Die astrale Welt
VOR mir lag die astrale Welt. Doch ich konnte nicht hingehen. Ich saß hier bereits eine geraume Zeit, um nachzudenken. Ein unsichtbarer Zuschauer, ein Mensch war mir gefolgt, denn ich hatte deutlich seine Stimme gehört, da er mir zugesprochen hatte. Dort vor mir lag eine Stadt, und links von mir sah ich einen Weg, der aufwärts führte zum Unbekannten. Wenn ich jenen Weg beschritt, erwartete mich die Stille, aber eine andere Stille als die, die ich bereits kannte. Doch ich verlangte nach Menschen, ich wollte Leben sehen. Mir war alles lieb, wie stürmisch es auch sein würde, denn ich war zu lange alleine gewesen. Ich fühlte noch die Furcht erregende Stille in mir. Nein, dorthin wollte ich nicht. Ich würde diesem Weg folgen, wie unberechenbar er auch war. Es war mir klar, dass die entgegenwirkende Kraft, die ich gespürt hatte, die seine war. Diese Kraft hinderte mich daran, weiterzugehen. Wie groß waren die Kräfte des Menschen, der auf Erden gestorben war, dass sie einem anderen Wesen Einhalt gebieten konnten! Ich fand es äußert wundersam und war erfreut, dass ich dies hatte erleben dürfen, obwohl ich nichts davon begriff. Ich erinnerte mich an jedes Wort, das er zu mir gesprochen hatte. Ich glaubte, dass an jene Stille niemals ein Ende kommen würde, und trotzdem befand ich mich nun in einer anderen Welt. Wie wunderbar war dieses Leben! Nun begriff ich, dass ich die Jahre, die ich auf Erden gelebt hätte, in jener leeren Welt hatte ausleben müssen, und als die Zeit vorbei war, ging ich langsam in diese Welt über. Das nun war meine Hölle. Es brannte dort allerdings kein Feuer. Wie natürlich löste sich alles. Eine ungeheure Gerechtigkeit hatte mich von der bewohnten Welt ausgeschlossen. Ich hatte ein Gesetz brechen wollen, das man nicht brechen konnte, und die Folgen davon hatte ich erfahren. Darin spürte ich das Gesetz von Ursache und Wirkung. Ich selbst war die Ursache, und für die Folgen davon hatte ich gebüßt. Dort in jener Stille hatte ich dies alles erfahren, und dazu gehörte der Verwesungsprozess, der das Abscheulichste dieses Geschehens war. Dieses Gesetz hatte ich kennen gelernt, denn durch mein Leiden war ich wieder in Harmonie mit den Naturgesetzen gekommen. So sollte es sein, denn ich spürte es. Dieses Verdichten der Welt und des Lebens um mich herum fand ich merkwürdig. Auf eine derartige Weise war womöglich der Mensch und alles andere Leben, das Gott erschaffen hatte, geboren worden. Es verdichtete sich unter meinen Füßen, es wuchs über, links und rechts von mir, bis diese Welt für mich sichtbar wurde. Das sanfte Rauschen schwoll zu einem gewaltigen Orkan an, und das war, wie dieser Geist sagte, Leidenschaft und Gewalt. Es war eine Hölle, und darin lebten Menschen, die leidenschaftlich und womöglich teuflisch waren. Wie furchtbar fand ich das! Ein Mensch, der noch auf Erden lebte, würde dies nicht verstehen können, dies musste man erleben. Trotzdem würde ich das alles noch einmal erleben wollen, aber nun als Zuschauer. Dann würde ich dieses Leben besser verstehen und all jene Kräfte kennen lernen, die ich mir sehr gerne zu Eigen machen wollte.
Ich lebte erneut auf Erden, und dennoch war ich tot. Aber die Erde dort vor mir war die astrale Welt. Dort lebten Menschen und geistige Wesen zusammen, und ich gehörte zu denen, die den stofflichen Körper abgelegt hatten. Ich war nun der astrale Mensch und befand mich in der Welt, in der der Geist lebte. Wie hatte ich auf Erden danach verlangt, und wie gerne hatte ich es kennen lernen wollen! Nun war ich im Jenseits und hatte bereits viel erlebt. Doch ich wusste noch nichts von diesem Leben und war sehr neugierig, was mich erwarten würde. Nun würde ich Menschen sehen und ihnen begegnen, und das wollte ich. Also machte ich mich auf den Weg und stieg hinab, dem Unbekannten entgegen. Der Wind tobte, als ob Himmel und Erde untergingen. Doch ich war nicht ängstlich, denn ich hatte mich bereits an dieses wüste Heulen gewöhnt. Je mehr Leben und Lärm ich hörte, desto lieber war es mir.
