KAPITEL 6.
Himmel und Hölle (Austritt)

André erhielt von seinem geistigen Leiter die Nachricht, dass er austreten dürfe, um mit ihm zusammen in den Sphären zu sein. Er hatte schon lange auf diese Mitteilung gewartet. 

Auf seiner letzten Reise ins Sommerland hatte Alcar ihm versprochen, dass, wenn seine Gabe weit genug entwickelt sein würde, er mit ihm die finsteren Sphären besuchen würde. Nun war es so weit. 

Er war außerordentlich erfreut, denn er fand es herrlich, dass er mit seinem geistigen Leiter zusammen sein konnte. Alcar würde ihm viele Zustände erklären, wodurch er viel über das Leben im Jenseits kennen lernen sollte. Auch würde er ihm zeigen, wie die höheren Geister die Unglücklichen davon zu überzeugen trachten, in welch beklagenswertem Zustand sie leben, wovon sie sich selbst leider nicht bewusst sind. Gleichzeitig würde Alcar ihm noch zeigen, dass ein Hochkommen möglich ist. 

Deshalb war er früh auf sein Zimmer gegangen und harrte der Dinge, die kommen sollten. Er hatte sich ruhig niedergelegt und spürte bald, wie auf ihn eingewirkt wurde, und dass der Austritt einen Anfang nahm. 

Hörte er schon etwas? War das Alcars Stimme? Aufmerksam lauschte er. „André!" Sanft wurde sein Name ausgesprochen und er erkannte die liebevolle Stimme seines geistigen Leiters. 

André wusste nun, dass der große Prozess seinen Anfang nahm. Er war sich allem bewusst, was um ihn herum geschah. Deutlich sah er, dass in seinem Zimmer ein blauer Schleier hing, der immer dichter und dichter wurde. Er schwebte über sein Haupt und blieb dort hängen. 

In seinen Füßen spürte er etwas Eigenartiges, wodurch er begriff, dass Alcar ihn von seinem Stoffkörper befreite. Zunächst war es prickelnd und dann bekam er das Gefühl, als würde etwas aus seinem Körper genommen. Langsam spürte er, dass in ihm etwas aufkam und sich hochzog; dann begann sein Herz heftiger zu klopfen und wurde der Blutkreislauf schneller. Es war nun so ganz anders als bei seinem letzten Austritt. Als sich sein Geisteskörper bis an die Knie hochgeschoben hatte, sank er in einen bewusstlosen Zustand und wusste nicht mehr, was mit ihm geschah. Er erwachte neben seinem Stoffkörper. 

„Sollte Alcar mir nun alles erklären und es mich bewusst erleben lassen?“, fragte er sich. 

Wenn das möglich war, würde es für ihn Weisheit im Geiste bedeuten. 

Was wusste man eigentlich von denen, welche die Erde verließen? Was empfanden sie, wenn sie hinübergingen? Es wäre doch herrlich, wenn man das wissen dürfte. 

Wenn der Mensch davon überzeugt wäre, dass sterben den Gang in ein besseres, schöneres Land bedeutet, dann würde er leichter scheiden können. 

Wie furchtbar schwer machten sich viele das Hinübergehen. Oft stand er an einem Sterbebett und sah einen Menschen leiden, dass ihm das Herz wehtat. Wenn er das Loskommen des Geisteskörpers bewusst erleben durfte, würde es für viele eine Stütze sein können und würden sie sich denen, die kamen, um sie zu holen, ruhig übergeben können. Dann gäbe es keine Todesangst mehr, weil er den Menschen sagen könnte, dass das Sterben nichts anderes ist als das Ablegen des Stoffkleides, das ihnen all die Jahre gedient hat. 

Er spürte bereits, wie beruhigend das für viele Menschen sein würde, denn welch ein Schrecknis war oft ein Übergang in jene Welt. Manchmal schwebten sie tagelang zwischen zwei Welten. Sie konnten sich nicht lösen, weil sie von nichts wussten. Er würde es herrlich finden, ihnen die Wahrheit mitzuteilen. 

