KAPITEL 4.
Der Mediumismus
Die Geister wissen alles
Als André noch ein Kind war, besaß er bereits die Gabe des Hellsehens und auch, um mit unsichtbaren Wesen zu sprechen. Er konnte sich noch so deutlich erinnern, wie er in seiner Jugend fühlte und mit Geisteskindern spielte. Er gab ihnen schöne Namen, und er sah bei ihnen stets einen großen, langen, schwarzen Mann, der die Kleinen brachte und wieder zurückführte. Und als er eines Morgens mit Alcar Kontakt bekam und er ihn sah und hörte, da erkannte er im selben Augenblick seinen langen schwarzen Freund aus seiner Kinderzeit; und er begriff, warum er seine kleinen Spielkameraden zu ihm gebracht hatte. Es wurde ihm noch klarer, als Alcar ihm in seiner geistigen Wohnung von seinem Leben erzählte, woran er seine eigenen Erfahrungen prüfen konnte. Mit dieser großen Gabe wurde er geboren. Es wäre ihm auch niemals eingefallen, sich als Hellseher auszugeben, wenn er diese Gabe nicht besäße. Es war ihm ein Rätsel, dass es dennoch so viele gab, die sich diese Gabe zueigneten und sie nicht als Besitz trugen. Wie wagten sie es, Menschen zu helfen, sie zu heilen, über das Wohl und Wehe anderer zu bestimmen, während sie diese Gabe nicht hatten. Nicht allein, dass der Mediumismus in Diskredit geriet, sondern auch der Spiritismus wurde besudelt; und denen, die in Leid und Schmerz zurückgeblieben waren, wurde der Glaube genommen. Es gab selbst welche, die jene für diese Weisheit teuer bezahlten, die keine Medien waren. Wie viele waren nicht bei ihm gewesen, die weinten wie Kinder, weil man ihnen allen Glauben genommen hatte. Es tat ihm oft weh, doch es war ihre eigene Schuld, da sie zu gutgläubig gewesen waren. Sie wussten nicht, dass viele sich als Medium ausgaben, während sie nichts vom Leben im Jenseits wussten. Sie spekulierten auf die Gutgläubigen und waren die Parasiten der Menschheit. Alcar sagte ihm, dass sie viel schlimmer seien als der Dieb, der irdische Güter stiehlt. Sie verschanzten sich schließlich hinter der Maske geistiger Wesen und kannten die Bibel auswendig, aber dahinter schossen sie ihre stofflichen Pfeile auf jene ab, die sich von nichts bewusst waren. Dagegen konnte man sich nicht wappnen.
Alcar hatte ihm gesagt: „Ein Dieb ist ein Unglück für sich selbst und für andere, doch diejenigen, die auf Kosten derer, die sich in Leid und Schmerz befinden, parasitieren, sind das Gift des Lebens.“ Sie missbrauchen Gott, und sollte Gott da ihre finsteren Praktiken schützen? Sie sprechen über Liebe und über Gott, und viele fallen in diese tiefe Grube, die unsichtbar ist. Alle, die sich mit ihren Hinübergegangenen verbinden wollen, werden dies alles erst erleben müssen. Dann herrscht Kummer wie noch nie zuvor. Doch lange dauert es nicht, dann zerfallen sie und ihre Heilige Schrift und werden sie erkannt. Aber dann sind bereits Monate des Leids vorübergegangen; Leid und Schmerz sind gewachsen und Gefühle zerstört, sodass sich alles in einen hoffnungslosen Zustand verwandelt hat. All ihr Vertrauen ist zerbröckelt, sie glauben nicht mehr an ein einziges Medium, der Spiritismus hat sich in Teufelswerk verwandelt.
Sie fühlten sich als die von Gott gesandten Medien, die durch spiritistische Beweise so weit gekommen waren. Dies alles käme auf ihren Séancen durch, doch die Wissenschaft bezeichne es als Kaffeesatzgetue oder sonst was. War es ein Wunder, dass man so sprach? Wenn Gutgläubige zu ihnen kamen, waren diese über das, was ihre Kontrollgeister an sie durchgaben, in Ekstase, doch es stimmte mit dem Lauteren, dem aus dem Jenseits Gegebenen nicht überein. Wo man auch weilte, auf der ganzen Welt, dort, wo geistige Nahrung gegeben wurde, konnte man alles voneinander unterscheiden, weil Liebe daraus sprach – was geistige Wahrheit bedeutete. Das von ihnen, das war grob, wie ihr eigenes Leben und ihr menschliches Gefühl. Vielen mit ihm, die diese Gabe wirklich innerlich trugen, tat es weh, dass der Mediumismus so besudelt wurde! Er kannte Leute, die hinübergegangen waren, und die auf Erden groß in der Liebe gewesen waren, doch die, wenn sie auf Séancen durchkamen, arme, stümperhafte kleine Menschen waren. War das möglich? Waren sie im Leben nach dem Tode denn zurückgefallen? Die Kontrollgeister gäben es durch. Es seien Doktoren, die durch sie wirkten, und für die sie als Instrument dienten. – Sie eigneten sich nicht allein eine Gabe zu, die sie nicht besaßen, sondern sie besudelten zugleich einen irdischen Doktor, den sie kannten, oder den sie einfach so beliebig gewählt hatten. Wenn nun solch ein Doktor zu reden begann, blieb von all seinem irdischen Ruhm nichts mehr übrig. Dann waren es jämmerliche Stümper geworden, und waren sie schlagartig zurückgefallen und hatten sie sich verändert. André durchschaute sie und er wusste, dass es keine Doktoren waren, sondern dass sie allein in ihrer Phantasie lebten. Doch die Gutgläubigen, oder diejenigen, die diese Gesetze nicht kannten, wurden betrogen, da sie vor diesen Doktoren Respekt hatten.
