KAPITEL 9.
Der Mensch denkt, Gott lenkt

André war schon seit langem verheiratet und nun befand sich seine Frau in gesegneten Umständen. Jahre des Wartens auf das Glück, das einfach nicht kommen wollte, waren vergangen und nun freute er sich, dass ihm ein junges Leben geschenkt werden sollte. Tagaus, tagein betete er, dass Gott Weisheit, Kraft und Liebe in das Wesen hineinlegen möge. Oh, er liebte Kinder so sehr. In einem jungen Leben las er wie in einem offenen Buch und er spürte den Seelenzustand des Wesens. Er würde eine Mutter auf verschiedene Gefühlsübergänge hinweisen können, wodurch sie ihr Kleines kennen lernen konnte. Doch er wagte es nicht, sich mit Kindern zu verbinden, weil eine Mutter nicht wollte, dass sich andere in ihre Liebe einmischten. Falls er dieses große Glück empfangen durfte, würde er im Stillen auf sein Kind einwirken und ihm seine Liebe spüren lassen. Gerade durch Gedankenkonzentration würde er sich mit dem Kind verbinden, wodurch es sich gleichzeitig im Geiste entwickeln würde. 

Doch wenn er innerlich über all diese Dinge sinnierte, spürte er, dass irgendetwas in ihm aufkam, das sein Glück störte. Es war seltsam, jenes Gefühl hinderte ihn daran, um über das, was bald eintreten sollte, glücklich zu sein. Es wurde immer stärker, sodass er fast nicht mehr an sein Kind zu denken wagte. Wenn seine Frau darüber sprach, was doch täglich notwendig war, dann ergriff ihn ein kalter Schauer, dessen Bedeutung er einfach nicht erfassen konnte. Dann führte er lange Selbstgespräche, fragte er sich, warum er nicht glücklich sein konnte, und versuchte er, dieses Rätsel zu lösen. Wenn er die Kleiderchen anfasste, war es, als schlüge sein Herz schneller und würde ihm der Atem genommen. Irgendetwas war mit diesen Kleidchen, was er deutlich spürte. Nur was? Irgendetwas hielt ihn zurück, um bereits jetzt voller Glück den großen Augenblick herbeizusehnen, an dem ihm das junge Leben geschenkt würde. 

So vergingen einige Monate. Wenn nicht darüber gesprochen wurde, herrschte auch in ihm Ruhe und Gelassenheit; doch wenn seine Frau über ihren Besitz zu reden begann, spürte er wieder seine Angst aufkommen, was ihn gänzlich aus der Fassung brachte. Er ließ sie nichts davon merken, er wollte es alleine ausfechten. Sollte ihm das Kind gegeben werden, oder sollte irgendetwas geschehen, sodass ihnen dieses Glück vorenthalten wurde? 

Wenn er seinen geistigen Leiter darüber befragen wollte, bekam er keine Antwort, und dann spürte er, dass Alcar nicht darüber reden wollte. „Ich gehe zu tief auf meine Gefühle ein“, dachte er dann, „alles ist doch in Ordnung." Seine Frau fühlte sich gesund und er musste diese ängstlichen Gedanken von sich abschütteln. Dann kehrte das Glück in ihn zurück und dachte er an viele schöne Dinge. Welch ein großes Glück war es, um so etwas empfangen zu dürfen! 

Aber nach einigen Tagen war es wieder genau dasselbe. Er spürte zweierlei Kräfte in sich: Leid und Glück. Das Leid trachtete das Glück zu verdrängen, und manchmal musste das Leid den Kürzeren ziehen. Aber dann kam es wieder zurück und störte seine Ruhe, sodass von all seinen Herrlichkeiten nichts übrig blieb und sein Kampf erneut begann. Oft überlegte er, wer gewinnen würde, denn dass es etwas bedeutete, das stand für ihn fest. Ließ Alcar ihn spüren, dass irgendetwas geschehen sollte? Würden sie auf das Glück, auf das sie jahrelang gewartet hatten, verzichten müssen? War es ihnen nicht beschieden? Aber kurze Zeit später schüttelte er auch das wieder von sich ab und wollte er nicht mehr daran glauben. Er wollte das junge Leben behalten, und so stellte er sich Fragen und beantwortete er diese nach dem Gefühl, das Kind besitzen zu wollen. Er ergründete die Gefühle seiner Frau, doch es gab nichts an ihrem Zustand, worüber er sich zu beunruhigen brauchte. Sie arbeitete tagaus, tagein und sie hatte sich noch nie so gut gefühlt. 

Plötzlich sagte ihm Alcar, dass er mit seinem zweiten Buch anfangen solle. Oh, das war wunderbar, dann brauchte er nicht so viel an seine Angst zu denken, die einfach nicht weichen wollte. Er machte sich bereit und harrte der Dinge, die kommen sollten. Er sollte, was er bereits wusste, auf Erden über alle Situationen schreiben, die er im Geiste erlebte. Dazu gehörten die vielen Heilungen auf Erden, die er durch Alcar hatte zustande bringen dürfen, und von denen einige äußerst wundersam waren. 