Nun hörte er Alcar, der ihn bat, zuzuhören. 

„Deine völlige Konzentration wird verlangt, André“, wurde ihm gesagt. „Hör gut zu und vergiss nichts von dem, was du nunmehr erleben wirst. Wenn du alles, was du erfahren wirst, demnächst den Leuten mitteilst, wird es vielen leichter fallen, das irdische Leben zu verlassen. Ich will, dass du alle Gefühlszustände und Übergänge, auch diesen Austritt, bewusst erleben und mitmachen wirst.“ 

Andrés Herz klopfte immer schneller. Auch spürte er, dass sich sein Geisteskörper immer mehr hochzog, wodurch er sein pochendes Herz wie aus weiter Entfernung hörte. Es war ein fremdes und höchst merkwürdiges Gefühl für ihn. Sogleich vernahm er die Stimme von Alcar, der seine Gedanken darüber aufgefangen hatte. 

„Das kommt daher, mein Sohn, weil die Trennung von Geistes- und Stoffkörper seinen Anfang genommen hat. Solange der Mensch in seinem Stoffkleid lebt fühlt er an der Stelle, die wir das Lebenszentrum nennen: dem Sonnengeflecht. Nun hat der Geisteskörper diesen Punkt jedoch überschritten. Das schneller klopfende Herz, wie aus weiter Entfernung hörbar, ist die Folge dessen, weil der Geisteskörper das bewusst wachende Lebenszentrum überschritten hat. Und von diesem Augenblick an geht die Gefühlskraft in den Geist über. Ist dir das verständlich?“ 

André begriff alles, da er fühlte, hörte und sah. Alcar fuhr fort: „Allein diejenigen, welche die erforderliche Sensitivität dazu besitzen, können auf diese Weise austreten. Dann ist noch Abstimmung auf die geistigen Zustände erforderlich. All das wird den Austritt erleichtern und beschleunigen.“ 

Abermals spürte André, dass er in die Höhe ging. Alcar fuhr fort: „Nun sind wir auf der Höhe angekommen, da wir aus dem Stofflichen ins Geistige eintreten können; du wirst allerdings noch kurz in diesem Zustand verbleiben, weil ich dir das eine oder andere erklären will. Du wirst bemerkt haben, dass das Gefühl das Wesentliche im Menschen als Wesen ist. Das Gefühl ist Leben und das Leben ist Liebe, wodurch der Mensch mit Gott eins sein kann und dadurch göttlich ist. Von diesem Augenblick an, mein Sohn, sieh dich um, geht dein Gefühl in den Geist über. Nun wirst du allein durch die Kraft und die Ausstrahlung der Liebe wahrnehmen können, weil Liebe an dieser Seite Licht bedeutet. Liebe ist also Gefühl; und demzufolge wird der Mensch Licht und Glück besitzen wie er innerlich empfindet und Abstimmung hat. Du schwebst nun zwischen zwei Welten; dein Geisteskörper ist noch mit dem Stoff verbunden, empfindet und lebt aber bereits im Geiste. Deshalb hörst du noch auf große Entfernung dein Herz schlagen, das seine Schläge wie ein Echo im Geiste widerhallen lässt. Dies ist ein mächtiges Geschehen, André, das nur wenige, die noch auf Erden sind, erleben. Trachte nun zu sehen, dann wirst du wahrnehmen, dass der Stoff in einen dichten Schleier gehüllt ist. Alles ist anders, als wenn du es in normalem Zustand siehst. Das kommt, weil deine Sinnesorgane zum Stoffleib gehören, was im Geiste aber kein Hindernis sein wird. An dieser Seite enthält das Gefühl alle Sinne! Das Gehör, das Sehvermögen, den Geruch, den Geschmack, kurzum: im Leben des Geistes ist alles eins, und jenes Eine ist das Gefühl. Der Gefühlskörper ist daher das Wesentliche. Ihn sollte der Mensch entwickeln, um in einen höheren Daseinszustand übergehen zu können. Nun ist aller Stoff in einen grauen Schleier gehüllt. Das wirst du am besten wahrnehmen können, wenn du die Wände, die Gemälde und alle andere Gegenstände betrachtest. Sie sind aus grober, geistiger Substanz, durch die du noch nicht hindurchblicken kannst, da dein Gefühl des Bewusstwerdens halb geistig, halb stofflich ist. Das Sichverändern allen Stoffes kommt also daher, weil du zwischen zwei Welten schwebst, wodurch sich der Stoff in einem halb bewussten Lebenszustand befindet und deine Wahrnehmungskraft für das Stoffliche geschwächt ist. Durch meine Konzentration und auch durch deine eigene Kraft und Abstimmung ist es mir gelungen, dich auf dieser Höhe zu halten. Nun werden wir den Punkt des Erwachens im Geiste überschreiten. Gib gut Acht, André, du kommst nun wieder in einen anderen Zustand.“ 