So wurde dann nicht allein das Wesen, sondern wurden auch die Namen von Menschen, die auf Erden gelebt hatten, die ihr Leben der leidenden Menschheit gewidmet hatten, besudelt, da Medien sie als ihre Doktoren ausgaben. Sieh, das war ihm unbegreiflich. Ihn suchten tiefbetrübte Mütter auf, die keine Nacht mehr ruhig schlafen konnten, die durch die Botschaften, die man ihnen gegeben hatte, mit ihren Nerven am Ende waren. Dann hörte er lange Geschichten, an die kein Ende kam, so furchtbar und so äußerst traurig, dass es ihnen das Herz abgedrückt hatte. Ein Leid war noch größer als das andere. „Nein“, so sagten sie, „das ist er nicht, er war so ganz anders." Und wenn André ihnen sagte, dass es ihre eigene Schuld sei, antworteten sie: „Aber mein Herr, sie sprechen über die Bibel und über Gott." So wurden ihre Herzen zerrissen und wurde auf ihren Seelen herumgetrampelt.
Es gab welche, die Schutzengel verkauften, wenn man einen gebrauchen konnte. Ihre Kontrollgeister sorgten schon dafür, und wenn jemand von ihnen ging, könne er versichert sein, dass der Schutzengel hinter ihm herspazierte, um ihn vor allem Bösen zu beschützen. War es nicht furchtbar? Die Schutzengel stünden im Jenseits in langen Reihen und warteten darauf, dass sie zugelassen würden und auf Erden eine Aufgabe erhielten. Aber dass jene Medien dies alles einst würden gutmachen müssen, daran wurde nicht gedacht. Hatten sie eine göttliche Gabe? Waren es geistige Wesen, die sie vertraten? Waren sie mit dem Jenseits verbunden? War das Seelennahrung, die den Menschen stärken würde? Sollte dies die Welt verändern? Ihre Schlamperei? War ihr fauler Zauber ein Halt für Hinterbliebene? Waren es geistige Verbindungen, die durch Geister zustande gebracht worden waren? Alles war nur Sensation, nur zum Schein, auf Kosten von Leid und Schmerz anderer. Schon als Kind besaß André seine wundervolle Gabe und war er mit Alcar in Verbindung. Dennoch wusste er, dass er keinen Menschen zum Medium entwickeln konnte; denn dies war eine angeborene Gabe. Trotzdem gab es Wesen, die Lehrgänge abhielten und binnen drei Monaten zehn, zwanzig Medien ablieferten. Ging das? War das möglich? Es gab viele. Dadurch wurden Herzen gebrochen, bis aufs Blut verwundet. Armer, heiliger Spiritismus, wie wird das Heiligste, was der Menschheit gegeben wurde, besudelt! Bande wurden abgebrochen, Frauen und Kinder im Stich gelassen, weil sie angeblich eine Aufgabe zu vollbringen hatten und sich dem gänzlich widmen mussten, wobei das Gequengel ihrer kleinen Kinder sie störte. Es war scheußlich. Andere sollten nichts anderes tun als in der Natur zu spazieren, auf dass sie sich entwickeln würden und ihre „Doktoren“ sie besser erreichen konnten als unter jenen rauen Menschen. Alcar hatte es ihn aber so ganz anders gelehrt. Wenn er für seine stoffliche Arbeit nicht getaugt haben würde oder diese vernachlässigt hätte, dann hätte Alcar ihn nicht gebrauchen können. Gerade die gute Ausführung seiner irdischen Arbeit, seine Hilfe für die Menschen, war der Beginn seiner Entwicklung gewesen. Er hatte erst lernen müssen, seine eigenen Interessen zurückzustellen, sich innerlich Stück für Stück niederzureißen, ehe er ein gut brauchbares Instrument für Alcar war. Was aber taten die anderen? In der Natur spazieren und ein Leben führen, das nichts bedeutete. Durch ihre furchtbaren Prophezeiungen wurde den Menschen Monate im Voraus Angst gemacht. Und das sagten wohlgemerkt ihre geistigen Helfer! Das waren hoch begabte Seher und Seherinnen! Kam das aus dem Jenseits? Waren das Spiritisten und Medien? Materialistische Wesen waren es, die mehr zerstörten als dass sie Gutes taten. Sie sagten, dass alles direkt aus dem Jenseits käme und dass es Liebe, nichts anderes als Liebe sei.
