KAPITEL 5.
Eine wundersame Heilung

In diesem Zustand erlebte André sehr merkwürdige Phänomene, durch die er die psychischen Kräfte derer kennen lernte, die den Stoffkörper abgelegt haben. 

„Hör zu, André“, sagte Alcar zu ihm, „das ist es, was der Prophet Joel meinte, als er sprach: ‚Und danach wird es geschehen (sagt Gott), dass Ich Meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch; und eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure Jünglinge werden Gesichte sehen." ) 

André erlebte Wunder und konnte dadurch die Bedeutung dieser Worte verstehen; während es ihm immer deutlicher wurde, dass, wenn sich ein Medium höheren Mächten mit Leib und Seele anvertraut, durch selbiges Wunder gewirkt werden können. Man kam um seine Hilfe für ein zwanzigjähriges Mädchen anzurufen, das sehr schwer krank war; und die Diagnose, welche Alcar ihn stellen ließ, lautete: Paratyphus. Auf seine Frage, ob er ihr helfen dürfe, antwortete Alcar: „Wir können ihre Schmerzen und das Fieber zwar abklingen lassen, doch für diese Krankheit ist auch irdische Hilfe unentbehrlich.“ 

Nun wurde von der Familie medizinische Hilfe herbeigerufen und nach ein paar Tagen beschloss der behandelnde Arzt, seine Patientin in ein Krankenhaus aufnehmen zu lassen. 

Darauf erlebte André wunderliche Dinge, deren Bedeutung er nicht verstand. Wie sehr er auch nachdachte, er konnte in diesem für ihn düsteren Zustand kein Licht sehen. 

Wenn er einen Patienten heilen durfte, oder wenn die Behandlung – aus dem einen oder anderen Grund – eingestellt wurde, löste er sich stets gänzlich, um sich dann wieder anderen Kranken hingeben zu können. Denn um eine Diagnose stellen zu können, ist es notwendig, sich innerlich von jedem störenden Gedanken zu befreien. Aber das war jetzt nicht möglich, da ihm ihr Bild stets vor Augen stand, wodurch er in seiner Tätigkeit behindert wurde. Tagaus, tagein musste er an das kranke Mädchen denken, und er fragte sich mehrmals, was das alles wohl zu bedeuten hatte, denn eine solch innige Verbindung mit einem Patienten, welchen er hatte loslassen müssen, hatte er noch niemals empfunden. Das Mädchen musste dies auch empfinden, meinte er, da diese Kräfte bei Kranken oft in hohem Maße entwickelt sind. Von seinem geistigen Leiter sah und hörte er nichts, doch er hatte im Gefühl, dass es eine Bedeutung haben musste, welche ihm früher oder später offenbart werden würde. 

So verging eine Woche. 

Annies Nichte Cor, die er gerade in Behandlung hatte, hielt ihn von ihrem Zustand auf dem Laufenden und kam eines Abends, um ihn in ihrem Namen zu fragen, ob er einmal zu ihr kommen wolle. Da war er sich sicher, dass auch sie die Verbindung spürte, auch wenn sie sich dessen womöglich nicht bewusst war. Ihr Körper habe sich versteift, berichtete Cor, und sie habe stets hohes Fieber. Ihr Mund sei gefühllos und ihr Blut vergiftet. Sie könne kaum noch sprechen, da ihr Hals so geschwollen sei, und ihr Gesicht habe eine bleigraue Farbe. Die Ärzte machten keinerlei Hoffnung auf Besserung und somit habe auch die Familie den Mut aufgegeben. 

Nachdem André mit Cor abgemacht hatte, am nächsten Abend gemeinsam zum Krankenhaus zu gehen, spürte er, dass die Fühlung nachließ, und dass sich die Spannung in das große Verlangen verwandelte, um abermals helfen zu dürfen, ein junges Leben, das mit dem Tode rang, zu erhalten. Denn Alcar, der hohe Geist, wachte – wenn er sich auch nicht sehen ließ – natürlich auch über dieses Leben. 

Folglich beschloss er, in Zuversicht abzuwarten. Und eher als er zu hoffen wagte, wurde auch dieses Problem für ihn gelöst und lernte er die große, heilige Liebe derer, die – hinter dem Schleier – mit all ihren Kräften die ihnen von Gott aufgetragene Aufgabe zum Wohle der Menschheit ausführen, noch mehr kennen. 

