Leid und Schmerz durch andere
„Komm, mein Sohn, wir gehen weiter, um dir andere Zustände deutlich zu machen. Ich will dich sehen lassen, wie viele durch das zu leiden haben, was ihnen durch andere auferlegt worden ist, aber gleichzeitig, wie schrecklich viele Übergänge sind. Ich werde dir jene zeigen, die zusehen müssen, dass ihre Lieben, mit denen sie auf Erden viele Jahre verbunden waren, in finstere Sphären gebracht werden und dich das bittere Leid verspüren lassen, das sie empfinden, da sie wissen was die Finsternis an dieser Seite bedeutet.“ Sie waren durch viele Straßen gegangen.
„Komm, mein Junge, in dieses Haus werden wir hineingehen.“
André sah ein großes Gebäude, das einem Krankenhaus glich. Er sah astrale Wesen, die ein- und ausgingen. Für den Menschen auf Erden waren sie unsichtbar. Still war es in diesem Gebäude. Es war die Macht des Todes, die hier das Zepter schwang. Ein Haus des Leidens, nichts als Elend. Es ließ ihn frösteln. Ein Schauder durchlief ihn, jetzt, da er den Palast des Todes betrat. Er ging seinem geistigen Leiter hinterher, der einem festen Weg folgte. Immer weiter ging er. Sie waren durch verschiedene Korridore gegangen. Auch hier sah er viele Geister an sich vorübergehen. Sahen sie ihn nicht? Niemand gönnte ihm einen Blick. „Merkwürdig“, dachte er, „ich bin doch an dieser Seite“. Sogleich vernahm er eine deutliche doch sanfte Stimme, die sagte: „Aber in einem anderen Zustand“, woraus er schloss, dass er mit Alcar verbunden war. Auf der Stelle begriff er den Sinn von dem, was er wahrnahm. Ihm war klar, dass er sich in Alcars Abstimmung befand, und dass sie ihn deshalb nicht sahen.
Vor einem Zimmer blieb Alcar stehen. Sollten sie dort eintreten? Ja, hier sollte er andere Zustände erleben.
Es war ein großer Saal, in dem mehrere Betten standen. Überall lagen arme, kranke Menschenkinder.
Alcar erwartete ihn. Dort vor sich sah er einen kranken jungen Mann. Neben dem Bett gewahrte er den astralen Menschen, den unsichtbaren Helfer, der aus den Sphären herabgestiegen war, um dem Kranken zu helfen. Liebe, nichts als Liebe. André sah, dass der Geist lange streichende Bewegungen über dem Stoffkleid machte. magnetische Streichbewegungen Seine Lebenskräfte strömten in den Stoffmenschen – geistige Ausstrahlung, Kraft der Liebe, dem Menschen auf Erden gegeben. Es war ein mächtiges Bild für ihn. Könnten die Leute das nur sehen. Dann wären sie überzeugt, dass Liebesbande ewig sind.
Es war ein männlicher Geist, und derjenige, der krank war, konnte sein Kind sein, da er eine gewisse Ähnlichkeit feststellte.
„Auf Erden weiß man wenig über diese Zustände, André. Auch die Kräfte derer, die an dieser Seite leben, kennen sie nicht; ich meine damit die Wissenschaft. Doch es zeigt dir deutlich, wie wir von unserer Seite aus auf den Stoffmenschen einwirken können, ihm helfen können.“
„Geht dieser Junge hinüber, Alcar?“
„Nein, es ist noch nicht seine Zeit. Er wird leben, er wird hierdurch genesen.“
Der Geist legte seine strahlenden Hände auf das Haupt des Kranken. Er gab dem Jungen all seine Kräfte der Liebe. Es war großartig, um das als Mensch erleben zu dürfen. Es war die Liebe eines Vaters zu seinem Kind. Oh, wie schön war das. Wie mächtig war Liebe. Sie wähnten ihn tot, doch der Tote rettete das Leben seines Kindes. Der Tod nährte das Leben. Wie wenig wusste man hiervon auf Erden. Beim Anblick von all dem Schönen flossen André die Tränen über die Wangen. Im Stillen half der Mensch, der hinter dem Schleier lebte. In seinem Zustand lag nichts als Ruhe, Glück und Liebe. Niemand hörte oder sah ihn. Für den Menschen lebte er nicht mehr.