Dienten sie höheren Wesen? Waren das Doktoren, die die Erde verlassen hatten? Waren dies hoch abgestimmte Seelen? War dies die Art und Weise, das Jenseits zu vertreten? Bedeutete dies, dem Weg zu folgen, den Christus uns einst gewiesen hat? Diejenigen, die wiederkehrten und alle Geister der Liebe waren, würden keinen Menschen auf Erden eine lange Zeit im Voraus in Angst lassen! Mediumismus war Liebe, nichts als Liebe, die denen gegeben wird, die zu uns kommen, damit ihnen geholfen wird. Man diente denen, die in Glück und Schönheit zur Erde wiederkehrten, um ihren Lieben zu helfen. Es sollte für sie selbst und alle, die zu ihnen kamen, nichts als Glück bedeuten. Das war der Mediumismus, der Kranke heilt und Alte und Trauernde stützt, der strahlte wie Sonnen, an dem sich andere erwärmen konnten. Dann war es Liebe, das Heiligste, durch Gott gegeben. Jedes Wesen fühlte dieses heilige Feuer, und Medien würden strahlen und anderen helfen können, da sie sich auf diejenigen abstimmten, die nichts als Liebe bedeuteten.
André wollte seine Gottesgabe allein in Liebe anwenden, um anderen etwas zu bedeuten. Einer von diesen Gelehrten wurde auf seinen Weg geführt, und Alcar erteilte ihm eine Lektion fürs Leben.
Einige Häuser weiter in der Straße, wo André wohnte, lebte eine alte kranke Dame, die er oft am Fenster sitzen sah, damit sie noch etwas vom Leben um sie herum auffangen konnte. Sie sah sehr leidend aus; und da er jeden Tag dort vorbeikam fragte er Alcar, ob er ihr helfen könne, da dies doch auf seinem Weg lag. Alcar sagte ihm, dass sie bald sterben würde, dass sie nur noch vier Monate leben würde.
Er fand es merkwürdig, dass sein geistiger Leiter es ihm so direkt sagen konnte. Die Geister wussten alles über alle Menschen. Es war schade, aber hieran war nichts zu ändern, sodass er diese Botschaft vollkommen akzeptierte. Auf seinen geistigen Leiter konnte er vertrauen.
Ihre Tochter, die unter ihm wohnte, kam eines Nachmittags seine Gemälde betrachten. Von selbst kam das Gespräch auf ihre Mutter und sie fragte ihn, was er von ihrem Zustand halte. André ergründete sie, wie sie selbst die Krankheit ihrer Mutter empfand, da er sie nicht vorzeitig beunruhigen wollte. Davor hatte er Angst, denn er hatte mehrmals den großen Kummer derjenigen gefühlt, die eine Prophezeiung erhalten hatten. Doch als sie ihm sagte, dass sie keine Hoffnung mehr habe, erzählte er ihr, was sein geistiger Leiter ihm durchgegeben hatte.
„Dann hoffe ich nur, dass sie nicht so lange zu leiden braucht. Ich würde alles tun wollen, doch nichts hilft. Auch will sie umziehen, aber für ein paar Monate hat es keinen Sinn, und außerdem würde es ihr nicht gut tun.“
Sie dankte ihm für seine Botschaft und ging fort. Einige Wochen vergingen, als eines Nachmittags ein Herr zu ihm kam, der ihn sprechen wollte. Beim Eintreten sagte Alcar ihm, dass er von ihm geschickt worden sei, und dass André sich auf ihn konzentrieren solle. Wenn jemand zu ihm kam und bat, ihm bei dem einen oder anderen zu helfen, dann sandte er sogleich seine Gedanken zu Alcar und wartete ab, was er empfangen würde. Darüber brauchte er nie vorher zu reden oder Fragen zu stellen; dies war stets so gewesen. Nun aber wurde er im Voraus gewarnt – was etwas Besonderes war, und was eine Bedeutung haben würde, zumal, da Alcar sagte, dass er ihn schickte. André war innerlich bereit und war gespannt, warum sein Besucher kam. Sofort begann dieser ihm zuzusprechen und über die Bibel zu reden, die er auswendig kannte. Es dauerte lange, ehe er damit fertig war. Und dann zeigte er ihm Empfehlungsbriefe seiner Patienten, die als alte Fetzen zum Vorschein kamen. „Soso“, dachte André, „er ist Hellseher. Da hast dus." Wieder fing er über die Bibel an und zitierte er ihm im Nu Passagen daraus. Er brachte Christus und alle Heiligen hervor, und innerlich weinte er vor Emotion, wenn er an all diese Heiligen dachte. Er sprach über: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“, und er zeigte, dass auch er noch solch ein Kind war. Endlich kam es heraus; und er fing über die Sache an, wofür er eigentlich zu ihm gekommen war. Doch André durchschaute ihn, er erkannte ihn und wusste, mit wem er zu tun hatte. Die Bibel und die Heiligen wurden angeführt, um sich selbst dahinter zu verschanzen und um spüren zu lassen, dass er ein guter gläubiger Mensch war, und ein Mensch, der Liebe empfand.