Er holte Schreibpapier und einige Tage bevor Alcar anfangen sollte, sah er das gesamte Werk vor sich und wusste er, wie die Reihenfolge der Kapitel sein sollte. Nichts von allem, was er hatte erleben dürfen, war verloren gegangen. Wenn er einmal verbunden wurde, schrieb er ein Kapitel nach dem anderen. 

Manchmal schrieb er hundert Blatt Papier nacheinander voll und konnte nicht genug bekommen. Müdigkeit verspürte er nicht, da er sich in einer besonderen Abstimmung befand. Binnen einiger Wochen war denn auch das gesamte Werk fertig gestellt. Die Fähigkeit, um auf mediale Weise zu schreiben, war eine wundervolle Gabe. Alle anderen Gaben, die er besaß, ruhten dann und konnten, falls es notwendig war, wieder angesprochen werden. Wenn er schrieb spürte er nichts mehr vom irdischen Leben und lebte er in einer anderen Welt. Manchmal blieb er wochenlang in dieser Abstimmung. Länger durfte es nicht währen, da es zu viel körperliche Anstrengung kostete. 

Merkwürdige Dinge erlebte er manchmal. Eines Morgens war er früh aus dem Haus gegangen, um seine Patienten zu besuchen. Er ging und fuhr mit der Straßenbahn und half seinen Menschen, und als er mittags in seinem Zimmer saß, schrak er auf einmal hoch. Er konnte sich nicht einmal erinnern, ob es Mittag oder Abend war. „Oh, ich habe mich verschlafen“, dachte er und schnellte zu seiner Frau, um sie zu fragen, warum sie vergessen hatte, ihn zu rufen. Dann kehrte sein irdisches Bewusstsein wieder langsam in ihn zurück und ließ Alcar ihn erkennen, dass er sein Werk gut vollbracht hatte. So tief versank er dann in seinem geistigen Leben. 

Ein anderes Mal bat ihn sein Frauchen, um mit ihr spazieren zu gehen. Er hörte sofort auf und ging mit ihr in die herrliche Natur. Eine Stunde lang waren sie draußen gewesen, und als er nach Hause kam, fühlte er sich direkt wieder in seinen Schreibzustand aufgenommen. Als seine Frau ein Stündchen später zu ihm kam, fragte er sie, wie das Wetter sei, weil ihm so kalt war und er sich so unglücklich fühlte. Von seinem Spaziergang wusste er nichts, und trotzdem hatte er mit ihr über verschiedene Dinge gesprochen. „Das ist seltsam“, sagte sie. Als er darauf das Geschriebene nachlas, sah er, dass er über die finsteren Gefilde geschrieben hatte, dort, wo die unglücklichen Geister lebten, die sich auf Erden vergessen hatten. Während des Schreibens zog er jene Einflüsse an und war mit ihnen verbunden. Einmal geschah es, dass er während des Schreibens hörte wie gesagt wurde: „Es wird geklingelt, André, und es ist niemand zu Hause, denn dein Frauchen ist ausgegangen." Er stolperte zur Tür und öffnete diese von innen mit dem Schlüssel. Dort vor ihm stand ein Unbekannter, den er fragte, was er wünsche. Es war jedoch seine Frau, die ohne Schlüssel fortgegangen war; sie ging ruhig an ihm vorbei, wissend, dass er wieder in einer anderen Welt war. André konnte sich dann später an nichts mehr erinnern. Trotzdem spürte er bei allem, dass über ihn gewacht wurde, er konnte sich willig hingeben und wusste, dass Alcar für ihn sorgte. Deshalb war er froh, er konnte jetzt nicht an seine Angst denken. 

Ein Kapitel folgte dem anderen, bis er an eine Stelle kam, wodurch seine Angst zurückkehrte. Er hatte mit „Himmel und Hölle“ angefangen, und darin kam eine Passage über das Hellsehen der Mutter vor. Das Wunderliche war, dass er darüber bereits mit seiner Frau gesprochen hatte, weil auch sie in ihrem Zustand die Fähigkeit des Hellsehens besaß. „Aber warum“, dachte er, „schreibe ich gerade jetzt darüber, während sie sich in diesem Zustand befindet?" War es Zufall? Hatte es was zu bedeuten? Er las es wohl zehnmal hintereinander und dadurch spürte er, dass seine Angst wiederkehrte. In jenem Kapitel sagte Alcar den Müttern, dass sie ihre Kleinen, die hinübergingen, wieder sehen würden. Er stand den Müttern in ihrem tiefen Leid zur Seite, trachtete ihnen jedoch gleichzeitig klarzumachen, dass Abstimmung dazu erforderlich war, wollten sie ihre Kleinen wieder sehen. Es war furchtbar, seine Seele brannte. Er wehrte sich dagegen mit aller Gewalt, doch es wollte nicht weichen. „Ich schreibe über meinen eigenen Kummer und Schmerz“, dachte er, „meine Frau würde die erste sein, der Alcar zur Seite stehen wollte. Das ist doch nicht möglich?" Lange dachte er nach; dann nahm er den furchtbaren Entschluss, nicht weiterzuschreiben, und zerriss das Kapitel. Er glaubte verrückt zu werden. Wenn er es nicht erlebt hätte, so würde er gemeint haben, unter schlechtem Einfluss zu stehen. Doch er hatte alles durch Austritt mitmachen dürfen und nun zweifelte er nicht daran. Dennoch weigerte er sich entschieden. 

