es war, als hätte man mich gerufen, und meine Freude war groß, als ich dies spürte. Wie gewaltig waren die Kräfte des Geistes, hier gab es keine Distanz. Doch ich verstand die Funktion dieser Kräfte nicht, wenngleich es wunderbar war, es erleben zu dürfen. 

Er saß in einer Ecke seiner Zelle und starrte um sich. Ich spürte, dass er mit dieser Welt in Kontakt war. Nachdem ich mich eingestellt hatte, nahm ich auf der Stelle wahr. 

Mein Gott, dachte ich, was nun wieder? Ich sah verschiedene Dämonen, und einer von ihnen, ein weibliches Wesen, war mit ihm in Verbindung. Ein scheußliches Monster war sie. Dicht neben ihm setzte ich mich nieder und folgte ihm in allem. Auch bei mir war ein Dämon, ein ehemaliger Feind, hier allerdings ein weibliches Wesen. Der Mann verzehrte sich vor Leidenschaft, und durch seine Leidenschaft würde er seinem Leben ein Ende machen. Er war noch inniger in Kontakt als ich. Dieses Wesen manifestierte sich ihm deutlich. Ich ergründete ihn und spürte, wie lange er noch zu leben haben würde. Es waren nur noch wenige Wochen, dann würde er sterben. Wie sollte ich ihn von dieser Verbindung befreien und vor dem Selbsthinübergehen bewahren können? Er sprach zu den astralen Wesen, die er deutlich sah. 

„O, helft mir“, sagte er, „habt Mitleid. Wer seid ihr?“ 

Ich verfolgte diese scheußliche Szene und hörte nun den Geist sagen, was mir so teuflisch in den Ohren klang: „Mach diesem Leben ein Ende und komm hierhin!“ 

„Wohin?“, fragte er. 

„Hierhin, in unsere Welt.“ 

Ich musste zusehen, dass ich das verhinderte, ich wusste nur allzu gut was ihn erwartete. Das würde alle meine Kräfte kosten, doch ich spürte, dass diesem Mann zu helfen war. Ich würde versuchen, seine Leidenschaft zu unterdrücken. Lange dachte ich nach, wie ich auf ihn einwirken sollte. 

„Komm in unsere Welt“ – wie teuflisch, wie gemein waren diese Wesen. Ich machte mich nun mit ihm eins und bestrahlte ihn, sodass er für einen kurzen Augenblick in Schlaf fiel. Das Monster an dieser Seite spürte, dass sie ihre Macht über ihn, wenn es auch nur vorübergehend war, verloren hatte. 

„Er schläft“, hörte ich sie sagen. „Wie kommt das so plötzlich? Wir werden ihn trotzdem nicht in Ruhe lassen.“ 

Ich verband mich mit ihr, und ich spürte wer sie war, und auf welche Weise sie mit ihm zu tun hatte. Was sie wollte, konnte sie an dieser Seite und auf Erden finden, doch dieser alte Mann hatte mit ihrem Leben zu tun. Die Verbindung, die ich sah und spürte, war auf Erden zustande gekommen. Sie hasste. Sie war tiefer gesunken als er, und darum war er für mich zu erreichen. Ich würde alles tun um zu verhindern, dass dieser Dämon die Macht über ihn bekam. Kurz vor seinem Tode wollte man ihm jenen furchtbaren Prozess an dieser Seite aufdrängen. Sie wusste, wie furchtbar dieser Prozess war und kannte das Elend, das ihn erwartete. Während seines Schlafs legte ich schöne Gedanken in ihn, unter anderem die von seiner Jugend. Mit diesen Gedanken erwachte er nach einiger Zeit. Er saß da und starrte vor sich hin und sprach innerlich einige Worte, die ich nicht hörte, doch die ich in mich kommen fühlte und die meine eigenen Gedanken waren. Er glaubte, dass er geträumt hatte. In ihm lag nun seine Jugend, und mit diesen Jugenderinnerungen löste er sich aus den Klauen jenes Wesens. Auf diese Weise erreichte ich, dass sie ihn nicht erreichen konnte. Sie waren auf Erden verbunden gewesen, doch sie trug einen tödlichen Hass ihm gegenüber. Er hatte kein schönes Leben vollbracht, doch im Vergleich zu ihr war er ein Heiliger. Mein Wille dominierte nun den seinen, sodass er in dieser Richtung weiter dachte. So verstrich die Nacht. O, wie verstand ich seine Qualen! Kein anderer könnte ihn besser verstehen als ich, denn ich hatte ein gleiches Leben erlebt. Hiervon wusste ich alles. Ich hatte diese Gesetze und diesen furchtbaren Übergang erfahren. Bei Tage konnte auch er nicht wahrnehmen, doch in der Nacht verdichtete sich der astrale Mensch; und ich wusste nun, wie das möglich war. Indem man sich manifestierte, würde sich dieser unglückliche Mensch schneller entschließen Schluss zu machen. Wenn diese Verbindung innig zustande gekommen war, war auch sein Übergang unvermeidlich. Darum versuchten sie, diese Verbindung stets in der Nacht oder in tiefer Finsternis zustande zu bringen. Doch ich behütete ihn weiterhin. Ich legte meine Ausstrahlung um ihn und wartete ab. 

Den ganzen Tag spazierte er in seinem Käfig auf und ab. Wenn er todmüde war, setzte er sich nieder, und dann begann er erneut nachzudenken. Ich versuchte, wie Emschor es bei mir getan hatte, mich zu zeigen, doch ich musste es aufgeben, es war mir, wie sich herausstellte, nicht möglich. Ich versuchte es viele Male, aber es gelang mir nicht. Ich musste mehr Kräfte besitzen, und ich begriff nun, dass ich all die finsteren Sphären beherrschen musste, wollte er mich wahrnehmen, sodass ich es aufgab. Dadurch begriff ich, wie stark höhere Geister waren. Trotz dieser Enttäuschung fühlte ich mich glücklich, dass ich diese Aufgabe angenommen hatte. Das wäre dann meine erste große Tat in diesem Leben. 

Wieder nahte die Nacht, doch an dieser Seite war noch niemand zu sehen. Ich sah zu, was er tat und spürte, wonach er verlangte. Sein Verlangen ging zu ihr aus, und wenn er sich stark konzentrierte, spürte ich, dass sich meine Ausstrahlung abschwächte. Dann verdrängte sein eigener Wille meine Hilfe, die wie ein dichter Schleier um ihn lag. Doch ich versuchte dies zu verhindern und ihn unter meinem Einfluss zu halten. Aber wenn er seinen eigenen Willen einstellte, schwächte sich der Schleier ab, und er ging in andere Kräfte über, wonach er verlangte. 

Immer mehr nahte die tiefe Nacht, und ich sah noch kein Wesen. Ich würde sie auf der Stelle wahrnehmen, wenn sie zu ihm zurückkehren würden. Still und unheimlich war es hier. Der Wind heulte durch die Gitterstäbe, was ihn erschaudern ließ. Mir hatte es auch Angst gemacht, und ich hatte in meiner Zeit tausend andere Gefühle erfahren. Sie waren nicht voneinander zu unterscheiden. Auch er erfuhr all diese Dinge. Ich versuchte ihn davon zu befreien und betete inbrünstig zu Gott, mir doch zu helfen. Stunden hintereinander betete ich ganz inbrünstig, und durch mein Gebet spürte er, dass Wärme in ihn kam. Was ich fühlte erfuhr er, wir waren eins. Darum hörte ich das Heulen des Windes, sonst wäre es nicht möglich gewesen, dies in meiner Welt hören zu können. 