„Aber wozu kommen Sie eigentlich?“, fragte André ihn plötzlich. „Ja, sehen Sie, ich habe hier in der Straße eine Patientin in Behandlung. Mein Doktor sagt, dass sie gesund werden kann. Und nun sagte ihre Tochter, dass Sie ihr gesagt hätten, dass sie nur noch vier Monate zu leben hat. Aber das ist nicht wahr, denn wir können sie noch heilen. Man kann absolut noch etwas für sie tun.“
André erschrak. Da stand er nun einem dieser Helden gegenüber, die Berge versetzen können. Doch alles in seiner Phantasie, auf Kosten von viel Leid und Schmerz anderer. Wie kam der Mann zu dieser Ansicht? Es war doch nicht möglich, dass André falsch lag? Das wäre furchtbar. An erster Stelle dachte er an die armen Menschen, die alles getan hatten, die keine Kosten gescheut hatten, um die Kranke gesund zu machen. Wie viel Geld hatte es sie nicht gekostet, worunter alle litten. Wenn es ihm nicht möglich war zu helfen, weil der Kranke hinübergehen sollte, dann fand er es furchtbar, ihnen noch mehr Unkosten zu besorgen, indem man den Kranken im Schlepptau behielt. Es sollte ja oder nein sein, helfen oder nicht helfen; er würde ihnen alles im Voraus mitteilen, sodass sie sich selbst entschließen könnten. Und dieser Mann wagte zu sagen, dass sie gesund würde, wodurch sie alles zusammenbringen würden, um ihrer Mutter die nötige Behandlung zu geben. Das kostete Geld, und da musste jeder Cent zehnmal umgedreht werden. Dachte dieser Mann nicht daran? Taugte er denn nicht, während ihm alles so heilig schien? André dachte nicht allein an die Krankheit, sondern auch an die Sorgen. Tag und Nacht betete er für die Wahrheit; wurde diese ihm nunmehr vorenthalten? … Innerlich flehte er seinen geistigen Leiter an, diese Situation für ihn zu lösen. Während der Geschichte über die Bibel und alle Heiligen hörte er Alcar, der ihn fragte: „Warum Zweifel, André?“ Und hierdurch wusste er, dass er sauber fühlte. Nun fragte ihn der Mann, ob sie es nicht gemeinsam tun sollten. „Gemeinsam“, dachte er, „wie war das möglich?" So etwas hatte er noch nie erlebt. Wenn ein Magnetiseur es nicht konnte, brauchten zwei es nicht zu versuchen.
Alcar sagte ihm: „Behandle sie, ich will ihm eine Lektion fürs Leben erteilen. Doch alles geschieht unter deiner Aufsicht. Das wird ihm vielleicht die Augen öffnen.“
Sie vereinbarten nun den Tag und die Zeit, zu der er behandeln sollte, und der „Hellseher“ ging fort.
Noch am selben Abend sprach André mit der Tochter und er fragte sie, warum sie doch jemanden gerufen habe. „Ja“, sagte sie, „dieser alte Mann sagt so entschieden, dass sie gesund wird, und darum haben wir beschlossen, alle einen Teil beizutragen, um ihr die Behandlung zu geben. Wenn du ihn reden hörst, musst du wohl an ihn glauben, ob du willst oder nicht. Er ist, glaube ich, schon ein guter Mensch. Er kann so herrlich über die Bibel sprechen, und ich glaube, dass er alles auswendig kennt.“ Auch sie war unter seinen Einfluss geraten, ebenso wie er selbst, da er anfing, an seinen eigenen Kräften zu zweifeln. Sie nannte ihn den alten „Doktor“. André fragte sie: „Warum haben Sie ihn zu mir geschickt?“
„Was sagen Sie?“, fragte sie verwundert, „ich habe ihn zu Ihnen geschickt?“
„Ja, er kam zu mir, und nun werden wir Ihre Mutter gemeinsam behandeln.“ Er erzählte ihr, dass sein geistiger Leiter dem Mann eine Lektion fürs Leben erteilen wolle, und darum dürfe er helfen.