Hier sah er das große Wunder, das ewige Fortleben nach dem Tode.
Mensch, nimm es an! Oh, wie heilig war diese Wissenschaft, wie groß die Macht Gottes, dem Menschen im Leben nach dem Tode gegeben.
Alcar stand ein paar Betten weiter und wartete auf ihn. Was sollte er dort wieder sehen? Er stand vor dem Krankenbett eines alten Mannes. Es war ein Schwerkranker. Neben dem Bett sah er eine junge Frau, die ein prächtiges Licht ausstrahlte, das ihre Umgebung erleuchtete. Sie hielt ihren Blick fest auf den Kranken gerichtet, der in Tiefschlaf versunken dalag. Lange würde er nicht mehr leben, sein Todeskampf hatte bereits seinen Anfang genommen. Für den irdischen Menschen war nichts zu sehen. Doch André spürte seinen heftigen Kampf mit dem Tode, dem Tod, der Leben bedeutete. Ein Kampf, der nicht nötig war, dem er sich jedoch nicht entziehen konnte. Er spürte und wusste nichts von einem ewigen Fortleben. Und in seinem Kampf, dem Kampf zwischen Leben und Tod, stieg sie aus ihrer hohen Sphäre nieder, um ihm beizustehen. Abermals sah er, wie groß Liebe war. Bande der Liebe waren nicht zu vernichten.
Das war heilige Sphärenliebe, so rein wie sie diese empfand, wie sie strahlte, wie sie selbst war, wie das Leben selbst sein konnte.
„Ist sie sein Kind, Alcar?“
„Nein, seine Mutter.“
„Was sagst du?“
„Seine Mutter, André. Sie ist ein Geist des Lichtes. Jung und schön, während ihr Kind alt ist, körperlich alt, und geistig alt.“
André verstand. Seine Mutter war jung und schön, er dagegen ein unglücklicher Geist, wenn er demnächst an dieser Seite sein sollte. Der Mann hatte sein Leben verpfuscht. André verstand nun das Leid und den Schmerz, der von anderen verursacht wurde. Sie, die Glückliche, litt, weil ihr Kind sich vergessen hatte. Welch ein Elend. Noch tiefer als er es soeben wahrgenommen hatte. Dort war das Leid anders als das, was sie besaß. Dort war es tragbar, hier war es unmenschlich. Die Mutter litt ihres Kindes wegen; sie litt, weil sie Mutter war. Er sollte bald in die finsteren Sphären gebracht werden. Sie musste ihn hergeben, sie konnte es nicht ändern. Es war seine Abstimmung. Er selbst hatte es gewollt.
Leid durch andere. Kannte man dieses Leid auf Erden? Nein, man kannte es nicht auf Erden. Eisig kalt war es, Finsternis und Armut; es war schrecklich. Es war ihr Kind und es sollte ihr Kind bleiben, auch im Leben nach dem Tode. Deshalb litt sie. Sein Leid, seine Schmerzen, die er demnächst erst spüren sollte, die so völlig anders waren als alle stofflichen Schmerzen – das spürte sie. Bereits jetzt, da sein Ende noch kommen musste. Sie wusste, was es bedeutete, um in die finsteren Sphären hinabsteigen zu müssen. Sie kehren für viele Jahre nicht zurück.
Sein Schmerz sollte unbeschreiblich sein. Welch traurige Wahrheit sah er hier. Sie war gekommen, um von ihrem Kind Abschied zu nehmen. Dafür kam sie zur Erde. Oh, er spürte es, als wenn es ihm von Alcar erzählt würde. So war das Leben im Geiste. Daran war nichts zu ändern.