André rebellierte! So war er noch nie gewesen und er kannte sich selbst nicht mehr. Innig betete er zu Gott, dass er diesen Kelch an ihm vorübergehen lassen möge. Die ganze Woche lief er damit herum, und er fühlte sich von der Angst befreit. Trotzdem nagte irgendetwas an seinem Inneren. Ach, es war so schwer. Er war dabei, um das, was er in vielen Jahren des Kampfes aufgebaut hatte, zu zerstören. Er machte das Heiligste kaputt, seine Verbindung mit Alcar. Er, der für das Jenseits sein Leben geben wollte, weigerte sich für ihn zu wirken. War das nicht schrecklich? Er sah sich selbst in den Sphären und spürte den großen Augenblick an sich vorüberziehen, da er Alcars Haus wieder verlassen sollte. Er sah, wie er vor seinem geistigen Leiter niederkniete und hörte sich sagen: „Viel kann ich nicht sagen, doch ehe wir von hier fortgehen, wollte ich dir etwas sagen“. Er traute sich nicht daran zu denken, ihm schauderte vor seinen eigenen Worten. Er versprach Alcar, dass er es ihm nicht schwer machen würde – und was tat er nun? Er, Alcars Instrument, weigerte sich. Nein, es war kaum zu glauben. 

Im Stillen suchte er Papier, legte alles wieder bereit und wartete ab, ob sein geistiger Leiter anfangen würde. Er brauchte seine Hilfe, denn allein würde er nichts davon zustande bringen. Wenn er alleine weiterschreiben müsste, würde ihm davor schwindeln, um all die psychischen Zustände auseinander zu halten und alle geistigen Abstimmungen, die er erlebt hatte, zu unterscheiden. Nun wurde seine Angst noch größer, es war die Angst dass er seinen geistigen Leiter verlieren musste. Nächtelang hatte er nicht geschlafen. Und innerlich bat er um Vergebung, betete er ganz innig, dass er doch nur wieder anfangen dürfe. 

Eines Nachmittags spürte er, dass Alcar schreiben wollte, und er fuhr fort, ohne ihm etwas zu sagen. Bald war das Kapitel fertig und es war noch schöner als beim ersten Mal. Dann kamen wieder andere Zustände und stieg er in die Hölle hinab, um diese mit all ihren Schrecken festzuhalten. Abermals fühlte er sich eins mit denen, die dort lebten. Ihre Einflüsse waren so intensiv, dass es selbst während des Schreibens auf seinen Stoffkörper einwirkte. 

Als er auch damit fertig geworden war und sein Frauchen, das neben ihm saß, ihn ansah, rief sie auf einmal verwundert aus: „Wie alt du aussiehst! Du siehst aus wie sechzig." Er erzählte ihr, wie das möglich sei und versuchte sich davon zu befreien, was ihm vollständig gelang. Er war so empfänglich, dass die Kräfte selbst jetzt, da er in seinem Stoffkörper lebte, noch Einfluss auf seinen Körper hatten. Dann zog er sich allmählich wieder in sein bewusst stoffliches Leben zurück und spürte er, dass er sich löste. 

Als er mit Alcar in den finsteren Sphären verweilte, hatte er ihr Leben kennen gelernt und ihre Kräfte gespürt. Sie hatten ihn verschiedene Male überfallen. Nun war er glücklich, dass auch das vorbei war. Nach den finsteren Sphären begann er mit den höheren, und er spürte, dass abermals Angst in ihm aufkam. Es war das Kapitel, wo Alcar ihm die Kindersphäre zeigte und abermals zu den zurückgebliebenen Müttern sprach, um ihnen beizustehen. Seine Angst wurde noch größer, als Alcar ihm sagte, dass er vorläufig aufhöre – er würde später wieder damit fortfahren. Dieses Warten bedeutete etwas. Alcar hatte dort aufgehört, wo er den betrübten Müttern erzählte, wo ihre Kleinen lebten. Er dachte wieder an das Kind. Musste es denn doch sterben? Abermals wurde das Glück durch Leid zerstört, zerbröckelte es und ging zu Bruch. Sein Glück war nur von kurzer Dauer und Leid schlich sich in seine Seele. 