„Ich komme morgen zu Ihnen, und auch er wird kommen. Ich berechne Ihnen nichts dafür, doch bin nur gespannt, worauf das alles hinauslaufen wird. Alles wird jedoch unter meiner Aufsicht geschehen, und Sie müssen mir dabei helfen. Es ist nicht die Art und Weise zu wirken; doch mein geistiger Leiter will es und ich bin sehr gespannt, wie er seine Lektion fürs Leben erhalten wird.“
Am darauf folgenden Morgen war der alte Mann zugegen und führte ein Gespräch mit der Kranken, als er eintrat. „Wenn das nur gut geht“, dachte André. Es würde sie mehr stören als dass es ihr Ruhe geben würde. Er fand es merkwürdig, dass sein geistiger Leiter wollte, dass er helfen würde. André sagte, dass der Mann lediglich die Beine behandeln dürfe und dass er ihm den Rest überlassen solle, und das war ihm recht. Dienstags und Freitags solle er sie behandeln kommen, und er, André, am Montag- und Donnerstagmorgen. Bei der ersten Behandlung, die er ihr verpasste, hatte der alte Mann seine Abmachung bereits vergessen und behandelte sie am ganzen Körper. Alcar ließ André sehen, dass er sich nicht an seine Abmachung gehalten hatte. Er fragte seinen geistigen Leiter, was er tun solle, und Alcar sagte ihm:
„Weitermachen, mein Junge, ich wache und kontrolliere alles. Mach dir keine Sorgen.“
So vergingen einige Wochen, in denen nichts Besonderes geschah. Der alte Mann würde sich wieder an seine Verabredung halten und ihre Beine, die gelähmt waren, behandeln. „Der alte Doktor“ – er war sechzig Jahre – rieb sich die Hände, weil alles so fabelhaft lief. André dachte, dass, falls er sich von anderen kontrollieren lassen müsse, er sofort damit aufhörte, weil er dann nicht für dieses Werk taugen würde. Er wollte unabhängig sein. An einem anderen Morgen, noch ehe er eintrat, zeigte Alcar ihm ein anderes Bild. André sah, dass die Tochter und der alte Mann zusammen versuchten, die Kranke gehen zu lassen. Er fragte sie später, ob er richtig gesehen habe, und sie musste zugeben, dass er alles wusste. „Wie ist es möglich“, sagte sie, „Sie sehen alles.“
„Ich sehe nicht, doch mein geistiger Leiter weiß und sieht alles“, gab André ihr zur Antwort. „Denken Sie daran, er ist anwesend, machen Sie also keine verkehrten Sachen. Warum tun Sie nicht, was wir abgesprochen haben. Sie sollten mir doch helfen und darauf hören, was ich Ihnen sagen würde?“
Wieder war es der alte Mann, der sie überredet hatte, nun einmal die Beine auszuprobieren, welche die Kranke zuvor nicht mehr gebrauchen konnte. André fand ihn einen gefährlichen Menschen, und er bereute es, dass er sich darauf eingelassen hatte. Welche Folgen könnten sich daraus ergeben!
Am darauf folgenden Tag kam der alte Mann ihn besuchen, da er in der Nähe war und einmal kurz mit ihm reden wollte, was André passte, weil er ihm noch etwas zu sagen hatte. Er fing sofort an: „Wenn Sie nicht aufhören, nach Ihren eigenen Eingebungen zu handeln, höre ich sofort auf. Sie dürfen nichts auf eigene Faust tun. Wie kommen Sie dazu, sie gehen zu lassen? Wer hat Ihnen das gesagt?“
„Mein Kontrollgeist“, antwortete er.
„So, Ihr geistiger Leiter also.“
„Ja, mein geistiger Leiter.“
„Da hast dus schon“, dachte André, „was nun? Er kann bei allem seinen Kontrollgeist anrufen." Und wenn er nun auch sagte, dass sein geistiger Leiter – Alcar – ihm gesagt hatte, es nicht zu tun, was dann? Das wurde schwierig. Doch auch nun wurde ihm geholfen. André sah, dass Alcar sich mit noch einem Geist neben ihm manifestierte, und er hört ihn sagen, dass er gut zuhören solle.
„Dieser Geist, der hier bei mir ist, war früher sein Hausarzt. Er weiß, was der Mann tut und will dies ungeschehen machen. Sage ihm, André, dass dieser Geist nicht bei ihm ist, und nie bei ihm gewesen ist. Er sollte seinen Namen ruhen lassen. Doch bereite ihn vor und gebe ihm Beweise. Ich werde dir dabei helfen.“
Hier spielte sich etwas ab, wovon der Alte nichts wusste, hörte oder sah. André fragte ihn, ob er seinen geistigen Leiter, oder Kontrollgeist, gut kenne.
„Aber natürlich, er ist Tag und Nacht um mich herum und steht mir in allem zur Seite.“
„War er Ihr Hausarzt?“
„Richtig“, sagte er, „wie glänzend Sie sehen.“
„Das hat nichts hiermit zu tun; ich finde es einfach, da es mir durchgegeben wird. Wissen Sie bestimmt, dass es Ihr geistiger Leiter ist?“ Danach gab André ihm eine Beschreibung von dem Geist, der sich neben Alcar manifestierte.
„Ja, absolut, er ist es; ich werde doch wohl meinen geistigen Leiter kennen?“
Nun bekam André Mitleid mit ihm, weil dennoch ein Kern in ihm steckte, der Gutes wollte. Aber leider besaß er nun einmal nicht die Gabe.
„So hören Sie, ich habe eine Botschaft für Sie.“
Er spitzte die Ohren, rieb sich wieder die Hände, was offenbar seine Angewohnheit war, und lauschte.