Es tat ihm gut, sodass ich weiter betete. Ich kannte dieses Elend und wusste, worum ich meinen Vater zu bitten hatte. Mein Gebet war rein, ganz menschlich. Ich erbat nichts für mich selbst, sondern, ob ich ihm helfen und vor diesem Untergang bewahren dürfe. Ich betete und betete weiter, und so ging auch diese Nacht vorbei, und es geschah nichts Besonderes. Gott sei Dank, dachte ich, zwei Nächte von seiner Zeit waren bereits verstrichen. Ich ermittelte die Zeit und sah, dass er hier schon viele Jahre eingesperrt war. Auch er hatte seine Tage und Jahre notiert. Am Tage wirkte ich auf ihn ein und versuchte auch ihn zum Beten zu bringen. Wenn mir das gelingen würde, wäre er nicht mehr so leicht zu erreichen. Doch auch dieser Mensch hatte in seinem Leben wenig gebetet. Aber ich hielt durch. Ich legte fromme Gedanken und den Gedanke ans Sterben in ihn. Ich ließ ihn spüren, dass er bald sterben würde. Er übernahm die Gedanken von mir und dachte wirklich daran. 

„Oh, Gott“, sagte er innerlich, „was wird mich erwarten? Kannst Du einem armen Sünder vergeben?“ Dann wiederum brach er sein eigenes Denken ab, um an andere minderwertige Dinge zu denken. Wenn das Tierische in ihm ihm einen Streich spielte, unterbrach er meine Verbindung und der Schleier, den ich um ihn gelegt hatte, löste sich auf. Doch er kämpfte gegen seine eigenen Gefühle. Er wusste, nein, er spürte sehr deutlich, dass es verkehrt war, was er tat. Aber er kam immer wieder darauf zurück. Er kämpfte gegen das Böse in ihm, und jener Kampf war nicht so einfach. Auch ich hatte auf meiner langen Reise mit mir selbst ringen müssen. Ich hatte mich von all den irdischen Gefühlen und Vergnügen befreit, doch dieses Befreien war ein schrecklicher Kampf gewesen. Meine Liebe zu Marianne hatte mich vor diesem furchtbaren Leben bewahrt. Ich begriff dadurch, dass der Mensch etwas besitzen musste, an dem er sich festklammern konnte. Meine Gedankenwelt war eine Verkettung von Geschehnissen gewesen wie die von Marianne auf Erden; und doch, allein der Gedanke an sie hatte mir die Kraft dafür gegeben, sonst wäre auch ich immer und immer wieder zu Fall gekommen. Doch ich hatte es hinter mich gebracht. Auch er war dabei. Aber sollte er sich überwinden? Ich würde ihm weiterhin zur Seite stehen, diesem Armen. Es war ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kampf des Guten gegen das Böse und gegen seinen eigenen Willen. Jenes Wesen, die Frau, die zu ihm zurückgekehrt war, war die größte Gefahr für seine Selbsterhaltung. Wenn er mit ihr in Kontakt kommen würde, wäre er nicht mehr zu retten. Er besaß nicht die Kräfte, um sich dagegen zu wehren. Darum betete ich weiter, denn ich spürte, dass mir allein eine höhere Macht helfen konnte. Wenn andere und höhere Wesen mich fühlten, würden sie mich aus der Ferne unterstützen; und ich wusste, dass ein aufrichtig hinaufgeschicktes Gebet helfen würde, da man jene Gefühle auffangen konnte. Ich betete immer weiter und nahm mir heilig vor, mit dem Beten nicht aufzuhören. 

Ich betete für einen Menschen, denn dieser Mensch war in Gefahr. Ich selbst fand es auch so furchtbar. Tage und Nächte gingen vorüber, und ich spürte, dass die Dämonen nichts tun könnten, wenn ich fortfuhr, ihn auf diese Weise zu beschützen. Ich war in ihn gekommen und blieb in ihm. Ich war so innig mit ihm verbunden, dass er am Tage eine Beschäftigung suchte, um die Zeit zu töten. Für mich bedeutete das, dass das Böse eingeschlafen war. 

Er malte Strichmännchen und Figuren an alle Stellen seiner Zelle, die dafür geeignet waren. Das war äußerst merkwürdig für mich. Ich ergründete ihn, um zu erfahren, woher jene Gefühle so plötzlich in ihn kamen. Er fand es selber merkwürdig. Auf einmal tat er etwas, auf das ich nicht gefasst war und woran ich spürte, dass ich ihn nicht gänzlich in meiner Gewalt hatte. Er machte eine Wunde in seine Haut, sodass das Blut hervortrat. Mit seinem eigenen Blut machte er nun Nacktfiguren auf die Wand. Für ihn war dies ein ganz nettes Vergnügen, ich aber dachte darüber nach und glaubte es zu verstehen. Diese Gefühle kamen tief aus ihm. Meine Aura lag wie eine Mauer aus geistiger Kraft um ihn herum, doch er zwängte sich da hindurch, obwohl ich dieses Durchdringen nun schon seit einigen Tagen verhindert hatte. Er fuhr mit dem Figurenmalen fort. Seine Gefühle waren ungeheuer scharf, und ich spürte, dass ich ihn, wenn es auch nur für einen Augenblick war, freilassen musste, da ich ihn sonst wahnsinnig gemacht hätte. In ihm lag ein starker Wille, und das Durchdringen seiner eigenen Persönlichkeit brachte ihn in diesen unerwarteten und unbegreiflichen Zustand. Ich stand vor einem Problem. Sein eigenes Inneres suchte nach einem Ausweg und fand diesen Weg, obwohl um dieses Wesen eine dichte Mauer aus geistiger Kraft lag. Gefühle gingen ineinander über, doch wir würden erst dann gänzlich ineinander übergehen können, wenn wir ein und denselben Gedanken hegten, wie mein Meister mich gelehrt hatte. Für mich war dies alles wundersam und lehrreich, weil ich hier die Tiefe der Seele kennen und einen Menschen zu ergründen lernte. Doch ich blieb mit ihm verbunden. Er stellte für einen Augenblick das Malen ein, und daran spürte ich, dass er dennoch, trotz seines eigenen Willens, wieder auf mich hörte. Es war, als ob er erwachte. Er seufzte tief und bewunderte seine „Kunst“. 

Abermals stand ich vor einem Rätsel. Er rieb sich die Augen aus und wusste nicht, was er zustande gebracht hatte. Er betrachtete seinen Arm und verfluchte sich selbst. 

„Wie komm ich dazu?“, fragte er sich, „ich werde noch verrückt.“ 

Er blickte um sich und sah, dass er verschiedene Figuren gemalt hatte. „Merkwürdig“, sagte er, „wie kommt das so plötzlich?“ 

Er war sich seines Tuns nicht bewusst, sodass ich begriff, dass sein ganzes Wesen in mich übergegangen war. Trotzdem hatte ich, während er malte, nichts davon gespürt, doch ich begriff die Gefahr von all dem, da er durch mich in einen fremden Gefühlszustand gekommen war. Ich musste ehrlich zugeben, dass ich dachte, dass er mein Gefühl für die Kunst, ohne dass ich es wusste, dennoch übernommen hatte, denn in mir lag die Kunst. Doch dies war nicht der Fall; es ging noch tiefer, denn er wusste nichts von seinem Tun und Lassen und schrak zurück vor dem, was er getan hatte. Das hatte ich nicht gewollt. Darauf waren meine Gedanken und meine Konzentration nicht gerichtet, in mir gab es nichts, was daran gedacht hatte. Woher kamen diese Gefühle? Waren diese in ihm oder stieg er in ein voriges Leben ab? Ich verfolgte sein irdisches Leben und sah, dass er nichts mit Kunst zu tun gehabt hatte. Er hatte es niemals gelernt. Er hatte einen ganz anderen Beruf. Dies war ein Problem, das ich nicht verstand. Doch ich spürte, dass ich in dieser Weise fortfahren müsste, dann würde sich dieses Rätsel lösen. Ich ergründete ihn eine lange Zeit, konzentrierte mich auf sein Innenleben und fühlte tief in seinem menschlichen Gefühl, dass darin Kunstgefühle verborgen lagen. Aus der Tiefe der Vergangenheit kamen diese Gefühle in ihn. Auch er war im Grunde ein Künstler gewesen. Wie abgründig war der Mensch, dass all diese Gefühle bewahrt blieben, denn ich wusste ganz sicher, dass sie nicht in mir waren. Als er damit begann, war ich erschrocken. 