Seine Frau ließ er nichts merken, mit keiner Möglichkeit konnte er das. Trotzdem musste er sie vorbereiten und er fing mit ihr ein Gespräch über die Sphären an: 

„Hör mal zu Anna, dann werde ich dir etwas über die Kindersphäre vorlesen; dann wirst du einmal hören, wie schön es dort ist, wo die Kleinen der Erde leben, die jung hinübergegangen sind. Oh, es ist dort so wunderschön. Die Kleinen leben dort in Palästen und kein Königskind der Erde wird das Glück besitzen, das sie dort empfinden. Ich habe schon eher mit dir darüber gesprochen, aber nun ist es festgehalten." Doch sie wollte nichts von Sphären wissen und er spürte, dass er aufhören musste. 

Er fand sich selbst einen Rohling, um jetzt darüber anzufangen, jetzt, da sie sich in diesem Zustand befand. Trotzdem kam dieser starke Drang abermals in ihm auf und fing er erneut damit an, sie vorzubereiten. „Wenn du Zeit hast solltest du es einmal lesen“, sagte er, und wartete ab, ob sie darauf einging. Sie tat es jedoch nicht. Er bebte innerlich, wenn er daran dachte, was der jungen Mutter bevorstand. An einem anderen Abend, als er spürte, dass es möglich war, begann er wieder von den Kindersphären zu erzählen. 

„Du solltest einmal zuhören“, sagte er zu ihr. André spürte, dass er innerlich verbunden wurde und erzählte ihr, was er in hellsehendem Zustand wahrnahm. „Die Kleinen werden dort von hohen Geistern erzogen." Er sprach glutvoll und er legte all seine Kraft in sein schreckliches Plädoyer. 

„Wie herrlich und schön ist es doch, um all das als irdischer Mensch erleben zu dürfen; und wenn es Menschen gibt, die ihre Kleinen missen müssen, dass du ihnen auf diese Weise beistehen darfst. Welch eine große Gnade das doch ist, findest du nicht auch?“ 

„Ja“, sagte sie plötzlich, „aber du willst das Kleine doch nicht missen? Sie mögen es dort noch so gut und schön haben – du willst doch dein Kind nicht hergeben?“ 

André spürte Widerstand. „Missen, nein, das nicht“, fuhr er fort, „denn du wirst es schließlich wieder sehen. Es wächst dort weiter auf und wird dich in strahlender Schönheit erwarten, wenn auch wir einst hinübergehen werden. Die Verbindung ist auf ewig, und du bist doch mit dem Kind verbunden?" In diesem Augenblick wagte er alles. Mit aller Gewalt versuchte er seinen inneren Zustand zu verbergen und sagte zu ihr: „Aber du weißt doch nie, was Gottes Wille ist, und stell dir nur einmal vor, dass es uns genommen würde." 

Er ergründete sie, um ihren inneren Zustand zu erfühlen. „Dann nimmt Gott das Wesen zu sich und ist es vor viel Leid und Schmerz bewahrt. Das ist für viele Mütter doch ein großer Halt.“ „Das ist alles gut und schön“, sagte sie, „aber du willst es doch nicht verlieren?“ 

Er war wieder da, wo er angefangen hatte. 

Trotzdem musste es sein – sie brauchte ja noch nichts zu wissen. Wenn auch nur ein kleines Fünkchen in ihr hängen blieb, es würde später ihr Halt sein, um das Leben wieder aufzunehmen. Zaghaft begann er: „Wenn du liest, wie furchtbar es ist“ – doch er kam nicht weiter, sie fiel ihm ins Wort und sagte: 

„Hör doch um Himmels willen mit deinem ewigen Sterben auf. Ich will Gommel nicht missen, für keine tausend Himmel und Paläste, ich will Gommel behalten, und jetzt genug davon.“ 

André erschrak. Er war zu weit gegangen. „Gommel“, dachte er, „was ist das nun wieder für ein Wort?" Seine Frau war Wienerin und sie sagte ihm, dass es ihr Dialekt sei und übersetzt „kleiner Zwerg“ bedeutete. Es sei ihr Lieblingsname für das Kleine, das sie trug. „Ich gehe im Sommer mit Gommel spazieren“, fügte sie hinzu, um gleichzeitig auf die Kleiderchen zu blicken, die sie bereits für ihren Gommel angefertigt hatte. André dachte: „Ich bin zu weit gegangen, wenn sie meine Angst nur nicht spürt." Ihm zerriss es das Herz, und es blutete ihm. Er allein besaß auch nur diese Wissenschaft. Er fühlte sich ratlos und seine Angst wurde immer größer, immer intensiver. Sollte sie etwas gemerkt haben? Als sie zurückkam ergründete er sie abermals – jetzt allerdings, um herauszufühlen, ob sie etwas gemerkt hatte. Er nahm sich vor, um nicht mehr darüber zu sprechen 

und sagte zu ihr: „Wie werden wir im Sommer spazieren gehen!" Das berührte sie und sie sprach selbst darüber weiter. André war glücklich, zu bemerken, dass sie auf sein Gespräch von soeben nicht eingegangen war. 