„Es wird mir gesagt, dass der Arzt, dessen Namen Sie gebrauchen, nicht Ihr Kontrollgeist ist, und auch niemals gewesen ist. Auch hat er nicht gesagt, dass Sie diese Patientin behandeln sollen.“ „Ja“, sagte er, „aber es geht doch aufwärts mit ihr." Es war, als ob er damit alles wieder gutmachen wollte. „Ich verstehe es nicht, er kommt doch stets auf unseren Séancen durch und gibt mir in allem Rat.“
André spürte Widerstand. „Sehen Sie mal, ich sehe diesen Arzt; Sie erkennen ihn, was beweist, dass ich richtig sehe. Aber warum nehmen Sie nun die andere Botschaft nicht an? Er gibt Ihnen die Wahrheit, was, meiner Ansicht nach, eine Gnade ist; denn viele tun das Gleiche und man lässt sie gewähren, Sie aber werden auf Ihre Fehler hingewiesen. Meinen Sie nicht, dass Sie dies alles werden gutmachen müssen? Vor allem, wenn Sie wissen, dass das Leben ewig ist. Spüren Sie nicht, wie es allem widerspricht, was im Geiste Wahrheit ist? Dieser Doktor ist zur Erde gekommen, um Ihnen zu sagen, dass er es nicht ist und nie gewesen ist.“
„Sollte ich mich denn geirrt haben“, gab der Alte zur Antwort.
„Wie können Sie sich irren? Wer hat Ihnen gesagt, dass er es wohl sei? Kurzum, wer hat Ihnen die Gewissheit gegeben, dass sie gesund wird?“
Wieder versuchte er deutlich zu machen, dass es mit ihr aufwärts ginge, und André überließ ihn seinen eigenen Ansichten. Er würde ganz gewiss tun, was sein geistiger Leiter ihm sagte.
Alcar sagte nun, dass er weitermachen solle, und wieder vergingen einige Wochen, in denen sich nichts Besonderes ereignete. Eines Morgens, als er die Patientin behandelte, fühlte er, dass sie heftige Magenkrämpfe hatte, und er fragte Alcar nach der Ursache dieser Symptome. „Sage dem Magnetiseur zum letzten Mal, dass wir ihn seinem Schicksal überlassen werden, wenn er nicht aufhört.“ Was war geschehen? Der alte Mann hatte sie Spinatwasser trinken lassen, um ihren Stuhlgang zu fördern. Es war mehr als furchtbar; dadurch hatte sich ihr ganzer Zustand geändert. Wie kam er dazu, dieser Kranken selbst erfundene Medizinen zu verabreichen? André hatte noch nie eine einzige Medizin verabreichen müssen, weil er Kranke lediglich mit magnetischer Strahlung behandelte. Es beängstigte ihn.
„Warum lassen Sie das zu?“, fragte er die Tochter. „Spüren Sie denn nicht selbst, dass es für sie nicht taugt?“
Nun erst wurden ihr die Augen geöffnet, und auch die Patientin wollte lieber den jungen „Doktor“ als den alten haben. Laut der Kranken redete der alte zu viel. Sie versprach ihm, dass sie nun aufpassen würde und dass sie ihn wegschicken würde, falls er nicht hören wolle. Es sei ein Rätsel, dass André alles so wüsste.
„Nun sehe ich das Gute und das Böse“, sagte sie. „Diejenigen, die diese Gabe besitzen, und diejenigen, die sich dafür ausgeben und sie nicht besitzen. Pfui“, ließ sie darauf folgen, „wie gefährlich diese Leute sind; ich will ihn nicht mehr in meinem Haus haben, es ist aus und vorbei.“
André riet ihr, nichts zu unternehmen, als allein auf ihn aufzupassen, er müsse seine Lektion fürs Leben noch erhalten. André verstand nun noch besser: Das war der Mediumismus, der mehr zerstörte als aufbaute. Dem waren die Menschen ausgeliefert, und der Mann ging von einem zum anderen. Wie viele sollten auf dieselbe Weise zugrunde gegangen sein? Die Gutgläubigen würden nicht durch die Maske aus Bibel und Heiligen hindurchsehen können. Jener Mediumismus war einfach; es kostete keine Anstrengung und brachte keine Verantwortung mit sich. Aber er wollte es nicht, und er an seiner Stelle würde niemals daran gedacht haben, sich dennoch als Medium auszugeben. Es gab Hunderte wie diesen Mann. Die wahre Gabe wurde besudelt.
Wieder verging eine Woche. Der alte Mann fand, dass es der Kranken außergewöhnlich gut ginge, und er sagte es ihrer Tochter. Sie aber ging nicht mehr auf sein Sehen ein und wartete ab, bis André kommen würde und es ihr sagen würde. Eine Woche darauf fand der alte Mann, dass es ihr noch besser ginge, und er sagte: „Siehst du wohl, wir haben es geschafft, es geht aufwärts.“
Es wurde Montagmorgen, und André ging sie wie gewöhnlich besuchen. Ihre Tochter kam ihm bereits entgegen und sagte: „Der alte Mann findet, dass es ihr außergewöhnlich gut geht, aber ich traue dem nicht. Es geht ihr meiner Meinung nach zu gut, das kann schon mal kein gutes Omen sein.“ Als er zu der Kranken kam, sah er mit einem Blick, dass die Tochter eher hellseherisch war als der alte Mann. Wahrlich, es war verdächtig. Sofort hörte und sah er Alcar, welcher ihm sagte, dass er sich scharf auf ihn konzentrieren solle. An diesem Morgen dauerte es lange, und als er aus seiner Trance zurückkehrte, sagte Alcar ihm, dass es bald zu Ende gehen würde. „Sie geht noch diese Woche hinüber. Ich werde dir im Voraus Bescheid sagen, aber auf jeden Fall diese Woche.“
André sagte es ihrer Tochter, und diese vertraute ihm vollkommen. „Für sie würde ich es herrlich finden, denn dann braucht sie nicht mehr zu leiden. Es geht schließlich weiter mit uns“, ließ sie darauf folgen. „Ich werde um ihr Hinscheiden nicht trauern und gönne ihr das Glück dort von Herzen.“ André fand sie tapfer und stark, so hörte er nicht allzu oft jemanden reden. Sie war überzeugt und bewies, dass jene Überzeugung ihr half. „Aber wann“, sagte sie, „erhält dieser alte Mann nun seine Lektion fürs Leben?“ Ja, André wusste es auch nicht, und er sagte ihr, dass sie nur abwarten solle.