Ich machte bereits eine neue Entdeckung, denn wenn ich an andere Dinge dachte, hörte ich fast nichts von dieser Gewalt. Dann spürte ich, dass ich gänzlich in das überging, woran ich dachte, sodass sich das Vorige auflöste und ich das andere annahm. Es war genauso, als ich an meinem Stoffkörper festsaß. Indem ich an andere Dinge dachte, ging ich gänzlich darin über, und die Schmerzen und alles, was mit jenem Zustand zu tun hatte, nahmen ab. Dadurch konnte ich mir selbst dieses furchtbare Leiden erleichtern. Auch nun erlebte ich das gleiche Geschehen, und darin löste sich diese Gewalt auf. Dieses Übergehen war merkwürdig. Schritt für Schritt ging ich weiter, ich hatte Zeit, denn ich lebte in der Ewigkeit. Aber nach jedem Schritt, den ich machte, spürte ich, wie dieses neue Leben zu mir und in mich kam, und ich seufzte tief auf, da es mir den Atem nahm. Das war die Gewalt, in die ich zurückkehrte. Doch ich spürte, dass ich ruhig wurde. Dieses Übergehen probierte ich einige Male, und so lernte ich, wie ich mich geistig einstellen und verbinden konnte. Ich fand es herrlich und war glücklich, dass ich mir dies zu Eigen machte. Ich hatte mich in nichts verändert, im Gegenteil, ich fühlte mich lebendiger. Das kam dadurch, dass ich in einer anderen Welt lebte und etwas davon gelernt hatte. Das war Weisheit, geistiger Besitz, wovon ich auf Erden nichts wusste oder verstanden hatte. Dort hatte ich tausende von Fragen gestellt und nicht eine einzige, die beantwortet wurde. Nun begriff ich, dass sich all meine Fragen in mir selbst lösen würden, wenn ich auf all jene Kräfte achtete und meine Augen gut offen hielt. Ich bin immer wissbegierig gewesen, und das würde ich bleiben. Ich fühlte nun, wie eine merkwürdige Ruhe in mich kam, und dennoch befand ich mich in einer Hölle. War es denn nicht so finster in mir? Ich spürte, dass ich mich veränderte. Innerlich wurde ich anders, denn bevor ich hier eintrat, hasste ich. Nun aber empfand ich keinen Hass. In jener Stille rebellierte ich, und nun lag Ruhe in mir. „Seltsam“, dachte ich, „was für ein fremdes Wesen bist du.“
Ich fühlte mich, als wenn ich noch auf Erden lebte, bevor das Schreckliche geschah. War ich in dieselbe Gefühlsabstimmung zurückgekehrt? Ich war dieselbe Person, ich hatte lediglich meinen irdischen Körper verloren. Abgelegt wagte ich nicht zu sagen, denn ich hatte ihn vernichtet. Auf nichts empfand ich Hass, auch nicht auf meine Eltern. Dieses Gefühl war fremd, und ich verstand nicht, wie das kam. Ich hasste Roni und er mich, und doch, jetzt, da ich das alles gebüßt und erfahren hatte, war es, als hätte ich ihn nicht gekannt. Er war weit von mir entfernt. Im irdischen Leben konnte ich nicht von ihm loskommen, und jetzt, wo ich zu ihm gehen wollte, spürte ich, dass es nicht möglich war. Eine unsichtbare Kraft hatte uns auseinander gerissen. So empfand ich es, aber ob das der Sinn war, wusste ich nicht so sicher. So wie ich nunmehr war, fühlte ich mich bei meinem ersten Lehrmeister. Damals war ich sehr glücklich, genauso wie jetzt, und dennoch lebte ich in der Finsternis. Zwar war es hier ein wenig heller als dort in jener Stille, aber viel machte es trotzdem nicht aus. Auch all die Qualen, die ich in der Stille erfahren hatte, hatten sich verringert, wie das Band um meinen Hals. Ich hatte nur Hunger und Durst, aber auch nur dann, wenn ich daran dachte. Daher fand ich meine Hölle noch nicht so schlimm. Dies würde ich aushalten können, denn so unmenschlich war es nicht, wenn ich auch nicht das Licht besaß, von dem Emschor mir erzählt hatte.