Ihr Glück lag in ihr, und das war ihre Überzeugung; ihre Abstimmung war so anders als die seine. Es war der Besitz des Lebens, woran sie nicht eine Sekunde zweifelte. 

Was nun? Er erschrak über sich selbst. Es war schon rücksichtslos, um über solch eine Situation zu reden, während sich alles noch bewahrheiten musste. Was würde nicht alles geschehen können? Nein, er fand sich selbst schon merkwürdig, er sollte nicht so tief darüber nachdenken. Trotzdem dachte er: „Stell dir nur mal vor, dass ich es absolut akzeptiere, würde ich es dann noch länger vor ihr verbergen können? Ist dazu nicht übermenschliche Kraft erforderlich?" Würde er als irdischer Mensch diese Kraft besitzen? Was war die Bedeutung von all dem? Konnte er es verarbeiten? Er versuchte sich in jene Lage zu versetzen, spürte jedoch, dass er dem nicht gewachsen sein würde. Nun zweifelte er schon sechs Monate lang, ob er es akzeptieren sollte. Noch schwebte er zwischen beiden Gefühlszuständen, es war „ja“ oder „nein“. „Ja“ bedeutete Leid und Schmerz, und „nein“ Glück. „Nein“ lag ihm am nächsten und war am schwersten festzuhalten; das „Ja“ schlich sich jedes Mal in seine Seele, und dann spürte er einen Kampf auf Leben und Tod. 

Würde er auch dann noch zweifeln, wenn Alcar es ihn positiv sehen ließe? Wenn er des Morgens seine Patienten besuchen ging, dann legte er den Zettel so hin, dass sie ihn sehen musste, doch sie sprach kein Wort darüber. Sie war nicht zu erreichen; er konnte diese Mauer des Glücks nicht durchdringen. Es umgab sie wie eine Festung, sie ließ es sich durch nichts nehmen. 

Einige Tage darauf bekam er eine wunderschöne Vision. Er sah sich in einer Entbindungsanstalt, in der eine Mutter ein Kind gebar. Er erlebte alles. Er war ein unsichtbarer Zuschauer. Aber wie sehr er auch wollte, er konnte die Mutter nicht wahrnehmen, es war, als würde sie vor ihm verborgen gehalten. Es war ein Mädchen, das sie zur Welt brachte. Es war tot und er begriff, dass sich hinter dieser Vision eine große Wahrheit verbarg. Wie sehr er sich auch konzentrierte, er konnte ihr Gesicht nicht sehen. „Ein Mädchen“, dachte er, „und tot? Das ist doch nicht möglich?" Innerlich zerbrach es ihm das Herz, er fühlte sich so verletzt, dass es ihm blutete. Die unsichtbare Macht kam immer wieder zu ihm zurück, bis dass er es akzeptierte. Doch er wollte es nicht akzeptieren, er wollte das Kind, wollte nichts als das junge Leben! Wie furchtbar war es, um hellsehend zu sein und alles im Voraus zu sehen und zu spüren. Empfänglichkeit war wundervoll, doch für ihn bedeutete es jetzt nichts als Kampf, einen Kampf gegen sein Glück. 

Es war doch all zu arg, dass man ihn nicht in Ruhe ließ. Immer und immer wieder spürte er eine mysteriöse Einwirkung. War es Alcar? Wer sonst sollte es sein? Doch er trotzte jener unsichtbaren Macht und nahm sich heilig vor, alles von sich abzuschütteln. Nun war es zu einem offenen Kampf zwischen ihm und unsichtbaren Mächten gekommen. Man wollte ihm etwas aufzwingen, nichts als Elend, nichts als Kummer, man kam mit nichts anderem zu ihm. „Komm nur“, dachte er, „ich nehme es nicht an, niemals, wer es auch sein mag." Er wollte nicht sehen, nicht hören und nicht fühlen, vor diesem Problem lagen alle Gaben still, waren nicht in Gang zu bringen. 

Er spürte deutlich, dass er das Katz-und-Maus-Spiel spielte und war irgendwie neugierig, wer gewinnen würde. Es war ein grausames Spiel, wie es nur wenige auf Erden spielten. Nein, daran hatte er selbst nie gedacht; wie konnte das sein, wie war es möglich, um in solch eine Situation zu geraten? 

Es war trotzdem bemerkenswert, dass ihm – was seine anderen Gaben betraf – in allem geholfen wurde. In allem spürte er Alcar, und dennoch wusste er sehr wohl, dass er mit diesem Problem kollidierte. Er wagte nicht daran zu denken, nicht an Sphären, nicht an Austritte, nicht an Gemälde, an nichts. Er tat sein Werk mit ganzer Liebe, doch für diese grausame Wahrheit war er nicht zu erreichen. So vergingen wieder einige Tage, bis Anna ihn plötzlich fragte: „Was denkst du, was es wird?" Was es wird? Es traf ihn wie ein Dolch, denn da wurde er plötzlich mit seiner Vision verbunden. Es ergriff ihn zutiefst, es zerschnitt ihm das Herz. 