Dienstagmorgen kam der alte Mann wieder. Er fand, dass es ihr ganz normal ginge und sagte, dass er so furchtbar viel zu tun hätte und nicht eher als nächste Woche Freitag wiederkommen würde. Er, André, würde diese eine Woche wohl allein damit fertig werden. Er müsse außerhalb der Stadt vielen Menschen helfen. Sie war damit einverstanden und er ging fort. Jeden Morgen ging André sie nun besuchen, um ihr in ihren letzten Tagen beizustehen. Ihr Ende nahte. Es wurde Donnerstag. Ihre Atemwege waren verschleimt, und dadurch konnte sie nur schwer atmen. Doch sie war sich von allem, was um sie herum geschah, bewusst. Sie lag ruhig und gefasst da, und sie fühlte, dass ihr Ende nahte. Am Freitagmorgen ging es ihr noch schlechter, und um ihr Bett herum sah er verschiedene Intelligenzen, die sie wohl holen würden. Alcar sagte ihm, dass er sich auf ihn konzentrieren solle, weil er ihm dann verschiedene Bilder durchgeben würde. Die Kranke sah ihn an und durchbohrte ihn mit ihren Blicken, wie auch Annie es einst getan hatte, doch er konnte es ertragen. Innerlich sprach er zu ihr. Auch sie hatte Angst vor dem Tod. Wie gerne würde er es nicht für sie übernehmen. Er war vierunddreißig Jahre alt – sie war eine Frau von vierundsechzig. Der Tod war ein mächtiger Erlöser, aber sie wusste nichts davon, obwohl ihre Tochter doch mehrmals mit ihr darüber gesprochen hatte, dass sie einander einst wieder sehen würden. Sie nahm es nicht an; für sie wurde es kein Besitz.
Er blieb lange bei ihr und sah, dass liebevolle Hände ihr beistanden und sie bestrahlten. Ihr Vater und ihre Mutter waren bei ihr, waren zur Erde zurückgekehrt, um ihr Kind zu holen. Liebe sah er, nichts als Liebe, bis weit über das Grab hinaus. Ach, könnten die Menschen das nur annehmen! Sie war stets eine gute Mutter gewesen und würde deshalb glücklich sein. Er sagte ihrer Tochter, was er hatte wahrnehmen dürfen, und dass gegen Abend ihr Ende kommen würde. Die Kranke läge in einem tiefen Schlaf, und er würde des Mittags noch kurz wiederkommen. Doch als er des Mittags zu ihr kam, war ihr Zustand unverändert. Sie hatte nach der Behandlung den ganzen Morgen über geschlafen und war sehr ruhig. Noch war sie sich von allem bewusst. Man hatte allen Respekt vor seiner Hilfe, und ihre Tochter hatte bereits angefangen, Alcar zu lieben. „Wahrlich“, so sagte sie, „in jenen Händen fühlt man sich sicher.“ Es bewegte sie tief, wie alles verlaufen war. Noch eine Woche und die vier Monate waren um. Wer zweifelte jetzt noch an einem ewigen Fortleben? Sie war für ihr ganzes Leben überzeugt, und es hatte ihr einen großen Halt und Vertrauen gegeben. In Gedanken wünschte er der Kranken eine gute Reise und ging fort. Seine Aufgabe war zu Ende. Während er nach Hause ging, dachte er an den alten Mann. Wann würde dieser nun seine Lektion fürs Leben erhalten? Er wollte es Alcar nicht fragen, da er keine Sekunde daran zweifelte.
Als er am selben Abend bei Freunden war und mit ihnen über ihr Hinscheiden gesprochen hatte, bekam er plötzlich eine wunderschöne Vision von ihrem Übergang. Seine Freunde, die ihn beobachteten, fragten: „Was siehst du dort oben?“ „Was ich dort sehe? Das werde ich euch gleich erzählen.“ Alcar sagte ihm, dass er Acht geben solle, kein Wort wurde gesprochen. André konzentrierte sich auf seinen geistiger Leiter, und zu einem bestimmten Zeitpunkt sah er, wie sie hinüberging. „Seht auf die Uhr“, sagte er zu seinen Freunden, „meine Patientin geht hinüber, sie werden mich anrufen, ich geh schon mal hin."