„Ist dir alles klar, mein Sohn? So könnte ich dir Tausende von Zuständen zeigen. Sie war schon vor Monaten bei ihrem Kind, um es zu versorgen, und nun ist der Augenblick gekommen, da sie ihn für lange Zeit hergeben muss. Sieh dort, André, ein junges Mädchen am Krankenbett seiner Mutter. Neben ihr, ihr Vater. Beide sind gekommen, um sie zu holen. Bald werden sie auf ewig zusammen sein. Allesamt glücklich, da sie eine Mutter war, die allen, die zu ihr kamen, viel Liebe entgegengebracht hat. Sie hat Besitz im Geiste. Sie sind glücklich, mein Sohn!“
„Können sie uns nicht sehen, Alcar?“
„Nein, unmöglich. Wir befinden uns in einer anderen Abstimmung. Ich werde mich jedoch mit ihr verbinden.“
André verstand erst jetzt so richtig, wie schlicht sein geistiger Leiter war. Unmittelbar, nachdem Alcar sich mit ihr verbunden hatte, kam sie auf ihn zu und fragte ihn: „Wird es noch lange dauern, Bruder?“
André schloss daraus, dass Alcar eine höhere Abstimmung besaß als sie, und er hörte seinen geistigen Leiter sagen: „Nein, bald werdet ihr zusammen sein.“
Mit ihren strahlenden Augen, in denen Liebe, nichts als Glück lag, sah sie Alcar an. In jenem Blick lag das ewige Verständnis – was die Liebe war, die beide empfanden. Alle waren Geisteskinder. Menschen die mit einem Blick verstanden, mit einem Blick, in dem alles lag. Sphären waren eins, wo sie auch lebten. Wer Liebe empfand, begriff diese stille Kraft.
Mehr wurde nicht gesprochen. Alcar kehrte zu ihm zurück und fragte: „Ist dir alles klar?“
„Nein, ich verstehe nicht, warum sie nicht weiß, wann ihre Mutter herüberkommt. Sie ist doch glücklich, Alcar?“
„Sehr gut bemerkt, mache weiter so. Ich will es dir erklären: Auch sie, mein Sohn, kann den Augenblick nicht herausfühlen, an dem sich die Trennung von Geist und Stoff vollziehen wird. Sie fühlt, dass sie bald hinübergehen wird; doch dies zu bestimmen, vermögen allein jene, welche die erste geistige Sphäre besitzen und in jener Abstimmung leben. die vierte Lichtsphäre Sie sind glücklich, schön und jung, leben aber noch stets unterhalb der ersten glücklichen Sphäre ) welche ich dir auf dieser Reise zeigen werde. Wenn ihr Ende naht, wird es der geistige Helfer an dieser Seite mitteilen. Ich habe es dir beim Hinübergehen von Tante erklärt. Es ist an ihrer Ausstrahlung wahrzunehmen. Daran erkennt man an dieser Seite, ob der Mensch bald hinübergehen wird. All diese Zustände sind geistige Gesetze. Ein Gesetz hört auf zu existieren, wenn wir uns die Kräfte angeeignet haben, die die Abstimmung in eine höhere Sphäre bedeuten. Wir können also erst dann die psychischen Kräfte herausfühlen, wenn wir die Empfindlichkeit dazu besitzen. Von der ersten Sphäre an können sie sich verbinden und verschiedene Übergänge gefühlsmäßig erfassen. Bei Tantes Übergang konnte ich es ausrechnen, und auch hier ist es möglich. Doch das ist nicht meine Aufgabe; an dieser Seite hat jeder glückliche Geist seine eigene Aufgabe. Beide leben in der dritten Sphäre. Du bist dort bereits gewesen. Auf dieser Reise werde ich dir über all diese Abstimmungen mehr erzählen. Wenn wir dort sind, wirst du all diese Gefühlszustände besser verstehen.