Aber was hatte ich eigentlich verbrochen? Ich hatte die Leute nicht betrogen, nicht gefoltert, hätte es selbst nicht gekonnt, und dennoch lebte ich in der Hölle. Ich hatte getötet und meine Strafe abgebüßt. Meine Strafe auf Erden ist furchtbar gewesen, und noch furchtbarer war sie an dieser Seite. Ich wurde nicht einmal, sondern zweimal bestraft. War das noch nicht genug? Könnte Gott mir nicht alle kleinen Sünden vergeben? Musste ich noch für etwas anderes büßen? Ich glaubte dieses Problem zu spüren. Ich war in einer Hölle gelandet, die sich auf mein innerliches Leben abstimmte, denn die Hölle, so sagte der Geist, ist dein innerliches Leben. Dann hatte ich nicht viel Gutes aus meinem Leben auf Erden gemacht. Wenn ich nicht getötet, meinem Leben kein Ende gemacht hätte, wäre ich trotzdem hier eingegangen. So war es, es konnte nicht anders sein. Dies begriff ich vollkommen, und ich akzeptierte es. Mein Gespräch mit Roni war merkwürdig. Ich sollte ihn wach gemacht haben? Dies sei nur geschehen, weil ich an ihn dachte. Er könne mir nicht vergeben, wie gerne er auch wolle, aber dann sagte er mir, dass er mich hasse. Auch das war fremd. Ich hatte das Gefühl, dass eine andere Macht sein bösartiges Gefühl in Bezug auf mich nur lahm gelegt hatte, damit ich es erfahren würde. Er lebte und war irgendwo, doch war in Schlaf gefallen, weil er das Bedürfnis hatte zu schlafen. Auch ich war in Schlaf gefallen, und es schien mir wohl ein Jahrhundert gewesen zu sein, so zumindest hatte ich mich gefühlt, als ich wach wurde. Das alles waren noch Rätsel, und vorläufig würde ich wohl nicht dahinter kommen. Der Geist hatte mich mit Roni verbunden, und doch begriff ich nichts davon. Aber ich hatte keine Lust, mich abermals zu fragen warum und wozu. Das brachte mich nur aus der Fassung, und ich wollte ruhig sein. Meine Hölle war allerdings eine besondere Hölle, denn bald würde ich Menschen begegnen und konnte mich amüsieren. Oder waren das auch Lügen? Diesen Dämonen konnte ich nicht trauen, also würde ich eben abwarten.
Es verwunderte mich immer wieder, dass ich mich so ganz anders fühlte als früher. Kam das daher, weil ich so viel gelitten hatte? Hatte sich dadurch mein innerliches Leben verändert? Oder kam es dadurch, dass ich nunmehr in diesem Leben weilte und meinen irdischen Körper abgelegt hatte? Ich fühlte mich so herrlich ruhig. Schon wieder Fragen, immer nur Fragen. Ich sollte ein wenig vorsichtiger denken und die Probleme so viel wie möglich meiden. Dort in der Ferne meinte ich die Silhouette einer Stadt zu erkennen. In dieser Finsternis konnte ich dennoch weit vorausblicken, was an sich wiederum ein Wunder war. Ich erfuhr hier nichts als Wunder und Probleme. Es kam mir fast unglaublich vor, und doch sah ich eine Stadt mit vielen Türmen und Gebäuden. Wo man auch weilte und wie finster es auch war, man konnte an dieser Seite dennoch wahrnehmen. Wenn es auf Erden finster war, konnte man selbst die Hand nicht vor den Augen sehen. Aber in diesem Leben war alles anders, auch ich selbst. Und doch wieder nicht, denn ich dachte wie auf Erden und fühlte mich genauso wie dort. Ich hatte Arme und Beine, konnte hören und sehen und deutlich alles spüren. Doch in etwas war ich bevorrechtigt, und das war mein Gefühl, es war schärfer als auf Erden, lebendiger. Hier musste man alles fühlen, und wenn ich es fühlte, dann wusste ich es und verstand es vollkommen. Selbst in der Finsternis meines eigenen Grabes hatte ich deutlich den Prozess meines Stoffkörpers gefühlt und auch gesehen. Die Wirkung kehrte in meinen Geisteskörper zurück. Ich musste es selbst verarbeiten, und dieses Verarbeiten war Fühlen. Durch und durch fühlen war in diesem Leben Erleben. Dachte ich an irgendetwas, so begann ich es zu spüren und ging gänzlich in das über, woran ich dachte. Auf Erden hatte ich so niemals gelebt, nur unter heftiger Inspiration, sonst nicht. In den meisten Fällen tat ich alles unbewusst. War das verkehrt? Hier musste ich ganz ich selbst sein, sonst geriet ich in Disharmonie, und alle stofflichen Qualen kehrten in mich zurück. Hier konnte man nur an eine Sache gleichzeitig denken, auch das war mir bereits aufgefallen.