Ich musste nun versuchen, ihm diese Kunstgefühle zu nehmen und spürte, dass ich ihm etwas mehr freie Hand lassen müsste, wollte ich ihn nicht wahnsinnig machen. Es würde ihn aus der Fassung bringen, wenn er zum zweiten Male etwas Derartiges konstatierte, von dem er selbst nichts wusste. Ich hatte ihn durch meine Konzentration gänzlich in dieses Leben hochgezogen, und er war unter die tiefste Inspiration gekommen, die sich ein Künstler auf Erden wünschen konnte. In diesem Zustand, der mir nun deutlich war, wurden die größten und schönsten Kunstprodukte zustande gebracht. Mir aber ging es allein darum, die Kunstgefühle, die so plötzlich in ihm erwacht waren, wieder zur Ruhe zu bringen. Ich befreite ihn von meiner Ausstrahlung und von meinen Gedanken, und er spürte, dass er wieder er selbst wurde. Nun konnte ich wieder von vorne anfangen. 

Er hatte sich niedergelegt um zu ruhen. Doch ehe die Nacht im Anzug war, musste ich mit ihm eine Verbindung zustande bringen. Wenn jene Wesen zurückkehrten, ging er in sie über. So brachte ich denn, als die Nacht nahte, eine sehr leichte Verbindung zustande. Ich blieb jedoch in meiner eigenen Welt und sah, was geschehen würde, denn ich hatte ein Vorgefühl, dass sie in dieser Nacht zurückkommen würden. Er sandte seine Gedanken zu dieser Welt und sehnte sich wieder nach einem Gespräch mit ihr. 

„Seid ihr da?“, fragte er unerwartet. Ich sah kein Wesen und antwortete: „Ja, ich bin hier.“ Innerlich vernahm er, wie meine Worte in ihn kamen. So wie die Dämonen mit mir gesprochen hatten, so tat ich es nun. Ich war sehr erfreut, dass sich diese Möglichkeit ergab. Daran hatte ich nicht gedacht, und auch nicht damit gerechnet. Dies war eine neue Art der Verbindung. Nun war ich in ihm und um ihn herum, und doch konnte ich ihn erreichen. Diese Verbindung fand ich besser und enger als die erste. Ich konzentrierte mich auf ihn, legte im Stillen eine neue Mauer aus geistiger Kraft um ihn herum und blieb unablässig mit ihm eins. 

Ich antwortete also, dass ich bei ihm sei, und er sagte: „Ich habe euch Fragen gestellt, aber warum seid ihr so lange von mir weggeblieben? Ihr habt mir noch stets nicht geantwortet, ob es einen Tod gibt.“ 

„Merkwürdig“, dachte ich, „er fragt, wie auch ich es getan hatte.“ Darauf antwortete ich wiederum: „Es gibt keinen Tod.“ 

„Gibt es keinen Tod? Und erst sagtest du, dass es einen Tod gibt, und nun wieder nicht?“ 

„Nein, es gibt keinen Tod.“ Hieraus schloss ich, dass man auch ihm nicht den wahren Hintergrund gesagt hatte. Wer mit Dämonen in Kontakt kam, wurde belogen und betrogen. „Du hast mich nicht begriffen“, ließ ich darauf folgen. 

„Nicht begriffen?“ 

„Nein“, sagte ich. Dann war es einen Augenblick still. Der Mensch auf Erden nahm alles an. Sie blickten nicht durch den Schleier, und man musste da durchblicken, wollte man in unsere Welt eingehen. Lug und Trug wurde ihnen erzählt, und durch Lug und Trug hatte ich meinem irdischen Leben ein Ende gemacht. Doch seine Verbindung war inniger als die meine. Dieser Mensch besaß mehr von jenen Kräften als ich, da mein Ende nahte. Auch begriff ich, dass all diese Gefühle mit seinem Ende zu tun hatten. Die Seele machte sich langsam fertig, den Stoffkörper zu verlassen. Indem sein Geisteskörper mit dieser Welt in Kontakt kam, würde es für mich schwieriger werden, ihn vor diesen Wesen zu schützen. Ich spürte und überblickte dies alles. 

Wieder fragte er: „Sag mir die Wahrheit, gibt es einen Tod?“ 

„Nein“, sagte ich und legte alle meine Kräfte dahinein, sodass sein Herz klopfte. Er war von meiner Stimme, die er in sich beben fühlte, erschrocken. Die Verbindung mit ihm war wieder innig. Ich war ganz ich selbst, und doch spürte und tat er, was ich nun von ihm wollte. Unbewusst war auch dieser Zustand in ihn gekommen. Ich versuchte dies zu erforschen und ergründete nun seinen geistigen Zustand, aber darin sah und spürte ich nicht die geringste Gegenwirkung. Wir waren nunmehr eins, und ich würde versuchen, diese Einheit der Seele aufrechtzuerhalten. Nun untersuchte ich ihn körperlich. Das war sehr einfach für mich, da ich es in mir spürte. 

Er hatte ein schwaches Herz, was ich deutlich sah, ich fühlte es klopfen. Jede Stunde kostete ihn einen Monat an körperlicher Kraft, die er in seinem normalen Leben verbrauchen würde. Er war ein Wrack. Die Schwäche seines Stoffkleides, die Sehnsucht seiner Seele, sein eigener Wille, darin lag diese Empfindlichkeit. Ich begriff dies vollkommen. Doch nun spürte ich, dass die Kunstgefühle wieder in ihn zurückkehrten. Was nun? Ging er hierin über, so wurde er vollkommen wahnsinnig. Ich versuchte ihn nun so zu beeinflussen, dass er bewusst auf sein Stoffleben übergehen würde. Ich dachte daher an verschiedene irdische Dinge. Durch Konzentration brachte ich ihn so weit, dass er zu singen und zu pfeifen begann. Danach zwang ich ihn, in seiner Zelle auf und ab zu gehen. Von einer Torheit verfiel er in die andere. Mein Plan gelang, und er fühlte sich durch all diese Dinge wieder er selbst. Die Vergangenheit fiel in ihn zurück, eine Gefahr war also vorbei. Nun würde ich ihn allerdings wieder ein wenig beruhigen müssen, und folglich machte ich mich mit ihm eins, denn indem ich an all diese irdischen Dinge dachte, musste ich ihn gänzlich loslassen. Durch all dieses Hin-und-Hergelaufe fühlte er sich müde. Er setzte sich nieder, um zu schlafen. Doch er konnte nicht schlafen, er war zu bewusst. Nun wusste ich auch, wie ich gewesen war. Auch ich hatte nicht schlafen können, und das war die Bedeutung: Sein Inneres war in Aufruhr. 

Auf tausend Dinge hatte ich hier zu achten, ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig wäre, einem Menschen von dieser Seite aus zur Seite zu stehen. Doch ich spürte, dass ich ein gutes Werk verrichtete, denn ich nahm diesem Mann viel Leid und die unglaublichsten Qualen, die man auf Erden nicht kannte. Dafür gab ich mich selbst, mein ganzes Inneres. Ich spürte nun, dass die Vergangenheit zur Vergangenheit zurückgekehrt war. Auch er war abgründig. Ein jeder trug eine tiefe Vergangenheit in sich, denn jeder Mensch war kosmisch verbunden. Dies waren kosmische Kräfte, sie gehörten zu einem ganz anderen Leben. Einem Leben, das ich nicht kannte, doch das sich mir nunmehr durch ihn offenbarte. Er war benommen, er schnappte nach Luft, weil sein Körper dies alles nicht verarbeiten konnte. Nun war etwas im Anzug, ich spürte es. Dieses verfluchte Wesen, jenes Monster, würde ihn beeinflussen. Dies wurde ein offener Kampf, ein Kampf zwischen ihr und mir. Doch ich stand zwei Wesen gegenüber, denn sein Wille, seine eigene Persönlichkeit, war auch gegen mich. Dieser Wille forderte und wollte mit ihr in Kontakt kommen. Dieser Wille, dieser ungeheure menschliche Wille, würde mir einen Streich spielen, wenn ich nicht alle Kräfte aufbot, dies zu verhindern. 

„Hier bin ich“, hörte ich sie sagen. 