– Es war eine Minute vor halb elf. „Dies wird für euch ein fabelhafter Beweis dafür sein, wie Alcar über mich und sie wacht. Es wird noch schöner, wenn ich weg bin, da sogleich angerufen werden wird.“ André ging fort. Und als er nach Hause kam, waren sie bereits dort gewesen, um ihm mitzuteilen, dass sie um eine Minute vor halb elf hinübergegangen war. Es war wunderbar. „Alcar“, dachte er, „wie groß du bist." Wie wahr, wie großartig war alles. Alle, die ganze Familie, hatten Ehrfurcht vor seinem geistigen Leiter. Dafür fand man keine Worte. Es war Liebe, nichts als Liebe. Am Dienstag wurde sie begraben. Am Donnerstagmorgen kam ihre Tochter ihn besuchen, um ihm für alles zu danken. Für Alcar brachte sie Blumen mit, was André außerordentlich freute. Ihm kam alles zu, er war sein geistiger Leiter. Der unsichtbare Mensch wurde nicht vergessen. Alcar sagte ihm, dass er ihr in seinem Namen danken solle.
„Nun ist alles vorbei, André“, sagte die Tochter. „Aber ich wollte doch gerne einmal wissen, wann dieser alte Mann nun seine Lektion erhält. Es geht schließlich nicht mehr, Mutter liegt unter der Erde. Woher sollte die Lektion kommen? In all den aufreibenden Tagen habe ich nicht mehr daran gedacht.“ Da hörte André, wie Alcar einige Worte sagte, und darin lag alles: „Freitagmorgen erhält er seine Lektion fürs Leben.“ Beide verstanden sie auf der Stelle die Bedeutung dieser Worte. Sie waren simpel, aber dem alten „Doktor“ würden sie furchtbar durch die Seele peitschen. Das würde ihm eine Lehre sein, sodass, wenn er sie richtig verstehen würde, er es sein ganzes weiteres Leben nicht mehr wagen würde, zu Geistern aufzublicken. Die Tränen des Mitleids kullerten über ihre Wangen. Hieran war nichts zu ändern, denn er würde wiederkommen. Man konnte die Kranke schließlich heilen? Wie furchtbar wird es für ihn sein, dass er solch eine Lektion aus dem Geiste erhalten muss. Alles würde vor seinen Füßen in Scherben gehen. André sah ihn als einen gebrochenen Mann, und sie hatten Herzensmitleid mit ihm. Doch es war abermals ein Moment, da Alcar ihr Respekt abnötigte. Es war ein Beweis dafür, dass Geister alles wissen und Monate im Voraus sehen können, wenn sie es wollen und es notwendig sein sollte. Es wurde Freitagmorgen, und der alte Mann sollte dann wiederkommen. Ihre Tochter berichtete ihm später Folgendes:
„Ich stand in der Tür, als er, wie immer, fröhlich anmarschiert kam und sagte: ‚Da bin ich wieder.‘ Das Herz schlug mir bis zum Hals hinauf. Ich konnte kein Wort sagen. ‚Wie stehen die Dinge hier‘, war seine Frage, ‚gut? Wie geht es Mutter?‘ Ich konnte noch immer nichts sagen und traute mich nicht, ihn anzusehen. Der alte Mann sah mich an und er spürte, dass etwas nicht stimmte. Er lief rot und blau an und fragte plötzlich: ‚Nun, was ist, kann ich Mutter behandeln?‘ ‚Armer Kerl‘, dachte ich. Doch ich sagte zu ihm: ‚Mutter? Mutter?‘ – und ich fühlte, dass meine Trauer wieder aufkam, was ich nicht verbergen konnte – ‚dann müssen Sie zum Friedhof gehen, dort liegt sie.‘ Diese Worte peitschten durch seine Seele. Er sah mich an und ich glaubte, dass er zusammenbrechen würde. ‚Mein Gott‘, sagte er, ‚wahrlich, wahrlich, das ist ein Medium.‘ Er schien plötzlich nur an Sie zu denken. Er drehte sich um, rannte aus der Straße und war verschwunden. Es tat mir weh für ihn.“
Der alte Doktor hatte seine Lektion fürs Leben erhalten. Durch all dies hat André viel gelernt: dass die Geister alles über uns wissen und sicher einen Intellekt besitzen, der den des noch im Stoffkörper Lebenden weit übertrifft.
Gibt uns das nicht die Kraft, das Kreuz, das uns von Gott auferlegte wurde, zu tragen? Wenn wir unsere Liebe im Geiste abstimmen wollen, werden wir einst Licht sehen und Glück besitzen, eine gleiche Liebe, eine gleiche Weisheit besitzen wie diejenigen, die im Jenseits leben. Wenn wir unser irdisches Leben nicht verpfuscht haben, erwartet man uns im Jenseits.
Es ist für jeden Platz, weil es in Gottes Haus viele Wohnungen gibt. Wenn wir wollen, erwartet uns dort ewiges, ewigliches Glück.