Die erste geistige Sphäre ist jener Zustand, wo der Mensch allen Stoff abgelegt hat. Erst dort fühlt man Übergänge heraus; weil sie diese Weisheit besitzen und Abstimmung darauf haben. Es ist also Besitz. Nichts als Liebe im Geiste. Alle Wesen, die unterhalb dieser Abstimmung leben, sind von der ersten Daseinssphäre im Geiste an glücklich. Derjenige also, der die erste glückliche Sphäre erreicht hat, weiß und spürt wann das Ende naht, weil er im Geiste hinübergegangen ist. An dieser Seite das geistige Leben zu besitzen, bedeutet das Ablegen allen Stoffes. Also, frei von allem, um nach eigenen Einsichten und Kräften handeln zu können. Hierfür ist ein Arzt erforderlich, ein höher abgestimmtes Wesen.
Ist dir nun alles klar?“
„Ja, Alcar, vollkommen.“
„Ausgezeichnet, mein Sohn, dann gehen wir weiter und werden einen anderen Saal aufsuchen.“
Sie betraten ein kleines Kämmerchen. André sah eine alte, magere Frau, die einsam dalag und auf ihr Ende wartete.
„Wo sich der Mensch auch befindet, André, da ist geistige Hilfe. Da sind geistige Wesen, um ihren Lieben zu helfen, was dir klar wird, indem ich dich all diese Zustände erleben lasse. Es gibt keinen Kranken um den keine geistigen Wesen herum sind, die seine Schmerzen lindern. Es sind mehr Wesen von unserer Seite auf Erden, als stoffliche Wesen. Wo sich die Menschen zurückziehen, da ziehen sich geistige Wesen, auf die sie sich abgestimmt haben, mit ihnen zurück. Wo sich der Mensch befindet, sind geistige Wesen, was ich dir nach dieser auf anderen Reisen zeigen werde, wenn wir das Leben an dieser Seite erleben werden. Es erwartet dich also noch viel mehr; alles wird Weisheit im Geiste bedeuten.
Nun möchte ich, dass du deine Konzentration auf mich gerichtet hältst, weil ich dir einige andere Zustände deutlich machen will, die dir noch unbekannt sind.
Sieh dort, André.“
André blickte auf die Stelle, auf die sein geistiger Leiter wies, und sah zwei leuchtende Geister, die neben dem Bett des Kranken standen.
„Nun siehe dort, mein Sohn.“ André erschrak gewaltig. Er gewahrte einen alten, in einen finsteren Schleier gehüllten Geist. Er hörte ihn jammern und schreien, was er, ehe Alcar ihn darauf aufmerksam machte, nicht vernommen hatte. Wüst war das Wesen. Es war schrecklich für ihn, dass er dies ansehen musste.
„Was bedeutet das alles, Alcar? Es greift die anderen Wesen an. Müssen sie nicht beschützt werden?“
„Nein, sie fühlen ihn weder, noch hören sie ihn. Ich will dir alles erklären: Wir stehen hier am Krankenbett ihrer Mutter. Die beiden Wesen sind schon lange hier drüben und kommen nunmehr, um ihre Mutter zu holen. Der Vater, der in einer finsteren Sphäre lebt, ist hierher gebracht worden, um ihn von seinem irdischen Leben zu überzeugen.“
„Es sind also verschiedene geistige Abstimmungen im Geiste.“
„Ich will dir den Zustand des Vaters gleich verdeutlichen:
Er ruft sie und flucht, doch sie hören ihn nicht, was bedeutet, dass sie in einer höheren Abstimmung leben. Sie wissen nichts von ihm, da sie noch Kinder im Geiste sind und man es vor ihnen verborgen hält. Nun sind sie mit ihrer Mutter verbunden und ist ihre Konzentration auf sie eingestellt, wodurch sie keine anderen Zustände aufnehmen werden. Sie würden sich also mit ihrem Vater verbinden können, doch sie sind zu zart für seine grausamen Kräfte. Sie werden einander erst dann wieder sehen, wenn er eine geistige Sphäre betritt. In diesem Zustand liegen also drei verschiedene Abstimmungen. Es sind die der Mutter, die ihrer Kinder und die des Vaters. Und in allen Abstimmungen liegen wiederum Zwischenzustände, die ich dir später erklären werde. Der Vater ist hierher gebracht worden, um den Übergang seiner Frau mitzumachen, wodurch man erreichen wird, dass er ein anderes Leben beginnen wird. Indem er diesen Zustand erlebt, wird er sich entwickeln, weil das Verlangen in ihm wach geworden ist, da er weiß, dass auch sie sich an dieser Seite befindet.