Er antwortete ihr, dass er es noch nicht wüsste, doch sein Kampf hatte wieder angefangen. Abermals dachte er an seine Vision. Er versuchte sich dennoch zu verbinden, um das Geschehen nochmals wahrzunehmen. Aber wie sehr er sich auch anstrengte, er sah nichts, es war keine Verbindung möglich. Und wieder schüttelte er es von sich ab und dachte nicht mehr daran. Trotzdem war er überzeugt, dass er ein fürchterliches Spiel spielte. Es war eine Komödie, wie er sie noch nie gespielt hatte und er selbst war der Hauptdarsteller. Eines Abends bekam er die Botschaft von seinem geistigen Leiter, dass er zeichnen wolle. „Für das Kleine“, fügte Alcar hinzu – was ihn glücklich stimmte. „Siehst du nun“, dachte er, „ich mache mir Sorgen um nichts. Alles ist bestens. Sie fühlt sich gut, keine Wolke am Himmel, die das Licht verdunkelt. Alcar zeichnet sogar." Mehr sollte und durfte er doch nicht verlangen. Sein Frauchen war glücklich, dass man im Jenseits Interesse für ihren Gommel zeigte. 

Alcar sagte ihm, dass die Zeichnung entweder über dem Bettchen des Kindes oder über ihrem Bett aufgehängt werden solle, und als er es ihr mitteilte, sagte sie: „Nein, wenn es für Gommel ist, soll es auch über seinem Bettchen hängen." André hatte wieder neuen Stoff zum Nachdenken: Warum so entschieden über seinem Bettchen oder über ihrem Bett? Bedeutete auch dies etwas anderes und war es die Absicht, dass es nicht über sein Bettchen gehängt werden sollte? Aber viel Zeit zum Nachdenken hatte er nicht, da Alcar ihn in Trance brachte und sein Interesse darauf eingestellt war. Es wurde eine wunderschöne Zeichnung. Gleich als Alcar zum ersten Mal daran arbeitete war sie wunderschön. Es war ein siebenzackiger Stern, mit einem Kreuz in der Mitte. 

Dann ließ Alcar sie für einige Tage liegen und hatte er Zeit zum Nachdenken. Das Kreuz, das darin gezeichnet worden war, gefiel ihm nicht. Es war kein Kreuz, wie Alcar es stets in seinen Werken zeichnete, mit denen er Glaube und Liebe darstellte. Der Stern bedeutete Bethlehem, die Geburt, aber wozu diente das Kreuz? Er zeichnete niemals solche Kreuze. 

„Sieben Zacken“, dachte er, „das bedeutet das Jenseits." Auf geistiger Abstimmung gab es sieben Sphären. Was beabsichtigte Alcar mit dieser Zeichnung? Zum soundsovielten Male wurde er rebellisch und spürte, dass sein Spiel wieder von vorne angefangen hatte. War Alcar sein Gegner? Nein, das wurde ihm zu dumm, er ging zu weit; wenn er das nur wieder gutmachen konnte! Er spürte, dass er sein eigen Leid und Schmerz zeichnete. Erst hatte er sein Elend festgehalten – nun zeichnete er, obwohl er nicht daran glaubte. Er zeichnete den Tod seines Kindes. Ach, wie schwer war es für ihn, dies zu akzeptieren. Er sah, dass die Zeichnung von einem Trauerflor umgeben war. Darin lag der Tod, und er spürte ihn. Hiervon konnte er sich nicht lösen, sein unsichtbarer Freund hatte über ihn gesiegt. Aber das war doch zu dumm. „Ich lebe doch noch auf Erden, ich kann mich doch von allem lösen“, dachte er, „wer sollte mich daran hindern?" Es lag ein Gefühl in ihm, das immer stärker wurde, das ihn rebellisch machte, das ihn anspornte, um nicht zu zeichnen. Ganz deutlich hörte er, wie gesagt wurde: „Zeichne nicht, du zeichnest den Tod deines eigenen Kindes. Was für ein Vater!" Er vernahm ein Lachen. „Zeichne nicht!" Er hörte nichts anderes mehr als diese Worte. So ging er zu Bett und lag stundenlang wach. Stets dachte er an die innere Stimme, die ihn gegen seinen geistigen Leiter aufwiegelte. Dies waren schlechte Einflüsse, die er durch seine Verweigerung auf sich gezogen hatte. Rebellisch fiel er in Schlaf; und als er morgens in gleichem Zustand wach wurde, war das Zerreißen der Zeichnung das Erste was er tat. Als er die Fetzen in seinen Händen hielt verspürte er einen kalten Schauer. Es war geschehen, er konnte nichts daran ändern. Mittags empfand er eine ungeheure Reue. Was hatte er getan? – Alcars Werk zerstört und das Geschenk für sie und das Kleine, und somit auch ihre Liebe vernichtet. 