In dieser Weise würde ich fortfahren, denn ich glaubte, dass ich es begriff. O, wenn ich das alles auf Erden gewusst hätte! Wie viel einfacher wäre mein Leben dort dann gewesen! Ich hätte es mir selbst nicht so schwer gemacht. Aber was wusste man dort von einem Himmel und einer Hölle? Doch nichts. Wo war eigentlich der Himmel, und wo war Gott? Ich dachte, ich müsste vor Gottes Thron erscheinen, doch auch das waren Lügen. Es war kein Gott zu mir gekommen, um mir Fragen zu stellen, und doch wurde es uns gelehrt. Auf Erden hatte ich nicht auf die Geistlichen gehört, und trotzdem hatte man mir noch keine Frage gestellt. Keinen Geist, keinen Menschen, keinen Gott hatte ich gesehen. Nun lebte ich in der Hölle, aber selbst der Teufel war nicht einmal da. Was verkündeten die Geistlichen auf Erden denn für einen Unsinn? Sie wussten nichts darüber und dennoch taten sie, als hätten sie die Weisheit für sich gepachtet. Die Christen, die ihren Glauben nicht annahmen, wurden gebrandmarkt, gefoltert und getötet. Das tat man für all diese Lügen! Wie dumm, wie entsetzlich dumm ist der Mensch! Hier, in diesem Leben, lernte ich es einzusehen. Für ihren Unsinn wurden zahlreiche Menschen umgebracht. Das war traurig! Aber ich musste diese Wahrheit annehmen, denn ich sah weder Gott, Geist noch Teufel. Auch gab es kein Feuer und keine Verdammnis. Sie verkündeten nichts als Lügen und Unsinn. Doch es war merkwürdig, dass ausgerechnet die Dämonen darin die Wahrheit gesprochen hatten. Vielleicht fanden auch sie es schrecklich. Dass sie echte Teufel waren stand für mich fest, denn sie hatten mich in die Falle gelockt, und das hatte mir viel Leid und Schmerz gebracht. Dieser eine Teufel schien ein sehr großes Interesse an meinem Untergang zu haben, denn als es geschehen war, ging er fort und rief nichts anderes, als dass Rache süß sei, was ich nicht verstand. Auch kannte er mich, denn er nannte mich bei meinem Namen.
Es freute mich, dass es keine Verdammnis und kein Feuer gab, und allein schon dafür konnte ich Gott lieb haben. Dies war ein ganz anderer Gott, als der, den man auf Erden kannte. Dieser war milder, besaß mehr Liebe, und Er war Liebe, wie der Geist Emschor mir sagte. Aber Sergius* verkündete Verdammnis, ewiges Brennen und völlige Vernichtung. Ach, ihr Narren, ihr Nachbeter, ihr wisst nichts! Ihr macht den Menschen Angst. Ihr denkt, dass ihr es richtig macht, doch ihr macht es falsch. Das ist nicht der Weg. Ihr seid blind, geistig blind, und eure Herzen sind kalt und gefühllos. Das hatte ich in der kurzen Zeit, die ich hier war, bereits gelernt. Wo würden diese Menschen leben, wenn auch sie einmal auf Erden sterben würden? Im Himmel? Bei Gott? Weil sie ihr ganzes Leben lang die Unwahrheit gesprochen hatten? Das wäre eine schöne Bescherung und eine große Ungerechtigkeit. Das würde und könnte Gott nicht dulden. Gott ist gerecht, so sagte man, und das wäre ungerecht. Dann wäre Gott falsch und nicht ehrlich gegenüber allen Menschen. Wenn alle falschen Verkündiger des Glaubens in den Himmel kämen, müsste auch ich dort sein, und ich war nicht dort, denn ich war in der Hölle. Wenn man nicht gläubig war, wurde man in den Kerker geworfen und gefoltert. Sieh, das schien mir die größte Ungerechtigkeit zu sein, die es gab. Ich hatte auf Erden einen Glauben annehmen müssen, sonst hätten sie auch mich umgebracht, obwohl ich dort in Ruhe an meiner Kunst arbeiten wollte.
Sonst hätte ich es ganz gewiss nicht getan, denn ich spürte dort bereits die Widersprüchlichkeit. Es war schon sehr schade, dass mein Leben so frühzeitig beendet wurde. Mein letztes Kunstprodukt hatte ich nicht mehr vollenden können. Wenn ich meinen Zustand mit allen Menschen verglich, dann merkte ich, dass ich nicht gut war, aber auch nicht schlecht. Ich befand mich zwischen dem Guten und dem Schlechten. Deshalb war meine Hölle nicht so unmenschlich. Wenn jeder Mensch seinen Himmel und seine Hölle in sich trug, dann gab es hier Millionen von Höllen und Himmeln. Denn wo waren all die Menschen, die auf Erden gestorben waren? Doch sicher hier? Trotzdem war ich allein, ganz allein. War ich nicht wach, nicht bewusst? Lebte ich noch stets im Unbewussten? Waren Roni und Marianne schlechter als ich? Oder war es gerade umgekehrt? Wohin würde Marianne gegangen sein? Immer wieder dachte ich an die beiden. Und meine Eltern, lebten sie noch? Hatte Marianne meine Skulptur mit nach Hause genommen? War auch sie bereits gestorben? War sie auch tot wie ich? Ich hatte sie wirklich lieb, und sollte Gott da meine Liebe vernichten?