Es war in der darauf folgenden Nacht, da er plötzlich wach wurde, weil er hörte, dass er bei seinem Namen gerufen wurde. Er sah sich um, sah aber niemanden und wollte deshalb weiterschlafen. Nach ein paar Minuten hörte er jedoch abermals, dass sein Name genannt wurde, während er gleichzeitig zu der Entdeckung kam, dass man ihn von seinem Stoffkörper befreit hatte und er demnach ausgetreten war. So unvorbereitet war das noch nimmer geschehen, da Alcar ihm bisher im Voraus Bescheid gesagt hatte, sodass er sich gänzlich darauf einstellen konnte. 

Zum dritten Mal hörte er, dass „André!" gerufen wurde. Und als er auf die Stelle blickte, von wo die Stimme kam, da sah er, dass dort zwei ihm unbekannte geistige Wesen standen, von denen das eine ihm winkte, dass er ihnen folgen solle. 

Musste er dieser Aufforderung Folge leisten? In Gedanken fragte er es Alcar und unmittelbar darauf spürte er, dass ihn eine wohltuende Ruhe überkam. Es war gleichsam die Antwort auf seine Frage, dessen Kraft er kannte. Sein geistiger Leiter wachte; allein mit ihm war er auf diese Weise verbunden. Und wenn er mit ihm in den Sphären verweilte, unterhielt sich Alcar mit ihm in der geistigen Sprache, welcher sich die uns vorausgegangen dort bedienen – der Sprache der Gedanken. 

Alcar wusste natürlich von allem und ließ ihn dieses Problem auf seine Weise erleben. Er beschloss also, um mitzugehen, stieg mit den beiden Intelligenzen die Treppe hinab und folgte ihnen in einigen Schritten Abstand nach draußen. 

Es war eine stockfinstere Nacht, unterwegs begegnete er keinem lebenden Wesen der Erde, und es wurde kein Wort mit ihm gesprochen. 

Sollte man das glauben, wenn er später erzählte, dass er des Nachts als Geist herumspazierte und ihm unbekannten Intelligenzen folgte? Würde man es keine Phantasie nennen, während es dennoch die reine Wahrheit war? 

Er fühlte sich so begnadet, da sich sein Geisteskörper vom Stofflichen losmachen und sich in diesem Zustand frei bewegen konnte. Und nach der Lektion, die er während Doortjes Krankheit erhalten hatte, war er so fest von Alcars unsichtbarer Anwesenheit überzeugt, dass er sich denen, die ihm vorausgingen, voller Vertrauen übergeben konnte, wenn er auch nicht wusste zu welchem Zweck sie ihn abgeholt hatten. 

Als Antwort auf diesen Gedankengang wandte sich das geistige Wesen, das ihn gerufen hatte, um und sah ihn so liebevoll an, dass ihn ein warmes Gefühl durchströmte, und er für diese Geister der Liebe, die ihn womöglich für ihr Werk auf Erden brauchten, durchs Feuer gehen wollte. 

Plötzlich schwebten sie in eine Straße, welche zum Krankenhaus führte, in das Annie aufgenommen worden war. 

Sollte dieser nächtliche Austritt mit ihr im Zusammenhang stehen? Dann war ihm auch klar, warum er so innig mit ihr verbunden war. 

Vor dem Eingang des Krankenhauses angekommen, winkte ihm der Geist, der ihn gerufen hatte, dass er näher kommen solle. Da stand ein himmlisches Wesen vor ihm, jung und schön, das ihn lächelnd ansah und zu ihm sprach: „Wir haben dich geholt, André, weil wir deine Hilfe als Medium benötigen. Wir haben dich in deiner Nachtruhe gestört, weil es notwendig war, wie dir alsbald einleuchten wird.“ 

Das andere Wesen entfernte sich einige Schritte von ihm, und dann legte der Sprecher die Hand auf seine Schulter, während er fortfuhr: „Sieh auf den Eingang, mein Sohn. Diejenigen, die dort ein- und ausgehen, lebten auch einmal auf Erden. Und nun trachten sie, ihren lieben Hinterbliebenen und anderen in allem zur Seite zu stehen, während sie Hinübergegangene an den Ort ihrer Abstimmung geleiten, welcher, da sich kein Sterblicher, der im Jenseits ankommt, Gottes gerechtem Gesetz von Ursache und Wirkung entziehen kann, für den einen großes Glück, für den anderen, leider, tiefe Finsternis bedeutet. Je nachdem, ob sie ihr irdisches Leben zum Guten oder zum Bösen genutzt haben. Er wird ernten, was er gesät hat. 

Später wirst du mit deinem geistigen Leiter abermals Sphären besuchen, sowohl höhere als niedere Gefilde, auf dass du auf Erden noch mehr von dem wirst verkünden können, was den Menschen auf unserer Seite erwartet, wenn die irdische Schule durchlaufen ist. 