Mich aber sah sie nicht. Doch sie sah in die Richtung, wo ich mich befand. Sie sah mich als Schatten, aber in einen Schleier gehüllt. Sie kannte diese Schemen ebenso gut, wie ich sie um mich herum und in mir wahrgenommen hatte. Dadurch wusste sie, dass er nicht allein war. Sie stellte sich auf ihn ein und fragte: „Bist du nicht allein?“ 

Ein Glück, dachte ich, sie denkt, dass auf Erden jemand bei ihm ist. 

„Was sagst du?“, fragte er. Er hatte also etwas gehört, sie nur nicht deutlich verstanden. Ich erlebte hier wunderbare Dinge, aber zugleich scheußliche. 

„Ich bin hier“, sagte sie nach einer kurzen Weile, „siehst du mich nicht?“ 

Er saß noch benommen da, starrte vor sich hin und gab keine Antwort. Doch sie hatte seinen innerlichen Drang zu sprechen gespürt und antwortete: „Nun antworte mal, ich bin hier!“ Kurz und streng sprach sie, wodurch er hochschrak und Leben in ihn kam. Für mich gab es nur eine einzige Möglichkeit, ihn aus ihren Klauen fern zu halten. Ich versuchte sein Inneres zu beherrschen und mit ihr in Kontakt zu kommen, sodass ich auffangen konnte, was sie sagte. Ich sagte zu dem Wesen: „Geh weg, lass mich in Ruhe.“ Es folgte eine lange Stille. Sie hatte mich deutlich gehört und meine Worte aufgefangen. Plötzlich ging sie fort. Wohin sollte sie gehen? Spürte sie Widerstand? Holte sie Hilfe und wusste sie, wo diese zu finden war? Ich wusste, dass solch ein Wesen sich an dieser Seite mit einem ähnlichen Individuum verbinden konnte, um gemeinsam einen Menschen unschädlich zu machen. Doch ich wartete ab. Er, neben mir, war zu sich gekommen. Er sah sich um und glaubte, dass er in dieser Finsternis etwas wahrnahm. 

„Ach“, sagte er, „ich bin so krank, so müde. Wenn es einen Vater im Himmel gibt, wie kann er dies gutheißen?“ Merkwürdig, dachte ich, jeder Mensch fragt nach Ihm, jedes Wesen fragt sich, „warum und wozu?“ Auch ich hatte mich immer gefragt, „wie kann Gott dies gutheißen.” Ich aber hatte Gott als einen Vater der Liebe kennen gelernt. Auch er würde einen Gott der Liebe kennen lernen, wenn er nur einmal gestorben war. Trotzdem tat es mir Leid. Warum musste der Mensch auf Erden so viel leiden? Warum musste die Seele auf Erden all diese Phasen durchmachen, ehe sie jene Höhe erreicht hatte? Immer wieder dieses „Warum“, es war und blieb ein Rätsel. Gott ist Liebe! Wie einfach war das anzunehmen, und trotzdem war es so schwer. Wo ich auch gewesen war, in der Sphäre der Erde, in den astralen Gefilden, in der Hölle – überall Leid, Elend und Schmerz, doch gleichzeitig Leidenschaft und Gewalt. Der Mensch wollte nicht gehorchen. Seine Fragen, „warum und wozu“, waren für mich der Grund, um ihm zu helfen und ihn vor dem eigenen Untergang zu bewahren. Er war willig, aber wenn er in Aufruhr wäre, wirkte mir seine Persönlichkeit entgegen, und dem hatte ich Rechnung getragen. Er versuchte zu schlafen. Er war zu krank und zu müde, um sich geistig einzustellen. So vergingen einige Stunden, bis ich plötzlich sah, dass vor mir Bewegung kam. Zwei Individuen waren zurückgekehrt, und dabei das weibliche Wesen. Sie hatte also Hilfe geholt, alleine hätte sie es nicht zustande bringen können. 

Ein Blitzstrahl aus geistiger Kraft wurde auf ihn losgeschickt. Der Mann zitterte und bebte durch diese plötzliche Einwirkung und sah empor. Man hatte ihn erreicht. Sein Verlangen, um mit ihnen in Kontakt zu kommen, ihre Kräfte, die sie gemeinsam auf ihn einstellten, flossen ineinander. 

Ich war ratlos, vier gegen einen, dagegen konnte man nicht wirken. Was sollte ich tun? Er richtete sich auf und sprach: „Bist du da?“ 

„Ja“, sagte ich schnell. Doch gleichzeitig hörte ich sie sagen: „Wir sind gekommen, um dir zu helfen.“ 

„Herrlich“, sagte er, „gib mir einen Rat.“ 

Was nun, dachte ich. Links und rechts von mir die Dämonen, und vor mir dieser Unglückliche. Ich ergründete ihn, doch sein Verlangen war stark. Sein Interesse, seine Leidenschaft, schnitt meine Hilfe ab. Ich stand vor verschiedenen Möglichkeiten, aber welche sollte ich auf ihn anwenden? Ich zwängte mich in ihn und durchbohrte seine Persönlichkeit. Ich musste versuchen, mich noch tiefer mit ihm zu verbinden. Dann eben wahnsinnig, besser wahnsinnig als solch ein Untergang. Ich spürte, dass er wegsackte und zurückkehrte; aber plötzlich fing er wieder an, seine alten Wunden zu zerkratzen. Sein Blut begann zu fließen. Dann sprang er von seinem Platz auf und rannte wie ein Wahnsinniger im Kreis. Um ihn herum war tiefe Finsternis, doch das hielt ihn nicht davon ab. Es war furchtbar. Das dauerte so eine geraume Zeit, dann legte er sich wieder nieder und seufzte. Das hatte ihn überanstrengt, sein Hirn konnte dies nicht verarbeiten. Sein Hirn arbeitete fiebrig, und sein Herz klopfte heftig. Mit beiden Händen umklammerte er seinen Kopf und rief: „Ich werde wahnsinnig.“ 

Ich spürte in diesem Zustand, wie der Geist den Menschen auf Erden verrückt machen konnte. Seine körperlichen Kräfte waren auf diese ungeheure Einwirkung nicht berechnet. Ich selbst wirkte auf ihn ein, und auch die Dämonen versuchten, ihn in ihr Leben hochzuziehen, sodass ihm schwindelte. Ein normal fühlender Mensch hat schon Mühe, sich auf Erden im Gleichgewicht zu halten, sodass der Stoffkörper mit dem Geisteskörper in Harmonie ist, dass man wohl begreifen kann, wie dieser Unglückliche sich fühlte. Auf meinem Spaziergang auf Erden hatte ich dies alles gesehen, doch nun erlebte ich es. Wenn der astrale Mensch den irdischen Menschen in seine Gewalt gebracht hat, dann erlebt er sein eigenes Leben. Die Dämonen gebrauchen jenen Stoffkörper für ihre Vergnügungen, für Leidenschaft, Gewalt und Vernichtung. Alles ist bestialisch, sehr, sehr traurig; doch es sind furchtbare Wahrheiten. Hat man jenes irdische Wesen einmal erreicht, dann leben sich in jenem stofflichen Körper Dutzende von Wesen aus. Wer einmal in die Hände des Bösen übergeht, ist meistens rettungslos verloren. Von dieser Seite aus tut man alles, um solch einen Menschen zu bewahren. Es ist übel und scheußlich, doch der astrale Mensch will etwas erleben; sie sind eins im Gefühl und in den Gedanken. Ich kann Ihnen nur einen Rat geben: Suchen Sie das Gute, sodass der hohe Geist Sie erreichen und beeinflussen kann. Wie Sie denken, so ziehen Sie es an, und darin gehen Sie über. Seien Sie kein Spielball Ihrer eigenen Gedanken. 