Sollte Gott nicht wollen, dass ich sie lieb hatte? Würde sie einen anderen Himmel oder eine andere Hölle empfangen haben als ich? Ich dachte, dass ich ihr begegnen würde, und das war nicht geschehen. Wie liebte ich sie! Würde sie die Meine sein? Würde sie mich so lieben, wie ich sie? Gehörte sie mir, und waren wir eins? Ich fing wieder an Fragen zu stellen, und ich wusste nicht einmal, ob sie schon tot war. Und doch kam dieses Gefühl in mir auf, und das fühlte ich am stärksten. Wenn ich die Gefühle von Leben und Tod abwägen sollte, dann wog der Tod am schwersten. Denn den fühlte ich am deutlichsten. „Wie unbegreiflich ist dieses Leben doch!“, dachte ich. Ich wagte nicht mehr wie früher zu denken, und doch fand ich Gott fremd, sehr fremd. Ich kannte Ihn jetzt noch weniger als auf Erden, weil hier alles anders war. Doch ich hatte Ehrfurcht, allein schon, weil Dinge geschehen waren, die Wahrheit enthielten. Denn der Geist, der mich im Voraus gemahnt hatte, meinem Leben kein Ende zu machen, weil ich dann viel zu leiden hätte, hatte die Wahrheit gesprochen. Dieser wusste mehr von diesem Leben als ich, und so musste ich auch annehmen, dass Gott Liebe war. Derselbe Geist, der irgendwo war und mir gefolgt war, dessen Stimme ich gehört hatte, dieser Geist verkündete die Wahrheit und spornte mich an, ein wenig vorsichtiger über Gott zu denken. Ich hatte nun keine Lust, mich bewusst ins Unglück zu stürzen. Dieser Gott war jedenfalls ein anderer als der Gott meiner Eltern. Ihr Gott war ein Herrscher, ein Gott, der allein sie und ihr Geschlecht lieb hatte. Und solch ein Gott sagte mir nichts, vor dem empfand ich keine Ehrfurcht. Wenn ich mein eigenes Inneres mit ihrem Gott verglich, stand ich höher als ihr Gott und besaß eine andere Mentalität. Das alles ging nunmehr in mir vor, jetzt, da ich in diese Welt eingegangen war. Das größte Problem hatte sich für mich gelöst, und das war Gott. Ich kannte Ihn zwar nicht, aber was ich erfuhr, gab mir die Kraft anders zu denken. Der Gott meiner Eltern war ein schrecklicher. Dieser folterte und wollte aus mir einen Herrscher machen. Schon als Kind widerte mich das an, und ich war sehr dankbar, dass ich davor bewahrt wurde.
Soeben lernte ich wieder etwas Neues, und das war für mich äußerst seltsam. Als ich an Gott dachte, sah ich unwillkürlich nach oben, ganz intensiv zum Himmel, denn dort würde Gott wohnen. Und während ich daran dachte und danach verlangte dort hindurchblicken zu dürfen, fühlte ich mich plötzlich aufgehoben und schwebte einige Meter über der Erde. Es war ein merkwürdiges Geschehen. Die Schwerkraft war für mich aufgehoben. „Seltsam“, sagte ich mir, „was werde ich nun wieder erleben?” Danach probierte ich es viele Male, und ich kam immer höher, aber es blieb finster. Ich lernte auch noch andere Kräfte kennen, denn wenn ich schnell dachte und schnell aufwärts wollte, konzentrierte ich mich darauf, und dann ging ich in schneller Fahrt in die Höhe. Waren dies die Kräfte des Geistes oder kamen sie vom Teufel?, so fragte ich mich. Mich schauderte bereits bei dem Gedanken, dass ich mir Teufelskünste zu Eigen machte, denn das wollte ich nicht. Ich wollte vorwärts, geistig höher kommen, aber nicht tiefer sinken. Dann würde ich lieber weiterhin gehen, immer nur laufen, als mich mit diesen Künsten ins Unglück zu stürzen. Doch ich tat es wieder aufs Neue, denn ich fand es amüsant. So hoch, dass sich diese Finsternis auflösen würde, konnte ich nicht kommen, sodass um mich herum stets die Dunkelheit blieb. Dies gehörte zu den vielen anderen Eigenartigkeiten, die ich kennen lernen sollte.
Ich ging nun weiter, und bald würde ich die bewohnte Welt erreichen. Ich ging jetzt noch schneller als soeben, denn ich stellte fest, dass ich diese Kräfte auch beim Weitergehen nutzen konnte. Ich schwebte mehr, als dass ich ging. Den Boden fühlte ich nicht mehr. Auch das war merkwürdig. Auf Erden hätte ich es nicht gekonnt. Dort diente uns das Ross, und jenes edle Tier tat, was der Mensch wollte.
Auch dieses Weitergehen wiederholte ich einige Male, und ich ging immer schneller. Ich fiel von einer Verwunderung in die andere.
In einiger Entfernung von mir sah ich einen Menschen, der in dieselbe Richtung ging wie ich. Ich war sehr neugierig, ob es ein Mensch von der Erde oder der astrale Mensch war. Als ich etwas näher herankam sah ich, dass es eine Frau war. War sie gestorben oder lebte sie noch auf Erden? Ich war nah an sie herangekommen und hüstelte einmal kurz, doch sie hörte mich nicht. Sie störte sich an nichts und ging weiter, immer nur weiter. Aber Geist oder Stoffmensch, sie war ein Mensch. Doch ich wollte, dass sie mich wahrnahm, vielleicht konnte ich ihr einige Fragen stellen. Als ich neben ihr lief, sprach ich sie an, aber sie blieb taub und war offenbar auch blind, denn sie hörte und sah mich nicht. Sie ging in Gedanken weiter und tat, als wenn ich nicht da wäre. „Eine merkwürdige Erscheinung“, dachte ich. Nun versuchte ich ihr von der anderen Seite entgegenzukommen, dann müsste sie mich sehen und konnte mich nicht ignorieren. Als ich einige Schritte voraus war, kehrte ich zurück, doch auch nun sah sie mich nicht.