Er spürte Alcar, wagte jedoch nicht ihn anzusehen. Vielleicht verstand er seinen furchtbaren Kampf. Auch er war nur ein Mensch mit vielen Fehlern. Trotzdem war es roh von ihm: er hatte die Liebe seines Kindes zerstört. Das war nun ein liebevoller Vater! Würde er das Kind großziehen können? Der Wicht war noch nicht einmal auf der Welt, und der Vater zerstörte bereits das Glück des Kindes. Er, der er alles Leben lieb haben wollte, hatte drei Menschen die Liebe genommen. War das nicht furchtbar? Konnte ein Vater den Tod seines eigenen Kindes zeichnen? Er wusste es nicht, aber er stellte sich doch zur Verfügung? War das menschlich? War das Liebe? Es war grob von ihm, um sich zur Verfügung zu stellen. Wollte Alcar das? Ein Geist der Liebe? Nein, er fand, dass er nicht falsch gehandelt hatte, indem er die Zeichnung zerriss. Er weigerte, sich hinzugeben. Doch eines Abends, während des Lesens seiner Zeitung, versetzte Alcar ihn wieder in Trance und zeichnete durch ihn. Er hatte nichts, aber auch gar nichts zu melden – es wurde gezeichnet. Nun war sie plötzlich fertig und wunderschön. Unter dem Stern lag ein Lebenszweig. Eine Zeichnung für Gommel, über die seine Frau sehr glücklich war. 

Alcar sagte ihm einige Worte, die lauteten: „Diese ist nun für das Kleine." Jetzt, wo er die Zeichnung fertig sah, fand auch er sie wunderschön. 

Nach dieser Zeichnung versetzte Alcar ihn abermals in Trance und fertigte eine andere symbolische Zeichnung an. Auch jetzt sagte Alcar nur einige Worte zu ihm: „Ich zeichnete einen Seelenzustand." Es war ein sehr eigenartiges Exemplar. Er betrachtete es lange, wusste es jedoch nicht zu deuten und räumte es weg. Nunmehr harrte er der Dinge, die da kommen sollten. Trotzdem hatte er noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, dass sein Kind lebend geboren würde. Es war ruhig in ihm, sein Kampf ließ nach. Alcar sagte ihm nichts und er dachte, dass sein geistiger Leiter es ihm wohl vergeben würde, dass er sich ihm quer gelegt und seine Liebe nicht verstanden hatte. Abermals wurde er eines Abends in Anspruch genommen. Es war so spontan in ihm aufgekommen, dass ihm später selbst davon schauderte. Plötzlich spürte er, wie sein rechter Arm genommen wurde. „He“, dachte er, „was ist das, was hat das wieder zu bedeuten?" Man ließ ihn in letzter Zeit nicht mehr in Ruhe. Dennoch griff er zu Bleistift und Papier und gab sich hin. Komisch, wer hatte ihn da erwischt? Das ganze Papier wurde mit nichts als 6 X 7 – 12 X 1, 6 X 7 – 12 X 1 voll geschrieben. Er begriff nichts davon und warf es in den Papierkorb. Seine Frau fragte ihn, was er tue, und er sagte ihr, dass man auf ihn eingewirkt habe, dass es jedoch nichts sagende Zahlen seien. 

Langsam kroch die Zeit dahin. Eines Mittags kam sie ein Freund besuchen, der sehr sensibel war. André ließ ihn die Zeichnung sehen und ergründete ihn, was er empfinden würde. Dieser nahm plötzlich seinen Hut ab und André spürte, dass er innerlich bebte. Wovon wusste er nicht, doch es war eine eigenartige Handlung, die er ausführte – das begriff André vollkommen. Neben ihm sah er seinen geistigen Leiter, der auf ihn einwirkte. Es war eine plötzliche Einwirkung, die man vom Jenseits aus allein auf sensible Menschen ausüben konnte. Er war zu erreichen. Das war nun der letzte Beweis für ihn, nunmehr akzeptierte er. Deutlich sah er im selben Augenblick seinen geistlichen Begleiter bei ihm stehen, um es ihm durch einen anderen Menschen zeigen zu lassen. Sein Freund wusste nichts von seiner unbewussten Handlung, wohl spürte er, was er später erzählte, dass er unter Einfluss gestanden hatte. Er fand die Zeichnung wunderbar und ein kostbares Geschenk. 

Nun spürte André eine tiefe Betrübnis in sich aufkommen. Sieben Monate lang hatte er Widerstand geleistet. Er hatte für sein Glück gegen den unsichtbaren Menschen gekämpft, der ihn von einer Wahrheit überzeugen wollte, die er nicht annehmen wollte. Natürlich gab es andere, die kämpfen würden bis ihre letzten Kräfte verbraucht waren, doch dies war ein sehr eigenartiger Kampf gewesen. Der unsichtbare Mensch, den man auf Erden tot wähnte, hatte ihn besiegt. Sein Glück war zerstört, das Leid war der Sieger und das „Ja“ hatte in einem schleppenden doch im Voraus entschiedenen Kampf über das „Nein“ gesiegt. Nunmehr verneigte er tief das müde Haut vor dem Sieger. Er hatte Alcars letzte Beweise erhalten. 