Dieser Unglückliche erfuhr dies alles. Man wollte ihn vernichten, geistig verunglücken lassen, und ich wollte versuchen, das zu verhindern. Ich wirkte auf meine Art auf ihn ein, doch er wollte sich mit den Dämonen verbinden, und die Dämonen schickten ihre furchtbaren Gefühle auf ihn los. Es würde eine organische Störung auftreten, denn dies konnte der stärkste Körper nicht verarbeiten. Wieder sprang er auf und rannte wie ein Wahnsinniger im Kreis, genau so lange, bis er sich nicht mehr vom Fleck rühren konnte. Er war bereits in einem Zustand der völligen Erschöpfung. Mitten in seiner Zelle sank er zusammen und blieb dort liegen. Für mich war dies ein großes Glück, denn nun konnten ihn die Dämonen nicht erreichen. Nun war er zu schwach, um selbst Schluss zu machen. Doch wenn das so weiterging, würde der Mann wahnsinnig. Mir hatte dies immer Angst gemacht, sodass ich mich mit tausend anderen Dingen beschäftigte und auf mich selbst achtete. Unwillkürlich hatte ich mich selbst kontrolliert. Doch auch ich hätte besser wahnsinnig werden können, als diesen furchtbaren Übergang zu erfahren. 

Nun lag er da wie gestorben. Ich ergründete ihn und spürte deutlich, dass er benommen war. Von seiner Vergangenheit fühlte ich nichts mehr. Was er nun erfuhr, hing mit seinem körperlichen Zustand zusammen, und seine Kräfte nahmen von Minute zu Minute ab. Deshalb konnten die Dämonen ihn jetzt nicht genügend erreichen, doch sie waren in ihm und um ihn herum. 

„Er ist nicht allein“, hörte ich sie wieder sagen. „Ein Arzt ist bei ihm, er wird gepflegt.“ 

„Nein“, sagte der andere, „er liegt auf dem Boden.“ 

Ich begriff durch dieses Gespräch, dass sie die wahre Bedeutung weder sehen noch spüren konnten. Ich kannte all diese Übergänge und wusste, dass der Gefangene eine höhere Abstimmung besaß als sie. Wenn ich seine Sehnsüchte unterdrücken konnte, würden sie sich seiner nicht bemächtigen können. Doch die Zeit des Hinübergehens war noch nicht da, sodass noch so viel geschehen konnte. Wenn er sich auf sie einstellte, könnten sie deutlich sehen, dass kein irdischer Arzt zugegen war. 

Als ich an all diese Dinge dachte, fragte er: „Warum helft ihr mir nicht? Ich bin hier so allein, niemand, der mir hilft.“ 

Auf seine Worte hin hörte ich den weiblichen Dämon sagen: „Er ist allein; trotzdem ist Hilfe da, aber jene Hilfe kommt von dieser Seite.“ 

Ich zog mich ein wenig zurück, sodass sie mich nicht als einen Schatten wahrnehmen würden. 

„Ich sehe nichts“, sagte der andere. 

„Dann siehst du nicht gut. Komm, mach voran, zögere nicht, er soll Schluss machen.“ 

Gemeinsam fielen sie über ihn her, sodass der Unglückliche stöhnte und wimmerte. Diese Einwirkung machte ihn wahnsinnig, und sein Hirn geriet in Verwirrung. Er wollte, dass man ihm half, doch jene Hilfe würde ihm zum Verhängnis. Es war ihm nun nicht mehr möglich, normal zu denken. Ich war noch stets eins mit ihm. Mörderisch waren die Gedanken derer, die ihn vernichten wollten. Der Unglückliche wusste nicht, mit wem er sich in Verbindung setzte. Ich bot nun alle meine Kräfte auf und betete zu Gott, mir zu helfen. Es war nun zu einem furchtbaren Kampf gekommen. Links und rechts um mich herum glaubte ich irgendein Licht wahrzunehmen. Bekam auch ich Hilfe? Ich hielt meinen starken Willen auf einen einzigen Punkt gerichtet. Ich tötete seine Gefühle, mehr konnte ich jetzt nicht tun. Auf die Dämonen konnte ich mich nicht konzentrieren und ließ sie machen, was sie wollten. Ich hinderte ihn nun lediglich daran, auf sie zu hören und versuchte seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken. Noch war er zu erreichen. Ich merkte, dass er mir in meinem Gedankengang folgte, und so verstrich die Nacht, und die Dämonen gingen fort, denn am Morgen ließ ihre Verbindung nach. 

Stundenlang hatte er dort gelegen. Nun spornte ich ihn an aufzustehen. Einige Male versuchte er sich aufzurichten, bis es ihm schließlich gelang, seinen vorigen Platz zu erreichen. Er war zu Tode erschöpft, denn in dieser Nacht hatte er viele Kräfte verloren. Auch am Tag sah ich die Dämonen, da sie immer und immer wieder zu ihm zurückkehrten. Der Mann aber sackte stets tiefer weg. Ich spürte nun, dass man mir in der Nacht geholfen hatte, mein Gebet war erhört worden. Falls man ihn in dieser Nacht angreifen würde, konnte ich womöglich abermals auf jene Hilfe rechnen. 

Am Nachmittag kam man ihn besuchen. Es gab tatsächlich irdische Hilfe. Man verabreichte ihm Medikamente, und daran merkte ich, dass Jahrhunderte vergangen waren. Als ich hier eingesperrt war, kümmerte man sich nicht so um einen Gefangenen, man überließ uns dem Schicksal. Doch er blieb in seiner Zelle, obwohl es nicht mehr lange dauern konnte. Ich war bereits seit einigen Wochen hier, um ihn zu beschützen, und noch sah ich das Ende nicht. Trotzdem gab es etwas, woran ich sein Ende spürte. Wenn ich mich auf ihn einstellte, kostete es mich nicht so viel Mühe. Der Geist, der bald in dieses Leben eingehen würde, war bereits mit diesem Leben in Verbindung. Im Gefühl entfernte er sich von der Erde und ging in mein Leben über. Darum konnte ich ihn leichter erreichen, aber gleichzeitig war er für die Dämonen ein empfängliches Subjekt. 

So gingen der Tag und die Nacht vorbei, und es geschah nichts Besonderes. Am darauf folgenden Tag konnte er sich fast nicht mehr rühren. Er lag still da, und seine Gedanken waren verwirrt. Er befand sich in einem Zustand des Wahnsinns, der weit von seinem irdischen Bewusstsein entfernt war. Das alles spürte ich deutlich. Sein Ende kam immer näher. Doch er bot alle seine Kräfte auf und kroch wie ein Tier auf Händen und Füßen herum. Ich wollte ihn daran hindern, aber es war mir nicht möglich. Er suchte etwas. 