André bekam das Gefühl, dass sein Geisteskörper höher geschoben wurde, dass es aber gleichzeitig etwas gab, das jenes Höherschieben behinderte. Er spürte es deutlich und fand es äußerst merkwürdig. 

„Was du nun spürst, mein Sohn, ist die entgegenwirkende Kraft dieses Geschehens. Es ist die Anziehungskraft deines Stoffkörpers, was durch den Fluidumsfaden, der beide Körper verbindet, verursacht wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass dein Gefühl eher stofflich als geistig ist und außerdem ist da das Problem, dass du noch auf Erden lebst. Das sind Faktoren die dem entgegenwirken, dass man als irdischer Mensch diesen Übergangspunkt, also vom Stoff in den Geist, überschreiten kann. Der Fluidumsfaden besitzt jene Kraft in dem Maße, wie das Gefühl Abstimmung im Geiste findet. Wie der Mensch also empfindet, so geht er hinüber. Jedes Wesen hat seine eigene Abstimmung und deshalb werden auch alle Übergänge unterschiedlich sein. Ist dir das verständlich? Ohne meine Hilfe würdest du nicht bewusst austreten können, weil deine Kräfte dazu nicht ausreichend sind. Es würde also lediglich bei einem Gedankenaustritt bleiben. Darüber habe ich bereits mit dir gesprochen. Wir werden nunmehr in einen anderen Zustand übergehen. Darin wird dir klar werden, dass der Fluidumsfaden die entgegenwirkende Kraft bei diesem Geschehen ist. Ich werde meine Konzentration von dir abwenden, wodurch du in den vorherigen Zustand zurückkehren wirst. Gib gut Acht, André.“ 

André spürte, dass er in seinen vorigen Zustand zurückkehrte. Er hörte sein Herz deutlich klopfen und alle stofflichen Gegenstände wurden sichtbar für in. Zugleich konnte er seine geistigen Wahrnehmungen von den stofflichen unterscheiden. 

Wenn ihn jemals etwas überzeugen sollte, dass das Leben ewig ist, so war es das. Wenn ihm ein Bild das intellektuelle Denken nach dem Tode zeigte, so war es dieses Geschehen. Es war großartig. Jetzt erst spürte er, wie groß geistige Kräfte sind. 

„Nunmehr kehre ich zur Gefühlskraft des Wesens zurück, mein Sohn, was ich dir verdeutlichen wollte. Für diejenigen, die auf Erden hinübergehen, hören diese Kräfte auf zu bestehen, weil bei ihrem Übergang der Fluidumsfaden reißt. Alle werden diese Gefühlszustände überschreiten, sind sich aber von allem unbewusst. Für den einen wird es Kampf, für den anderen nichts als Liebe und Glück bedeuten. Alles vollzieht sich gemäß ihrer inneren Abstimmung. Begreifst du nun alles? Der Lebensfaden verbindet beide Körper und hält den Geist in Myriaden von Fäden umwickelt. Es ist ein zartes Fluidum, in dem der Geisteskörper lebt. Es ist allein für uns wahrnehmbar. Man kann es entwickeln, indem man das Gefühl im Geiste abstimmt. Je höher also die Verbindung, die der Mensch hat, desto schöner und leichter wird auch das Hinübergehen für ihn sein. Es ist also alles ganz einfach. Andere jedoch, die sich im Leben auf Erden vergessen haben, kommen bewusstlos hier an. Es dauert lange, ehe sie erwachen. Ihr Gefühl ist auf die finsteren Sphären abgestimmt und demzufolge wird ihr Übergang einen Schock verursachen. Ich könnte viel über all diese Zustände erzählen, weil der Mensch auf den Kosmos Abstimmung hat. Man muss aber kosmisch orientiert sein, will man sich verbinden können. Ich werde nun meine Konzentration wieder einleiten, wodurch du in einen höheren Zustand gelangen wirst.“ 