Medien, die begreifen, dass uns die Botschaften, welche wir durchgeben, heilig sind, können gesegnetes Werk verrichten, weil allein sie, da sie Liebe entgegenbringen und sich ihrer heiligen Aufgabe vollkommen bewusst sind, gute Instrumente in unseren Händen sein können. 

Merke dir, dass die Schätze des Geistes ewig und nicht mit denen der Erde zu vergleichen sind. Das will dir dein geistiger Leiter immer mehr klarmachen. Folge deshalb ohne Zögern unserem Weg. Wir werden dir helfen.“ 

Nach dieser Ansprache vernahm André laute Ausrufe. Es wurde gerufen: „Das Leben wird erwachen, das Leben ist ewig.“ 

„Hörst du sie, mein Junge? Es sind Schwestern und Brüder, welche die Erde bereits verlassen haben und auf unserer Seite fortleben. Sie wollen die Hinterbliebenen von ihrem ewigen, heiligen Glück überzeugen. Das soll dich anspornen, all die Kraft, welche in dir steckt, anzuwenden, um uns zu helfen, sie glücklich zu machen.“ 

Abermals erklangen Stimmen. „Der Mensch muss erwachen“, hörte er sagen. „Helft uns, helft uns, ihr Medien, die ihr die Kraft dazu besitzt. Helft uns, die Nichtwissenden glücklich zu machen. Es ist Gottes Wille.“ 

Das rührte André bis ins Tiefste seiner Seele, denn er spürte das innige Verlangen der Hinübergegangenen, um ihre Lieben von ihrem Fortbestehen überzeugen zu dürfen. „Nun sieh empor, André.“ 

Er blickte zum finsteren Himmel empor, gewahrte zunächst nichts, doch meinte nach einigen Sekunden einen schwachen Lichtstrahl wahrzunehmen. Ja, er hatte richtig gesehen; es kam Licht in die Finsternis. Überall bemerkte er Lichtblitze, welche den Himmel entflammten. Es war ein mächtiges Geschehen, das ihn gleichwohl nicht beängstigte, da er sich in sicheren Händen wusste. 

Plötzlich hörte er einen Knall; das Himmelsgewölbe wurde gleichsam auseinander gerissen, wodurch ein prächtiger, hellblauer Himmel sichtbar wurde. Ein strahlend weißes Licht brach durch und versetzte die Erde in einen goldenen Glanz. 

„Das Licht“, hörte er abermals rufen, „das Licht, Gottes heiliges Licht!“ 

„Gottes Licht“, wiederholte die Intelligenz neben ihm; „durch dieses Licht werden wir sie heilen. Vertraue, vertraue, mein Junge. Gott ist Liebe. Es ist Sein Wille, dass die geistig Toten zum Leben erweckt werden. Lasse sie leben, rüttel sie wach.“ 

Auf einmal sah er ein kleines weißes Licht – es glich wohl Phosphor – das in Form einer Kugel durch den Raum auf ihn zu schwebte. Doch als es dicht in seiner Nähe war, schwebte es wieder von ihm weg und kam anschließend wieder zurück, was sich einige Male wiederholte. Es forderte ihn gleichsam auf, ihm zu folgen. Und als er dazu entschlossen war, schwebte es ihm voraus, in das Krankenhaus hinein und, durch ein paar Gänge, in ein Zimmer, dessen Tür offen stand. 

Vorsichtig trat auch er ein, sah dann allerdings zu seiner Verwunderung das Licht nicht mehr. Trotzdem spürte er, dass ihn eine unsichtbare Macht hinein geleitete. 

Sollte Annie sich hier befinden?, dachte er. Vorsichtig sah er um die Ecke des Schirms, der um ein Bett stand, und erschrak heftig, denn ja, dort lag sie. Doch wie alt sie geworden war! Er wollte auf sie zufliegen, spürte jedoch, dass er zurückgehalten wurde. Er blieb daher hinter dem Schirm und wurde dann auf der Stelle gewahr, dass seine unsichtbaren Begleiter ihre Konzentrationskraft schwächer werden ließen. 

Arme Annie! Sie schien schwer zu leiden. Wie war es sonst möglich, dass sie in wenigen Tagen so altern konnte! Hier ging es um Leben und Tod. Ihre Gesichtsfarbe war wahrlich bleifarben und ihre Augen lagen tief in den Höhlen. Er hörte, dass sie leise stöhnte. 