„Wo bist du?“, rief er. „Wo bist du? Komm, lass mich nicht allein, ich habe dich lieb. Sie spüren und sehen es. Komm, sprich. Du bist mir lieb.“ Vollkommen wahnsinnig, dachte ich, doch er fühlt im Geiste. In meinem Leben war er normal. Wenn er einmal gestorben war, würde sich diese geistige Störung bald auflösen. Wie einfach war der Wahnsinn! In meinem Leben auf Erden begriff ich nichts davon. Die Gedankenkraft anderer Wesen hatte ihn in Disharmonie gebracht. Der eine half ihm, ein anderer trachtete ihn zu vernichten. Noch war ich allein – nachher würden sie vielleicht zurückkommen. Ich wartete ab und folgte ihm in seinen Gedanken. Je näher der Tod auf Erden kam, desto schwieriger wurde es für mich. Ich wusste ganz gewiss, dass, wenn er sich gänzlich bewusst wäre, er seinem Leben schon längst ein Ende gemacht hätte, doch in diesem Zustand war dies nicht möglich. Er konnte nicht mehr nur an eine Sache denken. Er war voller Gedanken. Dies war nun die einzige Möglichkeit, auf die ich mich konzentrieren musste. Ich blieb innig mit ihm in Verbindung. Die Dunkelheit war längst eingebrochen, als die Dämonen nahten. Er stieß Verwünschungen aus, flehte um Hilfe, verfluchte seinen Gott und verlor sich selbst. Nun waren sie zu fünft, drei waren nicht genug. Diese Teufel in Menschengestalt wussten, dass ihnen entgegengewirkt wurde. Mit vereinten Kräften wollten sie ihn in ihre Welt hinaufziehen und unschädlich machen. Man drängte ihm ein furchtbares Ende auf. Man schloss ihn nun gänzlich ein, und sie konzentrierten sich auf den Unglücklichen. Dem war ich nicht gewachsen. Aber mein Gebet hatte mir geholfen, also betete ich wieder im Stillen zu Gott, mir Hilfe zu senden. Es war nun so, als wenn ein Orkan der Kräfte über ihm losbrach. Ich betete inbrünstig. „Hilfe, Hilfe“, rief ich. „Mein Gott, hilf mir.“ Dann rief ich um meinen geistigen Leiter. „Hilfe, Emschor, hilf mir.“ Plötzlich fühlte ich, wie eine andere Kraft in mich kam. Wieder betete ich. „Ich sitze hier gefangen. Emschor, hilf mir, furchtbar ist die Kraft, die über und in mich kommt. O Gott, hilf mir. Emschor! Emschor! Mein allmächtiger Vater, ich flehe dich an, hilf mir, erhöre mein Gebet. Ich halte dies nicht mehr aus, ich kann nicht mehr.“ Ich rief weiter um Hilfe, denn ich spürte, dass meine Kräfte nachließen. Ein unsicheres Gefühl kam nun in mich. Doch ich hielt weiterhin durch und betete inbrünstig um Hilfe. Wie kraftvoll war mein Gebet! Mich überfiel ein leichter Schwindel. Trotzdem hielt ich meine Konzentration auf ihn gerichtet und widerstand den Dämonen. Plötzlich richtete sich der Gefangene auf, seufzte und klagte und stieß Angstlaute aus. Nun sah ich, dass Blut aus seinem Munde floss. Sein Kopf dröhnte und seinen Herzschlag hörte ich in dieser Welt. Dieser ungleiche Kampf war furchtbar. Wieder rief ich um Hilfe. Immer und immer wieder sprach ich Emschors Namen aus. Man musste mir helfen, sonst müsste ich mich geschlagen geben. Was nun? Der Gefangene machte sich bereit, sich an der Wand seiner Zelle zu Tode zu rennen. In seinem Wahnsinn wusste er nicht mehr was er tat. Damit hatte ich nicht gerechnet. Blitzschnell zwängte ich mich mit Gewalt und allen Kräften, die noch in mir steckten, in ihn und zwang ihn, an andere Dinge zu denken. Dies gelang mir. Er sank zurück, und ich ließ ihn im Kreis kriechen und machte ihn auf diese Weise todmüde. Die Dämonen wollten, dass er sich zerschmetterte. Dies hatte ich zu verhindern gewusst. Endlich blieb er völlig erschöpft liegen. Gott sei Dank, er war noch in meiner Gewalt. Doch er kroch zu seiner Ruhestätte zurück, und ich wartete ab, was geschehen würde. Hoch über mir sah ich einige leuchtende Gestalten. Sie blickten auf mich nieder und lächelten mir zu. 

„Wie kann ich euch danken“, sandte ich zu ihnen. 

Darauf hörte ich, wie gesagt wurde: „Er geht bald hinüber, sein Kampf ist gestritten. Die Dämonen können ihn nun nicht mehr erreichen. Diese Nacht geht in Ruhe vorüber. Liebe ist das Höchste, das Gute siegt. Gott sei mit dir.“ 

Ich brach in Tränen aus. Uns beiden war geholfen worden. Emschor hatte mein Gebet erhört, mir seine Helfer geschickt. Wie hatte ich für seinen Übergang gekämpft! Ich hatte einem Menschen helfen dürfen, wie glücklich fühlte ich mich. Wie war ich Gott dankbar, und wie verneigte ich mein Haupt! Ein starkes Glück strömte in mich, ein Glück, das Liebe bedeutete. 

Ich ergründete ihn abermals und spürte den Zeitpunkt, an dem er hinübergehen würde. Es war, als ob der Arme es auch fühlte. Dort lag ein Mensch, der seinen Kampf gestritten hatte. Wie hatte er gelitten, verlangt und gesucht! Wie tief war dieser Mensch geschockt. Ich dankte meinem Vater, dass ich dies erreicht hatte. Noch waren die Dämonen zugegen, denn ich hörte sie sprechen. Endlich gingen sie fort, um nicht wieder zurückzukehren. 

Ich überdachte nun alles und wusste, dass es mir viel Weisheit gegeben hatte. Ich fühlte mich anders als bevor ich hiermit begonnen hatte, und trotzdem waren erst einige Wochen vergangen. Es schien mehr Licht um mich herum zu kommen. Ich war dabei, dem Menschen zu dienen und hatte meinen Gott lieb, den ich nicht ganz kannte, doch von dessen Macht ich nun überzeugt war. Für diesen Menschen hatte ich etwas getan, und gerne würde ich wieder alles tun wollen. Im letzten Augenblick war Rettung gekommen. Als meine Konzentration nachließ, war ich verloren, und wenn jene Hilfe nicht gekommen wäre, hätten sie ihn in ihr Leben hochgezogen. Wunder schienen erst im allerletzten Augenblick geschehen zu können. Dies hatte ich an dieser Seite schon mehrmals erlebt. Gebete wurden im allerletzten Augenblick erhört. 

Die Nacht war vorbeigegangen, und ich spürte, dass sein Ende nahte, sodass ich mich auf eine andere Weise einstellte. Nun brachte ich ihn zur Ruhe und betete für ihn. Dann sprach ich zu ihm, und er verstand jedes Wort, so innig war er bereits mit unserer Welt in Verbindung. Nach und nach kehrte sein Tagesbewusstsein zurück. Ich sah und spürte diese Wirkung deutlich; auch sein Kopf dröhnte nicht mehr so sehr. 

„Wer bist du?“, hörte ich ihn fragen. 

„Ein Freund von dir“, sagte ich, „beib nur ruhig.“ 

Er nahm mich deutlich wahr und fragte: „Ein Freund?“ 

„Ja, ein guter Freund.“ 

„Wo sind die anderen?“ 

„Hast du sie gesehen?“ 

„Ja, wo sind sie?“ 

„Sie sind fortgegangen“, sagte ich. 

„Sie auch?“ 

„Ja.“ 

„Ein Glück“, sagte er. Er war mit ihr innig verbunden gewesen. Er fühlte sich erleichtert, dass sie nicht mehr hier war. „Ich werde sterben“, sagte er, „ich fühle es. Komme ich dann zu dir?“ 

„Du kommst zu mir und zu anderen Freunden, die es gut mit dir meinen.“ 

„Wenn Gott mir nur vergibt. Ich habe so gelitten.“ 

„Gott hat dich lieb“, sagte ich. 

„Ist das die Wahrheit?“ 

„Die heilige Wahrheit.“ Ihm traten die Tränen in die Augen. Meine Worte kamen aus tiefster Seele. Wie hatte ich mich verändert! „Ja“, so dachte ich, „Gott ist Liebe.“ 

„Du sprichst anders als sie. Bist du stets bei mir gewesen?“ 

„Nein“, sagte ich zu ihm, „ich bin gekommen, um dir zu helfen.“ 

„Ich bin dir dankbar; noch ein paar Stunden, und dann sterbe ich.“ 

Auch ich weinte, doch nur vor Glück, weil ich ihm hatte helfen dürfen, aber ich war auch traurig, weil der Mensch auf Erden so viel leiden musste. „Mein Gott“, betete ich, „ich bin Zeuge seines Leidens gewesen, er wird das Gute suchen und an sich arbeiten. Er wird wie ein Kind sein, sei ihm gnädig, er hat so gelitten.“ 

Eine ruhige Kraft strömte in ihn. Seine körperlichen Kräfte nahmen mit jeder Minute ab. Er lag da wie in Tier. Auf Erden ließ man ihn allein, kein Mensch kam ihn besuchen. Das Essen hatte man wie gewöhnlich durch die Öffnung geschoben, doch er hatte keine Nahrung mehr nötig. Die Zeit verstrich, und er ergab sich gänzlich. Sein Geist machte sich bereit, für die Erde hatte er bereits sein Bewusstsein verloren. Nun fühlte ich, dass ich ihm helfen musste. Ich machte über seinem Stoffkleid lange Streichbewegungen, was ich mehrmals beobachtet hatte. Sein Geisteskörper kam nun frei, die Schnur, die auch mich bis zur letzten Sekunde daran gehindert hatte zu gehen, löste sich bereits. Sie wurde immer ätherischer, und in dem Maße, wie sie ätherischer wurde, nahmen die Kräfte seines Stoffkörpers ab. Der Sterbende gab tiefe Seufzer von sich, noch lebte er auf Erden. Er rief nach seinem Vater und seiner Mutter und dachte an seine Jugend. Wieder rief er ganz innig nach seinen Eltern. Waren sie noch am Leben? Das war kaum möglich. Abermals rief er und stieß einen Furcht erregenden Schrei aus. Ich bebte. Dies war ein schreckliches Hinübergehen, doch nicht mit meinem eigenen Übergang zu vergleichen. Trotzdem war sein Sterben furchtbar. Ganz allein und verlassen ging er in dieses Leben ein. Keine Freunde oder Bekannten, kein Vater oder keine Mutter, er lag dort allein in all seinem Elend. Dieses Loch war sein Sterbezimmer. 