André spürte, dass er in die Höhe ging, und dass ein anderes Gefühl in ihn kam. 

„Wir haben uns nun dem Punkt genähert, an dem die Trennung einen Anfang nimmt und dein stoffliches Bewusstsein in den Geist übergeht. Du wirst es deutlich spüren können. 

Trotzdem ist dein Geist mit deinem Stoffkörper verbunden; doch sieh nun auf allen Stoff! 

Alles was der Erde angehört ist durchsichtig. Du kannst durch alles hindurchblicken, der graue Schleier hat sich gelichtet. Das kommt, wie ich dir soeben sagte, weil dein Gefühl in den Geist übergegangen ist. Wir sind also im Begriff, den Stoffkörper zu verlassen. Da, wie du weißt, Liebe an dieser Seite Licht bedeutet, nimmst du entsprechend der Kraft der Liebe, die in dir steckt, wahr. Für diejenigen, die im Geiste keine Liebe empfinden oder besitzen, wird alles finster sein. Ich hoffe, dass du alles verstanden hast, mein Sohn. Es ist mir nicht möglich dir diese Zustände auf andere Weise zu erklären als wie du es nun erlebt hast. Doch du wirst alles begreifen, weil du es siehst, hörst und fühlst. Und dieses Erleben ist nur wenigen auf Erden gegeben. 

Ich bitte dich daher dringend, mein Junge, nichts von allem, was ich dir noch zeigen werde, zu vergessen. Du erfährst es für Tausende. Auf diese Weise will ich trachten, den Menschen auf Erden zu erreichen. Ich will ihm klarmachen, dass, wenn er sich im Geiste entwickelt, das Übergehen in diese Welt nichts anderes als Glück bedeutet. Er selbst hat es in der Hand. Es liegt an ihm selbst, ob er in diesem Leben Glück und Liebe oder aber tiefe Finsternis finden wird. An dieser Seite kennen wir nur ein Gesetz, einen Spruch, der lautet: „Viel Liebe zu besitzen bedeutet Weisheit im Geiste." Das gilt auch für dich, André! Wenn du diese Kraft nicht besitzen würdest, wäre es mir nicht möglich dir all das zu zeigen. Liebe bedeutet Wissen, nichts als Glück im Leben nach dem Tode. Kein Wesen wird eine höhere Sphäre betreten können, wenn es keine Liebe kennt. 

Das ist es, was ich dich auf dieser Reise lehren und erleben lassen werde. Das blaue Licht, das du wahrnahmst, ist die Ausstrahlung deiner Liebe. Es umhüllt den Stoff und sagt dir gleichzeitig, dass du noch auf Erden lebst. 

Diejenigen, die hinübergehen, entziehen dem Stoff alles, da sie jenes Leben verlassen. 

Ich werde dich nun gänzlich befreien.“ André spürte, dass er von seinem Körper erlöst wurde. Nun schwebte er über seinem eigenen Kleid. Er hatte den Körper bewusst verlassen, hatte mehr Weisheit im Geiste empfangen und das Leben kennen gelernt. Wie mächtig war Liebe. Dies war allein durch Liebe möglich. Sein Stoffkörper lag da, als wäre er bereits gestorben. Dennoch lebte er. Der Fluidumsfaden hielt beide Körper zusammen. Einst sollte er auf immer reißen und brauchte er nicht mehr zurückzukehren. Ein behagliches Gefühl durchströmte ihn. 