Ein Glück! Da sah er das Licht wieder, dessen Ausstrahlung so schön und rein war. Es blieb über dem Kopf der Kranken schweben und verband sich mit ihr. Dann erreichten ihn Klänge. Es schien wohl ein heiliger Gesang. Es war wundersam, all das erleben zu dürfen. 

„André“, hörte er flüstern, „sieh auf das Licht. Es lebt, und Gott will, dass sie gesund wird. Hilf uns, dieses Wunder zustande zu bringen. Dazu wurde uns Gottes heilige Kraft geschenkt. Sein Wille geschehe.“ 

Darauf verschwand das Licht und spürte er, wie er aufgenommen wurde und in seinen Stoffkörper zurückkehrte. Danach fiel er wieder in Schlaf. 

Am nächsten Abend holte er Cor ab, um gemeinsam zu ihrer kranken Nichte zu gehen. An ihrem Bett angekommen, musste er sich beherrschen, um an sich zu halten und alle Kräfte aufbieten, um ihr nicht zu zeigen, wie sehr er von ihrem Aussehen erschrak. Sie sah ihn prüfend an, ergriff seine Hand und versuchte zu sprechen. Doch dies gelang ihr nicht, da ihr Hals so angeschwollen war. Darauf versuchte sie ihm durch Blicke und Gebärden klarzumachen, dass sie von ihm hören wollte, was er von ihrem Zustand hielt. Es war der Blick einer Sterbenden, mit dem sie ihn ansah, ein Blick, der ihn sehr ergriff und der ihn zwang, ihr Hoffnung auf Genesung zu machen und ihr Mut zuzusprechen. Wenngleich er spürte, dass ein Wunder geschehen musste, wenn von Genesung tatsächlich die Rede sein konnte, denn ihr Blick umflorte sich, und ihre Augen begannen bereits zu brechen. Sie lagen tief in den Höhlen und sahen ihn dennoch flehend an. Der Blick, mit dem sie die Wahrheit auszuforschen suchte, war entsetzlich. 

Auf diese Weise vergingen einige Sekunden, Sekunden, welche ihm eine Ewigkeit schienen. Es war eine wahre Folter, denn wenn er diesem Blick nicht widerstehen konnte, würde dies ihr Ende beschleunigen können. Endlich ließ sie seine Hand los und blieb ermattet in den Kissen liegen. 

In jenem Augenblick trat ihr Vater ein und setzte sich an ihr Bett, wodurch sie zum Glück etwas ruhiger wurde. Doch das währte nicht lange, denn nach einigen Minuten gelang es ihr, ihren Vater mit gebrochener Stimme zu fragen, ob er ein Spiegelchen bei sich habe; was zu Andrés unbeschreiblicher Erleichterung nicht der Fall war. 

Doch wie erschrak er, als er Cor sagen hörte: „Ich hab wohl einen für dich." Wie war das möglich! Begriff sie denn nicht, worum es hier ging? Dass ein Blick in den Spiegel Annie zum Verhängnis würde? Dumme, dumme Menschenkinder! Annies irdisches Leben hing doch schon an einem seidenen Faden. Und nun griff sie nach dem Spiegelchen, das Cor hervorholte: ihre umflorten Augen betrachteten ihr Spiegelbild, und mit einem unterdrückten Schrei fiel sie bebend in ihre Kissen zurück. 

Im selben Augenblick spürte André, dass stark auf ihm eingewirkt wurde. Durch ihn ging eine gewaltige Kraft, welche Berge würde versetzen können. Dann gewahrte er über Annies Haupt ein prachtvolles, weißes Licht, das sie fortwährend beschien. Sein ganzer Körper bebte. Anschließend spürte er, dass er aufgenommen und neben die Kranke gestellt wurde, während er eine klangvolle Stimme fragen hörte: „André, André, hast du denn alles vergessen? Lege deine linke Hand auf ihr Haupt und halte ihre rechte Hand als Kontakt fest. Gib Acht, Junge, und erinnere dich der Vision und all der Weisheit, welche dir gegeben wurde.“ 

Voller Ehrfurcht lauschte er der Stimme aus einer höheren Welt, welche fortfuhr: „Heile sie, André; Gott will, dass sie gesund wird. Es ist Sein heiliger Wille. Er hat Heilkraft in dich gelegt. Hilf ihr.“ 

Von diesen Worten tief berührt, nahm er Annies rechte Hand in die seine, legte seine linke Hand auf ihre Stirn und blickte empor. Abermals sah er, dass sich das strahlende Licht mit ihr verband. Der Raum verschwand vor seinen Augen und ein prächtiger, blauer Himmel wurde sichtbar. „Das Licht der Lichter“, hörte er sagen, „das Licht Gottes. Heile sie, André.“ 