Lebte sie noch auf Erden? Dann verstand ich, dass sie mich nicht wahrnehmen konnte, denn für den Menschen, der im Stoffkörper lebte, waren die Geister nicht sichtbar. Einzelne hatten auf Erden Geister gesehen, aber ich gehörte nicht zu ihnen. Auch sie war blind wie all die anderen Menschen. Ich lief weiter dicht neben ihr, ich als gestorbener Mensch, während sie noch im Besitz ihres Stoffkleides war. Ich fand es sehr interessant, einen Menschen von der Erde zu sehen, und nun begriff ich erst, wie tief das geistige Leben hinter jenem Schleier verborgen lag. Der Schleier, der diese Welt verbarg, war für sie undurchdringbar. Wie hatte ich nicht nach all diesen Problemen gesucht! Vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und trotzdem war ich nicht dahinter gekommen. Es war also ganz normal, dass sie mich nicht sah. Ich war nun in jenes unbegreifliche Leben eingegangen. Früher oder später kamen sie alle hierher, und sie würden es genauso wunderlich finden wie ich.
Dieser Mensch lief jedoch immer weiter, und ich ging nach wie vor mit ihr, da ich gespannt war, wohin sie gehen würde. Sie trug ein prächtiges Kleid, genau wie meine Mutter es getragen hatte. Ich begriff dadurch, dass sie zu den ersten Kreisen gehörte, denn die Tracht war sehr kostbar. War es Tag oder Nacht auf Erden? An ihrem Tun und Lassen stellte ich fest, dass es Tag war. Am Abend oder in der Nacht würde sie so nicht weggehen können. Die Stadttore wurden pünktlich geschlossen, und wer nicht rechtzeitig drin war musste draußen bleiben oder mit den nötigen Papieren ausgestattet sein. War sie eine Fremde? Ich fand sie so eigenartig! Ich machte wieder neue Erfahrungen. Wir gingen immer weiter. Bald würden wir durch die Pforten in die Stadt hineingehen. Doch ich versuchte noch einmal zu ihr zu sprechen und fragte: „Sind Sie von der Erde?“ Aber sie blieb taub und blind. Es dauerte ziemlich lange, bevor sie ihr Ziel erreicht hatte. Eine geraume Zeit gingen wir nebeneinanderher, nur es schien kein Ende an diesen Spaziergang zu kommen. Dieses Weitergehen fing jedoch an, mich zu langweilen. Wohin ging sie? Wir waren schon Stunden unterwegs. Hatte das etwas zu bedeuten? Je weiter wir kamen, desto dichter wurde die Stadt vor mir. Doch dieses Bild war ein anderes, als ich zunächst wahrgenommen hatte. Was bedeutete das nun wieder? Ich wollte die bewohnbare Welt sehen, und ich ging immer nur weiter, sodass an diesen Spaziergang kein Ende kam. Auch für sie nicht. Ich spürte, dass ich vor einem neuen Problem stand.
Ha, da fiel mir etwas ein, ich dachte nicht sauber. Ich dachte an alles und jedermann, aber nicht an die Erde, nicht an dasjenige, an das ich denken musste. Auf diese Weise schaffte ich es nie, denn meine Gedanken zerrannen. Ich war auf dem Weg und nicht auf dem Weg. Aber was war mit ihr? War sie kein Mensch der Erde, kein stoffliches Wesen? Ich sah nochmals zu ihr und erschrak. Auf ihrem Gesicht lag tiefe Trauer. Ihre Augen waren leer und trotzdem sahen sie, denn sie ging weiter, immer weiter, doch sie lief mit ihrem Haupt zur Erde gebeugt und war tief in Gedanken versunken. Sahen diese Augen oder war sie eine Schlafwandlerin? Ich befand mich in einer sehr merkwürdigen Situation. Mir schien es, dass sie durch die Erde hindurchsah. War ich wohl mit der Erde in Verbindung? Ich fing an, an mir selbst zu zweifeln. Wer war sie, und was für ein Mensch war sie? Ein Geist, ein Problem? Plötzlich glaubte ich dieses Rätsel zu spüren. Ich versuchte, ihr in ihrem Gedankengang zu folgen und tatsächlich, ich spürte es deutlich: Sie war auf Erden gestorben, denn in mich kam der Tod. Nun verstand ich dieses Wunder. Sie war eine Selbstmörderin und lebte in der Stille. Ich war einer Selbstmörderin begegnet. Weil ich mich nicht genügend eingestellt hatte, erlebte ich es verkehrt. Nun stellte ich mich auf die Erde ein, und sofort verdichtete sich diese Welt, sodass ich die Erde