Es war die Ruhe an dieser Seite, die ihn glücklich machte. 

Er hörte Alcar sagen: „Was du fühlst, André, ist deine Verbindung im Geiste. Dein Ewigkeitsgefühl ist erwacht und bewusst geworden.“ 

André sank nieder. Alcar fing ihn in seinen Armen auf. „Es hat sich ein mächtiger Prozess vollzogen, mein Junge. Wir sind für längere Zeit zusammen. Auf dieser Reise habe ich dir vieles zu zeigen und zu erklären.“ 

„Wie soll ich dir für alles, was du mir auf Erden gegeben hast, danken, Alcar.“ 

„Danke nicht mir, André; unser Leben gehört Gott, Ihm haben wir alles zu verdanken.“ 

Alcar wollte keinen Dank und André dankte Gott für alles ihm Gegebene. Groß war die Gnade, dies erleben zu dürfen. 

„Sieh nochmals auf dein Kleid, André.“ 

„Was ist das, Alcar?" Er konnte seinen Stoffkörper nicht mehr sehen. „Wie kommt das?“ 

„Soeben warst du noch verbunden. Das blaue Licht umhüllt deinen Körper während unserer Abwesenheit. Auf unserer vorigen Reise wachte Adonis über alles; nun ist das nicht mehr nötig, weil deine Ausstrahlung eine Mauer bildet und deinen Körper verbirgt. 

In diesem Schleier wird er bleiben, bis wir zurückkehren; e r ist vor unglücklichen Geistern verborgen. Wir können uns ruhig von hier fortbegeben. Konzentriere dich nun auf dein Kleid – es wird sichtbar werden.“ André tat, was Alcar ihm sagte. Der blaue Schleier riss auseinander, sein Körper wurde sichtbar. „Ausgezeichnet, André! Es zeigt dir, dass du Fortschritte gemacht hast und deine Kräfte zu gebrauchen weißt. Wir werden uns nun ein beträchtliches Stück von deinem Körper entfernen. Nunmehr schweben wir im Raum. Für den Menschen, der stofflich empfindet, wird es unglaublich sein, doch der Geist bewegt sich durch die Kraft seiner Gedanken. Auf Erden muss der Mensch erst denken, ehe er handelnd auftreten kann. An unserer Seite handeln wir direkt, wenn wir unsere Konzentration einleiten. Ist dir das verständlich?“ 

„Ja Alcar, ich verstehe alles.“ 

„Wir sind bereits in Bewegung, wenn wir uns einstellen. Ich werde meine Gedanken von dir fernhalten, weil ich dir etwas klarmachen will.“ 

André spürte, dass eine sehr merkwürdige Kraft in ihn kam. Wenn er sich nicht mit all seiner Kraft dagegen widersetzte, wurde er zu seinem Stoffkörper zurückgezogen. „Was ist das, Alcar?“ 

„Das ist ein Beweis, dass du noch auf Erden lebst. Der Fluidumsfaden zieht dich zu deinem Körper zurück. Deshalb zeigte ich dir die entgegenwirkende Kraft; ließ dich erleben, dass dieser Faden den Stoffkörper und den Geist verbindet. Er ist unsichtbar und trotzdem spürst du seine Kraft. Gleichzeitig zeigt es, wie ätherisch unser Leben sein kann. Der Abstimmung entsprechend spürt der Mensch also die Gegenkräfte dieses Geschehens; so auch wenn sie hinübergehen. Es ist alles so einfach. Es ist die geistige Abstimmung eines jeden Wesens. Wisse deine Kräfte zu gebrauchen und du wirst dich nach eigenem Willen fortbewegen. 

Wiederum ein anderer Test, André. Konzentriere dich auf mich, wohin wir auch gehen.“ 

Mit ungeheurer Geschwindigkeit bewegte Alcar sich fort. 