Da konnte er, indem er sich stark darauf konzentrierte, seinen Willen durch Gedankenkraft zu ihrem Bewusstsein durchdringen lassen. „Höre, Annie“, gebot er ihr in Gedanken, „ich will, dass du dich nicht mehr an das Spiegelchen erinnerst und ruhig schläfst, weil es Gottes Wille ist, dass du gesund wirst.“ 

Nach drei Minuten ließ er ihre Hand los und entfernte sich ein Stück von ihr. Es war ein beängstigender Augenblick; doch die Spannung währte zum Glück nur kurz, denn binnen drei Minuten war das Wunder geschehen. Annie schlief ruhig und war wieder jung und schön geworden. Eine wundersame Veränderung hatte stattgefunden. Wie glücklich ihr Vater war! Er dankte Gott im Stillen und ließ seinen Tränen freien Lauf. 

Am nächsten Tag ging André wieder zum Krankenhaus, wo er Annie bei bestem Wohlbefinden antraf. Sie war sehr froh, ihn zu sehen und freute sich über den Strauß rote Rosen, welchen er für sie mitbrachte. An das, was am vorigen Abend geschehen war, erinnerte sie sich offenbar nicht mehr. 

„Wie krank bin ich gewesen“, sagte sie. „Ich dachte wirklich, dass ich nicht mehr gesund würde, und nun fühle ich mich auf einmal wieder gesund.“ 

Als er abends ruhig zu Hause saß, hörte er zu seiner großen Freude Alcars Stimme. „So, mein Junge“, sagte er, „nun werde ich dir wieder vieles erklären. Du durftest abermals ein Wunder erleben. Ich verband dich mit Annie, auf dass mein Meister es zustande bringen konnte. Wir wussten was geschehen würde und durften im letzten Augenblick eingreifen. Ich hielt mich unsichtbar und wollte sehen, ob du das Gute vom Bösen unterscheiden kannst; deine völlige Hingabe wurde verlangt. Ich ließ dich austreten, weil mein Meister dir das Heilige an deinen medialen Fähigkeiten zeigen wollte, wodurch du dich anstrengen wirst, um in diese höhere Abstimmung zu gelangen. Die Absicht war, dein Vertrauen mehr und mehr zu stärken, da du vor stets größere Probleme gestellt werden wirst. Wisse, dass wir zurückkommen werden, und dass du dann bewusst handeln und die Wissenschaft überzeugen wirst. Glaube mir, einst werden wir viele von der Existenz der heiligen Kräfte, welche die Meister besitzen, überzeugen. Mein Meister hat zu dir gesprochen; das kleine Licht war ich. An unserer Seite können wir verschiedene Formen annehmen. Ich war stets bei dir, um dich zu unterstützen. Wir haben uns mit dir verbunden, als wir dich zum Krankenhaus brachten, und du gehorchtest unserem Willen. Wir standen an deiner Seite, doch hielten uns unsichtbar. Wir konnten deinem Gedankengang folgen, und für deine Liebe und dein Vertrauen sind wir dir Dank schuldig. Mein Meister ist glücklich mit mir. 

Nun will ich dir das vollbrachte Wunder erklären. 

Im selben Augenblick, da du Annies rechte Hand festhieltest und deine linke Hand auf ihr Haupt legtest, wurdet ihr beide mit dem Kosmos verbunden. Es war ein ähnlicher Zustand, als da du dematerialisiert wurdest, wofür denn auch dieselben Kräfte angewendet wurden. Ist dir das klar? Es war Gottes Wille; sonst wäre es uns nicht möglich gewesen diese wunderbare Heilung zustande zu bringen. Wir haben dich zunächst in einer Vision erleben lassen, wie gewaltig diese Kräfte sind, diese kosmischen Strahlen, Gottes eigene Ausstrahlung, welche Seine ganze Schöpfung durchdringen und ohne welche nichts existieren könnte, kein Leben möglich wäre. 

Die Menschen auf Erden kennen die Wirkung der kosmischen Strahlen noch nicht, weil sie deren Ursprung noch nicht begreifen und deren Bedeutung nicht näher kommen können. 

Später werde ich dir mehr darüber erzählen. Und du wirst noch mehr Wunder erleben dürfen, wenn du weiterhin demütig auf die Geistige Leitung von Geistern aus höheren Gefilden vertraust, welche in diesen schweren Zeiten wieder zur finsteren Erde kommen, um auf allerlei Weisen zu trachten, ihre Bewohner zu erreichen, um ihnen letztendlich Ruhe und Frieden und Glück zuteil werden zu lassen.“