vor mir sah. Als ich mich wieder auf sie einstellte, aber dennoch mit der Erde in Verbindung blieb, sah ich, dass sie in einen Schleier gehüllt war. Für mich war sie nun ein Schemen, wie ich die Dämonen in meinem Kerker wahrgenommen hatte. Dieses Geschehen war wunderlich. Ein Mensch, der dem Leben ein Ende gemacht hatte, eine Frau! „Ach, dir ist nicht zu helfen“ – denn nun verstand ich ihre ganze Situation. Sie könnte Jahre weitergehen, und es käme trotzdem kein Ende. Ich hoffte nur, dass sie auf Erden keine hundert Jahre alt werden sollte, sonst wäre ihr Leid unabsehbar. Auch ich war auf diese Weise weitergewandelt, also kannte ich ihr Leiden. Sie musste erfahren, denn hierin lebte sie ihr irdisches Leben zu Ende. Nein, sie konnte mich weder hören noch sehen. Doch einst würde diese Welt, in der ich mich nunmehr befand, sichtbar werden. Wie traurig es auch für mich war, ich fand diese Welt dennoch wunderbar. Der Mensch, der Schluss machte, verschloss sich vor allem, was im Universum lebte. Sie lebte nun in einem leeren Raum, wie ich. Nichts, nichts war da, nur sie und ihre Gedanken. Sie dachte und wandelte immer nur weiter, in ein Jahr hinein, aus dem anderen wieder heraus. Doch es kam ein Ende! In ihr sah ich mein eigenes Leid und all mein Elend abermals an mir vorüberziehen. Erst jetzt, da ich dies wahrnahm, verstand ich deutlich mein eigenes Leben. Wie großartig war es! Alles, was ich bis jetzt erfahren hatte, war großartig und wunderbar.
Sie hatte Gift gewählt und ich den Strick. Als ich daran dachte, fühlte ich, dass wieder ein stechender Schmerz in mich kam. Indem ich daran dachte, kamen jene Schmerzen in mich zurück, und wenn ich wiederum an andere Dinge dachte, ging es wieder vorüber. Dieses Fühlen war immer wieder merkwürdig, aber ich würde auf diese Weise weitermachen. Ich hatte aus dieser Situation gelernt, mich auf verschiedene Weisen zu verbinden. Was mich interessierte, fühlte ich. Die wunderlichsten Dinge kamen in mich. Ihr Leben kam in mich, sobald ich an sie denken wollte. Deutlich ging ich allem nach, denn durch dies alles musste ich lernen. Was ich erlebte, war traurig, aber daran war nun einmal nichts zu ändern.
Dort wandelte Leid und tiefes Elend, ein menschliches Wrack! Sie war tot und dennoch lebte sie. Doch auch in ihrem Leben war sie sich allem unbewusst, was um sie herum war. Sie war blind und taub, allein und verlassen, sie war nichts. Ich setzte mich nieder und sah nach wie vor zu ihr. Sie ging immer weiter. Dort lief ein menschliches Problem, das allein ich kannte, und das nichts als Kummer bedeutete. Ich konnte nicht in Worten ausdrücken, wie ich sie sah. Sie wandelte in der Stille ihres eigenen Grabes, sie war durch nichts aufzuhalten. Auch sie wusste, was der Verwesungsprozess bedeutete. Sie hatte erlebt, dass ihr mütterlicher und göttlicher Körper verweste.
Oh, Mensch, wie bist du dazu gekommen? Durch die Liebe? Hat man dein Herz gebrochen? Hat das Leben auf Erden dich vernichtet? Es konnte dort so schön sein, doch ein Mensch zerstörte das Leben des anderen. Ich hatte getötet, aber man hatte mich dazu gezwungen. Mein Liebstes wurde besudelt. Wer hätte sich beherrschen können? Und doch, nun wusste ich es, ich hätte es tun müssen. Ich hätte mich nicht gehen lassen dürfen. Roni war tot, und ich kam in all dieses Elend. Doch es war besser, nicht mehr daran zu denken, es war vorbei, und ich hatte meinen Kampf geführt. Auch die arme Frau war dabei, ihre Sünden zu büßen. Aber danach, wo würde sie eingehen? Geriet sie noch tiefer in die Finsternis? Auch das begriff ich nun: Wenn sie das alles abgelegt hatte, kam sie zunächst in ihre direkte Abstimmung. Sie würde in einen Himmel oder in eine Hölle kommen. Dann erst begann für sie dieses Leben, dann ging sie in dieses und das wirkliche Leben über. Es funktionierte erstaunlich gut. Diese Gesetze waren die Gesetze Gottes, daran konnte man nichts ändern.