Ist dir das verständlich?
Der Vater ist von glücklichen Geistern hierher gebracht worden, die sich für diese Aufgabe qualifizierten. Sie lassen es ihn so erleben, wie ich dir verschiedene Zustände klargemacht habe, indem ich sie dir auf visionärer Abstimmung zeigte. Deshalb konntest du auch das Leben in der Mine wahrnehmen.
Beim Anblick seiner Geliebten will er sich verbinden, was ihm jedoch nicht möglich ist. Du hörtest, wie weit er noch von dieser Höhe entfernt ist.
Spürst du die große Bedeutung all dessen, mein Sohn? Die Mutter wird bei ihren Kindern sein und mit ihnen in einer Sphäre leben, denn auch sie besitzt Abstimmung im Geiste.
Nun sieh dorthin, André.“
„Wer sind diejenigen, Alcar?" Er sah zwei Geister, in ein geistiges Gewand gehüllt.
„Sie brachten ihn hierher. Geistige Helfer an dieser Seite.“ Sie sahen ihn liebevoll an, als begriffen sie, warum er hier zugegen war.
„Geister der Liebe, André, die in der Sphäre der Erde eine Aufgabe vollbringen. Sie werden anderen die Augen öffnen und sie lehren, wie höheres Glück zu erlangen ist.“
„Wissen sie, was ich hier mache, Alcar?“
„Auch das wissen sie, weil sie deine Ausstrahlung sehen und dadurch alles feststellen können. Dann noch Folgendes: Diese Geister sind aus der vierten Sphäre, wo nichts als Licht und Glück ihr Besitz ist. Um jedoch in der Sphäre der Erde zu wirken, werden sie sich mit jenem Zustand verbinden, was bedeutet, dass sie in jenes Leben übergehen. Es sind Geister der Liebe, wenn sie auch raue Gewänder tragen. Wie sollte sich ein Engel des Lichtes in der Finsternis sehen lassen können? Das ist doch nicht möglich? An dieser Seite bedeutet Verbindung, dass man in einen anderen Zustand übergeht. Auch das alles wird dir auf dieser Reise klar werden. Geister des Lichtes tragen ihre Kraft innerlich, sie tragen und sind dem Orden der Wahrheit verbunden. All diese Zustände sehen wir täglich, André, weil in jeder Sekunde Tausende hinübergehen. Und alles ist und bedeutet Leid, durch andere verursacht.
Weiter, mein Sohn, ich habe dir noch andere Zustände zu zeigen.“
Sie gingen durch viele Säle.
„Nun werde ich dich eine Wahrheit erleben lassen, die wir alle kennen.
Komm, wir gehen hier hinein.
Dort liegt ein junges Leben, das zu früh in diese Welt geschickt wird. Man hat sie operiert, was auf Erden einfach ist, im Geiste jedoch eine andere Bedeutung hat, die allein wir kennen. Die Operation ist misslungen, andere warten.“
Viele Menschen der Erde standen um das Bettchen herum und weinten. Ein junges Leben sollte hinübergehen und alle waren tief betrübt.