Nun verließ er die Erde, die Schnur riss auseinander, und sein Geist befreite sich nun gänzlich. Das Leben auf Erden war vorbei. 

Nun hörte ich wie gesprochen wurde, sah empor und blickte in das Antlitz zweier junger Geister. Einer von ihnen sprach: „Wir kommen ihn holen, Bruder, bist du bereit, uns zu folgen?“ 

„Was meinst du?“, fragte ich. 

„Wir werden ihn an den Ort bringen, auf den er Abstimmung hat.“ 

„Oh“, sagte ich, „nun verstehe ich dich. Woher weißt du, dass dieser Mensch stirbt?“ 

„Wir wissen es bereits eine geraume Zeit im Voraus. Wir werden aus den höheren Sphären hierher geschickt.“ 

„Habt ihr mir in diesem scheußlichen Kampf zur Seite gestanden?“ 

„Ja, wir folgten dir in allem.“ 

Großartig ist das, dachte ich. 

„Hat dieser Mensch keinen Vater und keine Mutter an dieser Seite?“ 

„Doch, aber beide sind Unglückliche.“ 

Ich verstand. Die beiden jungen Geister fingen nun den Geisteskörper auf, und ein Mensch war auf Erden gestorben, doch ins Geistesleben eingegangen – tot auf Erden und geboren im Leben des Geistes. Der Geisteskörper war in einen Schleier gehüllt. Es wurde nicht mehr gesprochen. In schneller Fahrt verließen sie die Erde. Ich folgte ihnen. Wohin sollten sie ihn bringen. Es ging immer weiter. Ich spürte, wo ich mich befand. Im Land des Hasses waren wir nicht. Brachte man ihn in die geistigen Sphären? Wenn es möglich war, holte man jeden Menschen von der Erde ab. Mich aber nicht, ich saß an meinem Körper fest, mich hatte man nicht holen können. Woher wussten sie hier alles? Sie wussten, dass ich nicht frei war. „Dies“ nun hatte ich für ihn erreicht. Wenn ich nicht bei ihm geblieben wäre, hätte auch er den Verwesungsprozess erfahren müssen. Gott war allmächtig, denn Gott lenkte dies alles. Seine Abgesandten wussten es im Voraus. 

Endlich schien man den Bestimmungsort erreicht zu haben. Ich war in einem anderen Land und sah viele Brüder und Schwestern beisammen. Konnte ich hier eintreten? Dies war nicht meine Sphäre. Meine Hölle war anders. Besaß ich nun mehr Licht? Der Sterbende wurde in ein großes Gebäude hineingetragen. Ich sah, dass viele dieser Brüder mit dem irdischen Menschen hier ankamen. Wo bin ich, dachte ich und trat in das Gebäude ein. Überall sah ich Ruhestätten, und darauf lagen geistige Wesen, die auf Erden gestorben waren und in dieses Leben eingegangen waren. Liebe, nichts als Liebe sah ich. Wie besorgt waren alle um diese Menschen! 

Nun trat ein Bruder auf mich zu und sagte: „Willst du nicht ein wenig ruhen? Nachdem du solch eine große Aufgabe verrichtet hast, brauchst du wohl ein wenig Ruhe.“ 

„Weiß er davon?“, dachte ich. 

„Wir wissen alles“, sagte er. 

Merkwürdig fand ich das, ich hatte doch nur gedacht, ich hatte kein Wort gesprochen. Hier wusste man, woran ein anderer dachte. Ich sagte: „Ich fühle mich nicht müde und werde zur Erde zurückkehren.“ 

„Herrlich“, sagte der Meister. Ich spürte, dass er ein Meister war. „Fahre so fort“, sagte er, „du wirst dir viel geistigen Besitz zu Eigen machen. Wisse, dass man in den Sphären des Lichts auf dich wartet. Dort erwarten dich schöne Dinge. Was du hier siehst, ist die dienende Liebe. Jeder hat seine eigene Aufgabe, aber wir alle dienen dem Menschen, der hier eingeht. Ich will dir erklären, wo du dich befindest. Folge mir.“ 

Wir gingen wieder nach draußen, und der Meister sagte: „Bruder Lantos.“ 

„Kennst du mich?“ 

„Du hörst, dass ich dich kenne.“ 

„In dieser Weite?“ 

„Ich wusste schon seit langem, dass du hier ankommen würdest. Wir warten auf dich und viele andere. In den Sphären wartet ein Wesen auf dich, und jener Meister hat sich mit mir verbunden. Daher weiß ich von deinem Leben und von allen, die hier eintreten. Höre: Du befindest dich nunmehr im Dämmerland. Dies ist jedoch nicht deine Hölle, deine Hölle hast du bereits abgelegt. Du bist also höhergekommen. Dadurch, dass du das Gute suchst, hat sich dein Zustand gewandelt. Du kannst noch weiter kommen, denn deine Sphäre ist die nächste, die höher liegt. Die Sphäre, wo wir uns nunmehr befinden, grenzt an das Land des Hasses und ist eine Zwischensphäre. Du bist im Land des Hasses gewesen, und das Leben dort ist dir bekannt. Du hast dich also von der Finsternis befreit, indem du ihm und vielen anderen halfst. Die Finsternis, Bruder Lantos, liegt nun hinter dir. Darum sage ich dir, fahre fort, suche es auf diese Weise, dann erwarten dich die Sphären des Lichts. In deiner eigentlichen Sphäre hast du bereits Licht, und trotzdem hast du die erste geistige Abstimmung noch nicht erreicht.“ 

„Bin ich noch stets ein lebender Toter?“ 

„Ja, noch gehörst du zu ihnen, doch das wird nicht mehr lange dauern. Dann gehst du in die erste geistige Sphäre über. Darauf folgen die zweite, die dritte, die vierte, fünfte, sechste und siebte Sphäre. Danach kommen die mentalen Gefilde. Das sind die Gefilde, wie du sie erlebt hast, und die mit der Welt des Unbewussten zu vergleichen sind. Wer darin übergeht, kehrt nicht zurück und geht auf den vierten kosmischen Grad über. Das ist ein anderer Planet. Doch davon wirst du später überzeugt werden. Wir alle, Bruder Lantos, geben uns gänzlich für jene hin, die aus der Finsternis und von der Erde hier eintreten. Wir bewahren sie vor dem Zurückfallen und stehen ihnen in allem zur Seite. Das ist unsere Aufgabe. Andere steigen in die Finsternis hinab, um Unglücklichen zu helfen.“ 

„Was geschieht mit demjenigen, dem ich zur Seite stehen durfte?“ 

„Er schläft und wird lange schlafen, danach beginnt sein geistiges Leben.“ 

„Ist dies hier seine Sphäre?“ 

„Ja, dies ist seine Abstimmung.“ 

„Bleibt er hier lange?“ 

„Das kann Jahre dauern und hängt ganz von seinem eigenen Willen ab.“ 

„Er hat so leiden müssen, wird dem Rechnung getragen?“ 

„Ist dir etwas geschenkt worden?“ 

„Nein, das nicht.“ 

„Nun denn, auch ihm kann man nichts schenken, er hat es selbst gewollt.“ 

Ich verstand. „Befinde ich mich hier an der Grenze der eigentlichen Hölle in diesem Leben?“ 

„So ist es.“ 

„Ich kann also weitergehen?“ 

„Das kannst du.“ 

„Was rätst du mir zu tun?“ 

„Es liegt an dir selbst, was du tun willst. Du kannst zur Erde zurückkehren, in die Finsternis der Hölle hinabsteigen oder höhergehen, um von deiner Sphäre Besitz zu ergreifen. Doch ich rate dir, wieder an deine Arbeit zu gehen. Es gibt Tausende, die Hilfe benötigen. Du kannst in kurzer Zeit große Fortschritte machen, denn du besitzt einen starken Willen, kennst all die Höllen und Sphären und weißt, wie man die Menschen auf Erden erreichen kann. Das alles hast du gelernt in den Jahrhunderten, die vergangen sind.“ 

„Ich steige hinab“, sagte ich zu dem Meister. 