Sieh, wie sie dort geht, die Arme! Ich sah sie immer wieder, aber wenn ich an andere Dinge dachte, war sie unsichtbar für mich. Trotzdem war sie da, sie ging weiter, immer weiter, obwohl jene Hölle dann unsichtbar für mich war. So gab es womöglich unzählige unsichtbare Höllen, und die wollte ich später kennen lernen. Es war die Mühe wert, alles über dieses Leben zu wissen, wie dies alles geregelt wurde und wie die Menschen waren, die darin lebten, und was sie getan hatten, um da hineinzugeraten. Ich begriff wohl, dass sie alle Sünder waren. Hoch abgestimmte Wesen lebten im Himmel. Dieser war weit weg von mir. Gab es genauso viele Himmel wie Höllen? Das alles würde ich einst erfahren. Wie fantastisch war es, kaum zu glauben! Und doch, jetzt, da ich dies alles sah, musste ich es wohl annehmen. Sie trug ihre irdische Kleidung, aber wie konnte das sein? Sie lebte doch in der Ewigkeit? Schon wieder ein neues Problem!
Nun sah ich auf mich selbst. Dass mir das nicht eher aufgefallen war! Auch ich trug mein Gewand wie auf Erden. Es hatte sich absolut nicht verändert. Wie war dies möglich? Welch ein Wunder! Ich war tot und trotzdem trug ich mein irdisches Gewand. Das gehörte zum irdischen Leben. Ich hatte keinen Augenblick daran gedacht. Aber auch das war mir klar, denn ich würde allein das erleben, woran ich dachte. Es gehörte aber trotzdem zur Erde. Ich war nicht nackt, trug Bekleidung, fühlte mich wie auf Erden, und dennoch war ich ein Geist. „Wunderbar ist dies alles“, so dachte ich, „wie mächtig ist Gott, dass er den Menschen mit allem versorgt“, und ich fing an, stets mehr Ehrfurcht vor dieser Allmacht zu empfinden. War auch das ein Gesetz?
Jetzt, da ich dies alles wusste und festgestellt hatte, durchströmte mich ein merkwürdiges Gefühl. Das waren Wunder, die man nur in diesem Leben erfahren konnte. Es war eine Frage der Konzentration, nichts anderes als Denken und Fühlen. Ich musste auf tausend Dinge achten. Wer sollte daran nun denken, denn wenn ich ihr nicht begegnet wäre, hätte ich niemals daran gedacht. Doch es war so natürlich, und gerade weil es so natürlich war, dachtest du nicht daran und fiel es nicht auf. Wie wunderlich war es: Wenn man hier wach wurde, trug man sein irdisches Gewand. Aber wie dies möglich war, begriff ich noch nicht. Ich saß da und bewunderte mich selbst und fand mich selber ein Problem. Wie viele Wunder und Probleme hatte ich schon erfahren, und trotzdem war ich erst so kurz hier. Bei jedem Schritt, den ich vorwärts ging, erfuhr ich ein anderes Wunder, sodass ich nicht aufhören konnte darüber nachzudenken. Nun konzentrierte ich mich wieder auf die Frau und sah sie auf der Stelle. Sie war weit von mir entfernt und dennoch sah ich sie deutlich vor mir. In jener Stille hatte auch ich jenes Gewand getragen. Doch ich hatte nicht darauf geachtet, und es war mir nicht aufgefallen. Daran musste ich in Zukunft denken, denn woran ich dachte, das sollte ich erleben, was ich zu sehen, anzutreffen, zu hören wünschte, geschah. Ich fühlte mich glücklich, denn nun war ich vorbereitet auf die Dinge, die ich noch erfahren würde. Von hier aus sah ich ihr verbissenes Gesicht, und ihr Weitergehen war furchtbar. Jetzt, wo ich mich noch stärker konzentrierte, spürte ich selbst ihre Gedanken. Indem ich sie fühlte, denn so funktionierte das, verstand ich sie gänzlich. Erst fühlen, und dann verarbeitete ich ihre Gefühle, die in Gedanken in mich kamen. Jene Gedanken waren die ihren, es war ihr Leben, und ich ging folglich in ein anderes Leben über. Auf Erden vollbrachte man das nicht. Dort sah man nur auf den Menschen, wie er war, also äußerlich, aber innerlich konnte man nicht in den Menschen übergehen. Hier, ich spürte dies sehr deutlich, gab es keine Geheimnisse mehr, und der Mensch konnte sich nicht verbergen. Ich sah und fühlte in ihrem Leben, und dieses Sehen und Fühlen war an sich schon ein Wunder. Auch begriff ich, dass der Mensch auf Erden sich selbst nicht kannte. Wie viele Geheimnisse gab es nicht im Menschen! Dafür musste man Gott schon dankbar sein. Der Mensch besaß viele Eigenschaften, doch die Eigenschaften, die ich nunmehr erfuhr, kannte man auf Erden nicht. Im Leben auf Erden war der Mensch ein großes Problem, so auch hier, aber in diesem Leben ging man in jene Probleme über, nein, man erfuhr sie. Der Mensch war ein Wunder und ein Problem!