„Wir gehen weiter, mein Sohn, die Bedeutung dieses vorzeitigen Überganges finden wir nicht hier und wir werden sie aufsuchen. Als ich auf Erden meinen Rundgang machte, habe ich Hunderte dieser Übergänge geschehen sehen. Und all diese Vorfälle betreffen diejenigen, die mit dem Messer hantieren. Doch auch darin gibt es Dinge, die auf den wahren Schuldigen weisen.“
„Wo befinden wir uns hier, Alcar?“
„Im Direktionszimmer eines Krankenhauses. Sieh dort, ein Instrument in unseren Händen. Auch er ist Medium und wird von uns geführt und unterstützt. Er hat sein Können unserer Hilfe zu verdanken. Seine Ehre und sein Ruhm ist des Geistes. Was er lernte war lediglich Stoff, sein Gefühl ist jedoch durch diejenigen abgestimmt worden, die durch ihn der Menschheit dienen. Er hantierte das Messer unfehlbar, bis dass ein anderer Faktor seine Unfehlbarkeit vernichtete.“
André sah zwei Männer beieinander. Einer von ihnen, der ältere, saß mit seinen Händen unter dem Kopf vornübergebeugt da. Der andere ging auf und ab und war in überspanntem Zustand.
„Er, der dort auf und ab geht, ist sein Sohn, und er wird seinem Vater in seinem Können nicht gleichkommen, wenn er auch tausend Jahre alt wird. Er ist durch uns nicht zu erreichen; trotzdem muss und wird er seines Vaters Nachfolge antreten – der Vater will es. Und dieser junge Arzt soll die Kunst erlernen, die sein Vater so außergewöhnlich gut versteht; doch dadurch gehen Dutzende hinüber, sie werden vorzeitig in diese Welt geschickt. Durch den Willen seines Vaters schickte er das junge Leben hierhin. Er musste und sollte das Messer hantieren, auf dass später, wenn der Vater hinübergehen wird, sein Werk von seinem Sohn fortgeführt werden kann. Seine Rechnung ging nicht auf, weil man für dieses Werk Gefühl besitzen muss. Das ist das Erfühlen, was nicht zu erlernen ist. Der Vater sieht zu, wie ein junges Leben vernichtet wird. Er ist davon überzeugt, dass alles anders gewesen wäre, wenn er das Messer geführt hätte. Dennoch geschah es, da Eitelkeit und Wahn ihm einen Streich spielten. Er ist Schuld an diesem vorzeitigen Übergang und er wird es gutmachen müssen. Er bringt Leid und Schmerz über andere, was nicht nötig gewesen wäre, weil er in diesem Fall ein Medium in unseren Händen ist. Höre, sie reden.“
André sah, dass der junge Arzt auf seinen Vater zutrat und er hörte ihn sagen: „Komm Vater, nimm es dir nicht so zu Herzen, wir haben doch unser Bestes getan.“
„Nein“, sagte er, „ich hätte es selbst tun müssen. Ich hätte auf mein inneres Gefühl hören müssen und es nicht zulassen dürfen. Du lernst es nie, niemals!“
Hierin lagen die Beweise seines Fehlers, die unumstößlich zeigten, dass das Kind nicht hätte sterben müssen. „Ich werde wahnsinnig“, hörte André ihn sagen, „das Kind stirbt. Daran ist nichts mehr zu machen. Du taugst nicht für deine Arbeit.“
„Reue, mein Junge, Gewissensbisse, nichts als Gram – was nicht nötig gewesen wäre. Doch wenn er sich nicht aus eigenem Willen von diesem Einfluss befreien kann, werden noch mehr hinübergeschickt werden. Auf diese Weise wird das Leben zerstört, wird anderen Leid und Schmerz zugefügt. Das ist nicht Gottes Wille. Gott hat es anders gewollt. So bringt der eine Leid über den anderen, um seiner Selbstliebe zu schmeicheln, um seinen Besitz zu mehren. Viele werden hinübergehen, aber dann ist alles anders. Dann ist es Gottes heilige Zeit, die Zeit des Hinübergehens. Während meines Rundgangs auf Erden habe ich, als unsichtbarer Mensch, viele solcher Schreckenszustände erlebt. Ich nahm wahr, dass man die Tiere vernichtete, auf dass sie dem Menschen dienen sollten. Ein Leben wird umgebracht, um ein anderes Leben zu heilen.