„Soeben habe ich dir gesagt, dass wir uns blitzartig fortbewegen können, was ich dir auf unseren vorigen Reisen auch gezeigt habe. Wo denkt mein Sohn, dass er sich befindet?“ André blickte um sich, sah aber nichts als eine graue Masse. Nach längerem Nachdenken sagte er seinem geistigen Leiter, dass er sich nicht orientieren könne. 

„So höre. Wir befinden uns im Erdinneren.“ André sah seinen geistigen Leiter an und meinte, dass das nicht möglich sei. 

„Erscheint es auch dir unglaublich? Ich zeige dir, dass sich der Geist durch allen Stoff hindurch fortbewegen kann und es kein Hindernis für ihn gibt. Wenn du deine Konzentration sauber auf mich eingestellt hättest, würdest du gewusst haben, wohin wir gingen. Nun weißt du, dass uns alles möglich ist. Trotzdem wird es seltsam für dich sein, um dies als irdischer Mensch mitmachen zu dürfen. Wir können nach Belieben steigen und sinken. Wir besitzen unser intellektuelles Denken, wie wir es einst auf Erden hatten. Wir haben einen Körper, der besser ist, als ihn der Mensch auf Erden besitzt oder kennt. Gemäß den Kräften die in uns sind – was die Liebe ist –, können wir uns mit allem verbinden und auf alles abstimmen. Wir können uns verbinden mit allem, was lebt. Wir sind das Leben und können mit allem Leben eins sein; mit Gott, weil Gott Leben bedeutet. Wir könnten die Menschheit auf Minerale hinweisen, die sie nicht einmal kennt, aber am meisten benötigt; ja auf Unbekanntheiten im Stoff, auf alles, was die Erde verborgen hält. Wir könnten ihr zeigen wodurch Erdbeben entstehen, wodurch sich jene störenden Kräfte manifestieren. Wir Körperlosen können alles. Und alles ist entsprechend der Abstimmung, die wir im Geiste finden, der Kraft der Liebe entsprechend, die in uns steckt. Höher können wir nicht kommen. Wir werden Weisheit besitzen, wie unser Gefühl ist. 

Doch wie soll ein lebendiger Toter das Leben auf anderen Planeten begreifen, wenn er sein eigenes Leben weder spürt noch kennt? Nicht annehmen will, dass er ewig lebt, weder fühlt noch seine sanfte aber deutliche innere Stimme hört? Was nützt es, dass sie unbekannte Räume befliegen, wenn sie ihr inneres Leben vergessen? Hier ist es bekannt und weiß man wie weit sie gehen können. Hier wissen sie, dass es Gebiete gibt, wo das irdische Leben aufhört zu bestehen, wo alles zusammenschmelzen wird, wenn sie doch jenen Raum befliegen wollen. Ihre jämmerliche Fliegerei ist uns hier bekannt. Der Mensch sollte handeln nach den Kräften, die in ihm stecken, was für den Menschen auf Erden im Rahmen des Möglichen ist. Tausende werden zu früh hier ankommen – dann erst werden sie aufhören und begreifen, dass jene Gebiete unerreichbar für sie sind. Hier kennt man Räume, in denen das irdische Leben aufhört. Keine stofflichen Kräfte sind darauf berechnet. Die Kosmologen der Zukunft werden all das nachweisen. Sie werden nachweisen, dass all das die Zerstörung bedeutet, wenn sie sich von der Erde auf diese Höhe erheben wollen. Einst werden diese Geheimnisse preisgegeben, aber dann ist auf Erden alles anders. Die Gelehrten werden sich auf uns abstimmen, ihre Erfindungen werden dem Menschen dienen. So wie derzeit alles verbraucht wird, gibt es nichts als Gewalt, Vernichtung der Menschheit.“ 

„Ist das die Absicht Gottes?“ 

„Es werden Erfindungen gemacht werden, die dem Glück der Menschen dienen. Einst werden sie andere Planeten besuchen, aber dann allein zum Guten; nichts als Glück wird es sein, wodurch sie sich geistig entwickeln, kosmische Abstimmung finden werden. Es werden Tausende von Jahren notwendig sein, ehe es möglich ist, ein abgestimmtes Wesen zu finden, das auf Erden geboren werden kann. Dann werden sie Glück kennen, Liebe besitzen, und wird sich die Erde in Sphären des Glücks verwandeln. Nun werden wir an den Ort zurückkehren, an dem dein Körper ruht. Starke Konzentration, mein Sohn, bedeutet an dieser Seite Verbindung. Ehe wir mit unserer Reise beginnen werden, habe ich dir noch etwas mitzuteilen. 