„Das ist der Weg, mein Bruder.“ 

„Du hast mich in allem verfolgt?“ 

„Ich sagte dir schon, dass ich mit deinem Meister in Verbindung bin. Von hier aus hat man dir in allem geholfen, und deine Gebete sind von uns aufgefangen worden.“ 

„Ist das möglich?“ 

„Du siehst, dass wir es wissen. Reine Gebete, die hinaufgeschickt werden, finden auf der Stelle Verbindung. Deine Hilferufe, dazu deine große Liebe, einem Menschen zu helfen, haben uns erreicht, nein, gehen höher und höher, bis sie in die Sphären des Lichts dringen. Von dort aus erhalten wir die Botschaft jenen zu helfen, die dieser Hilfe bedürfen. Jene Verbindungen werden also durch die Meister zustande gebracht.“ 

„Wenn ich dich richtig verstanden habe, fühle ich, dass, je reiner ich mich geben kann und je größer die Liebe ist, die ich anderen gegenüber empfinde, desto größer ist die Hilfe, die ich empfangen werde?“ 

„So ist es. Indem du dich in Liebe hingibst, werden dich die höheren Geister unterstützen und ihre Helfer zu dir schicken.“ 

„Gilt das für jeden?“ 

„Wer das Gute will, wird diese Hilfe empfangen.“ 

„Jede Seele folgt ihrem eigenen Weg?“ 

„Jeder hat seinem eigenen Weg zu folgen, doch wir alle folgen nur einem einzigen Weg, um die höchsten Sphären erreichen zu können. Das geschieht, indem wir das Leben lieb haben und dienen.“ 

„Sind alle diese Wege gleich schwer?“ 

„Nein, das nicht. Du aber hast das tiefste Elend erfahren, den schwierigsten Weg beschritten, den es gibt. Dein Sterben war ein besonderes Eingehen. Aber nicht allein dieses Eingehen, sondern auch, wie du von dort aus deinen Weg gefunden hast und ganz allein bereits bis hierher gekommen bist. Du hast verschiedene Stadien durchlaufen und gewusst, dich aus jenen Sphären zu befreien. Andere benötigen Hilfe, und man muss ihnen helfen. Du aber suchst es in deinem Leben und trachtest gleichzeitig, anderen zu helfen und ihnen zur Seite zu stehen. Vor dem Menschen, der dies aus eigenen Kräften erreichen kann, hat man an dieser Seite Respekt.“ 

„Kannst du mir sagen, wo Meister Emschor lebt?“ 

„Dein geistiger Leiter und Meister lebt in der fünfen Sphäre.“ 

„Was sagst du, in der fünften Sphäre? Wie soll ich jemals dorthin kommen.“ 

„Wenn du in dieser Weise fortfährst, wirst du rasch Fortschritte machen. Hast du mich noch etwas zu fragen?“ 

„Ja, ich habe noch vieles zu fragen, doch ich will nicht hier bleiben. Ich kehre zurück zur Erde und all den anderen Höllen und werde sehen, dass ich mir jene geistigen Kräfte zu Eigen mache. Ich will zunächst zu meiner Zelle zurückkehren, womöglich kann ich dort anderen helfen.“ 

„Das ist nicht nötig, Bruder Lantos.“ 

„Weißt du das?“ 

„Wir wissen, wo der Mensch zu finden ist, der Hilfe benötigt.“ 

„In dieser Weite?“ 

„In dieser Welt sind wir mit Millionen in Verbindung. Es ist eine mächtige Kette, und der Mensch, der sich damit verbindet, bei dem sind auch die Brüder und Schwestern aus höheren Sphären. Sie senden sofort ihre Gedanken empor, und dann wissen wir, ob dort dringend Hilfe benötigt wird. Und allein diejenigen, die ein gleiches Leben erfahren haben, können ihnen helfen. Alles, du hast es erlebt, ist eine Frage der Konzentration, und das ist Liebe, und zwar die dienende Liebe. Du kannst zu deinem Gefängnis zurückkehren, wenn du das wünschst, aber dort hat man deine Hilfe nicht mehr nötig.“ 

„Man hat mich also mit dieser Aufgabe beauftragt?“ 

„Richtig, man folgte deinen Wegen. Im Stillen wirkte man auf dich ein. Du bist nie allein, wenn du auch denkst, dass du alleine bist. Von denen, Bruder Lantos, die jetzt noch in deinem Kerker eingesperrt sind, ist also keiner mit dieser Welt in Kontakt.“ 

„Es ist wundersam“, sagte ich, „mächtig und tief.“ 

„Kehre also zurück zur Erde, dort wirst du eine andere Aufgabe finden. Und wenn du hierher zurückkehrst, wird alles anders sein und wirst du dein ewiges Leben besser verstehen. Komm, folge mir; ich werde dich zu dem zurückführen, dem du zur Seite gestanden hast.“ 

Ich sah hunderte von Menschen, alle waren in einem tiefen Schlaf. Ich begriff dieses Schlafen, Emschor hatte mir davon erzählt. Wie wahr war alles! Männer und Frauen sah ich beisammen. Große und erwachsene Menschen wurden wie kleine Kinder versorgt. Man erklärte ihnen dieses Leben, denn ich spürte, dass sie nicht imstande waren, sich selbst zu helfen. So wollte ich nicht sein, ich wollte auf eigenen Beinen stehen. In jeder Sekunde kamen hier tausende Menschen von der Erde an, die dort gestorben waren. Die Brüder kehrten sofort zur Erde zurück, um andere zu holen. Es war großartig, dies beobachten zu können. Sterben und Geborenwerden, immer nur fort, tausende von Jahren hintereinander geschah nichts anderes. Alt und Jung waren hier zusammen, aber Kinder sah ich nicht. Dort lag mein Freund. Ich war verwundert, dass er sich bereits so verändert hatte. Der Geisteskörper wurde allmählich bewusst, und er musste und sollte erwachen. Dies geschah während seines Schlafs. Ich spürte und verstand dies alles, weil ich es mit mir selbst erlebt hatte. Es sollten Monate vergehen, ehe der Mensch wieder er selbst wurde. Dennoch vollzog sich dieser Prozess. 

Sein Schlaf war tief. O wie großartig, dachte ich, ist dieses Leben! Ich sah mich um, und mein Entschluss stand fest. Hier wollte ich nicht bleiben, denn ich war keiner, der sich auf seinem erlangten Besitz ausruhte. Ich wollte mich wieder auf den Weg machen, um an mir zu arbeiten. Ich dankte dem Meister für alles, was mir gegeben wurde und nahm Abschied von ihnen allen. Ich wurde von vielen hinausbegleitet. Alle riefen mir ein Lebewohl zu. Ich würde neue Probleme erfahren und das Wunderbare davon kennen lernen. Ich war wieder auf dem Weg, und die Finsternis kam immer dichter und dichter um mich. Nach und nach schloss sich diese Sphäre um mich herum, und ich löste mich darin auf.