Ich könnte Tausende von Grauen aufzählen, die noch schlimmer als diese sind.
So wird ein Leben zerstört, um das andere erhalten zu können. Ich habe gesehen, wie sich widerliche Szenen abspielten.
In einem Labor sah ich, dass ein Hund auf einem Tisch festgebunden wurde. Man hatte das Tier einige Tage hungern lassen, um es anschließend zu foltern. Ich sah, dass sie dem Tier in den Hals schnitten, um die Magensäfte auffangen zu können.
Man ging wie folgt zu Werke: Dem Tier, das ausgehungert war, hielt man ein Stück Fleisch vor, wodurch eine gewaltige Wirkung im Magen entstand. Die Magensäfte, von der armen Kreatur ausgespien, wurden aufgefangen, und davon stellten sie Seren her, um den Menschen heilen zu können. Zwar wurde es örtlich betäubt, doch das Tier war sich allem bewusst.
Siehst du, die Wissenschaft der Erde, des Menschen mit einem göttlichen Gefühl! Wehe denen, die sich dafür hergeben. Tierische Säfte sollten dazu dienen, das Leben der Menschen zu verlängern! Wie kann sich der Mensch so vergessen! Eine schauerliche Wissenschaft. Sie spüren nicht den Dreck, in dem sie sich wälzen!
Ich sah auch andere Zustände, die mich glücklich stimmten. Eines unserer Instrumente musste eine schwere Operation durchführen. Mit vielen anderen folgte ich ihm an dieser Seite. Er sorgte sich um das junge Leben, ob es sterben oder am Leben bleiben würde. Er hatte alles in der Hand, wie er glaubte. Er verlor sein Selbstvertrauen und kehrte heimwärts. Am nächsten Tag sollte die Operation stattfinden. Er war von einem Fortleben überzeugt und war sich seiner Gabe bewusst. In ihm lag doch noch jene Kraft, die ihm vieles Leid ersparte.
Mitten in der Nacht kniete er nieder und flehte zu Gott, dass er ihm helfen möge, sein Selbstvertrauen zu erhalten. Lange betete er. Und ihm wurde geholfen, von denen, die an dieser Seite leben.
Das Bild wurde ihm während des Betens durchgegeben; und er sah, dass die Operation gelang. Deutlich sah er, was er tun musste, um dies zu erreichen. Er fiel in Schlaf, und er erwachte frisch und gut gelaunt und blieb mit seiner Vision verbunden. Ihm wurde von Geistern der Liebe zur Seite gestanden, die über ihn wachten – das waren seine Lieben. Man betete noch lange mit ihm, um Gott um Kraft für ihn zu bitten. Die Operation gelang vollkommen. Er spürte Gottes heilige Macht und nahm seine Aufgabe demütig an. Durch diejenigen, die an dieser Seite auf ihn einwirkten, war er auf Erden berühmt. Wie weit ist der andere Arzt von ihm entfernt und dennoch schmückt man ihn mit Ehrenzeichen und wird er zum Ehrenbürger erklärt. Einst wird man ihm zeigen, was in seinem Leben auf Erden richtig und falsch war. Viele, die heiliges Werk verrichten, werden Kämpfer für den Menschen mit all seinen Bedürfnissen sein. An dieser Seite erwartet man diejenigen, die zu früh hierher geschickt werden. All das ist Leid und Schmerz durch andere.
Und nun werden wir die Erde verlassen, um die finsteren Sphären aufzusuchen.“