Zunächst, André, frage mich, so viel du willst. Ich werde dir meinen Kräften und meinem Wissen entsprechend antworten. Dann noch Folgendes: Alles was du als ausgetretener Geist erleben wirst, hat zum Ziel, die Menschheit von unserem Fortleben zu überzeugen. Gib auf alles Acht und merke dir, was du siehst, was ich dich im Geiste sehen lassen werde. Du sollst es nach Rückkehr zur Erde verbreiten. Bedenke, dass deine Gabe der Besitz Anderer ist, biete also all deine Kräfte auf, die dazu nötig sind, denn unsere Zeit ist kostbar. Du sollst dein Leben dort sinnvoll nutzen. Lasse keine Stunde ungenutzt vergehen. Lass andere vom Leben machen, was sie wollen und lasse dich auf ihren finsteren Wegen, durch die ihr Leben verpfuscht ist, nicht mitreißen. Höre nicht auf ihre eingebildete Weisheit, die sie Büchern entnehmen, und wonach sie nicht leben. Durchfühle sie und wisse deine Kräfte zu gebrauchen. Weiche von dem eingeschlagenen Weg keine Daumenbreite ab. Und vergeude nicht deine Zeit, um ihre Abende auszufüllen. Sie schlafen ihren geistigen Tiefschlaf und es wird lange dauern, ehe sie erwachen. Sei auf der Hut vor denen, die Masken tragen, die sich hinter geistigen Mauern zu verbergen wissen. Sie sind es, die sich durch das Blut Christi bereichern wollen. Es sind Nichtswisser, die das große Wort führen, die unsere geistige Nahrung besudeln. Sie schweben in diesem Raum und die Erde dient ihnen als fester Anhaltspunkt. Sie sind es, mein Junge, die das Leben als eine Bühne betrachten und um der Sensation willen spiritistische Séancen abhalten. Vor denen muss ich dich warnen. 

Auf dieser Reise werde ich dir klarmachen, wie nichtig wir Menschen sind, und wenn du die höheren Gefilde betreten hast, wirst du unser Leben kennen lernen. Das alles sollst du auf dieser Reise mitmachen. Nochmals: gib auf alles Acht. Wisse, dass es die größte Gnade Gottes ist, die dem Menschen gegeben wurde, dass er sich mit uns verbinden darf. Sieh, wir sind wieder an dem Ort, wo dein Körper ruht. Von hier aus beginnt unsere Reise und wir werden Gott um Hilfe bitten.“ 

André war wieder in seinem Zimmer und neben seinem Stoffkleid kniete er mit seinem geistigen Leiter nieder. 

Alcar betete zu Gott. 



„Allmächtiger Vater. 

Wir bitten dich um Kraft und Hilfe, um unseren Glauben und unser Vertrauen in dich zu stärken. 

Großer Vater. 

In uns liegt das heilige Verlangen, den Menschen von einem ewigen Fortleben überzeugen zu dürfen. 

Das können wir allein durch deine Kraft, durch deine Gnade, und wir bitten dich, uns zu helfen. Wir bitten dich um Licht und Liebe, um deinen Schutz. Mach aus uns einfache Instrumente. Lege in uns Deine heilige Kraft, Dein Wissen, und führe uns, auf dass wir weiterhin Deinen Weg beschreiten dürfen. 

Allein durch Deine Kraft werden wir Meere befahren, Stürmen widerstehen können, durch Deine mächtige Kraft, die in uns steckt, da wir Dein Leben tragen, ja Dein Leben sind und bedeuten. 

Vater, stehe uns auf dieser Reise bei. Amen.“