Als er einmal alleine war kniete er nieder, um sehr lange um Vergebung zu flehen, sein hartnäckiger Widerstand war ein für alle Mal gebrochen. Er ergab sich willig und wartete ab, was geschehen würde. Wenn alles nur bald vorüber war, er verlangte nach der Wahrheit. Ehe seine Frau gehen sollte, kam eine Freundin zu Besuch, um Abschied zu nehmen. Auch sie spürte in der Zeichnung den Tod. Das sagte ihm jedoch nichts mehr. Er dachte allein an sein Frauchen und daran, wie groß ihre Enttäuschung sein würde. Es kam, es musste über sie kommen. Leid, Schmerz, nichts als Kummer sah er in der Ferne herankommen. Es sollte sie niederschmettern; es war nicht möglich, dass sie es festhielt, auch ihre Festung wurde vernichtet. 

Endlich war die Zeit da und am Morgen des fünften Januar brachte er sie in die Entbindungsanstalt. Im selben Augenblick spürte er eigenartige Schmerzen in sich aufkommen. Es war so etwas wie Ebbe und Flut, was verschwand und jedes Mal wiederkehrte. Er erzählte es ihr, und auch sie verspürte einen selben Schmerz. Alcar sagte, dass er ihn mit ihr verbunden habe, und dass auch er und ein geistiger Arzt ihr helfen und beistehen würden. Er müsse aus der Ferne einwirken, dazu wurde er verbunden, und er empfände die Schmerzen, weil er eins mit ihr sei. 

Als er zu Hause ankam, konnte er sich fast nicht bücken. Es war schon wunderlich, dass er ihre Schmerzen aus der Ferne übernahm. Trotzdem war es so. 

Es wurde der sechste Januar. Vormittags um elf Uhr war das Kind noch immer nicht geboren. Dreimal hatte er bereits angerufen und man sagte ihm, dass er nicht vor ein Uhr anrufen solle. Gut, André ging heimwärts. In seinem Zimmer sitzend, hörte er sie rufen; er glaubte verrückt zu werden. Welch eine Qual, um auf diese Entfernung alles zu hören und zu spüren. Trotzdem konnte er nichts mehr tun und musste abwarten. Nein, lieber würde er es hundertmal selbst durchmachen wollen als unter diesen Umständen. Es war furchtbar, sie zu hören. Mit aller Gewalt wollte er an etwas anderes denken, wodurch es einen Augenblick leichter für ihn wurde – doch es kehrte in noch heftigerem Maße zu ihm zurück. Es wurde zwölf Uhr, er sollte noch eine Stunde warten müssen. Innig betete er, dass ihre Schmerzen nicht so stark sein würden. Es war alles so unnatürlich. Ihre Hilferufe gingen durch seine Seele. Langsam verstrich die Zeit, und es wurde halb eins. Die Frau, die den Haushalt versorgte, rief ihn zum Essen. Kaum saß er zu Tisch, da spürte er plötzlich, dass sich die Schmerzen auflösten. Wo waren sie geblieben? Sie waren bereits sein Eigen geworden. Das bedeutete etwas. Er fühlte sich völlig frei. Er konzentrierte sich auf sein Frauchen und sah sie vor sich. Das Kind, ein Mädchen – tot. Um halb eins war es geboren worden. Er flog zur Tür hinaus und rief an, und man sagte ihm dass er sofort kommen solle. „Da hast du’s schon“, dachte er, „alles, aber auch alles ist schief gelaufen." Bald war er dort. Endlich die Wahrheit, die man ihm im zweiten Monat vermitteln wollte, die er jedoch nicht annehmen wollte. 

Der Doktor erwartete ihn. „Wie geht es meiner Frau, Doktor?“, fragte André, noch ehe dieser etwas sagen konnte. 

„Gut“, war die Antwort. 

„Und das Mädchen tot, Doktor?“ 

„Hat man Ihnen etwas gesagt?“ 

„Nein, das nicht, ich weiß es schon seit sieben Monaten." Und blitzartig zog sein Kampf an ihm vorbei. „Darf ich sie besuchen?“ 

„Gehen sie ruhig“, antwortete der Doktor und er sah ihn an, als würde eine Sprache gesprochen, die er noch nie gehört hatte. Merkwürdig, äußerst merkwürdig fand ihn der Doktor. 

Er fühlte sich ungewöhnlich ruhig und wollte ihr jetzt zur Seite stehen. Ein Knoten in der Nabelschnur hatte für das Kind das Ende bedeutet. Diese Situationen kamen selten vor. Wohl um das Hälschen, doch hier war das Kind hindurchgekrochen und hatte sich selbst das Leben genommen. Er eilte zum Saal. Da lag sie – ohne Gommel. Ihr kleiner Zwerg war hinübergegangen. Sein Kampf war ausgefochten, der ihre hatte begonnen. Auch sie war machtlos. Ihr Glück war nur ein Traum, eine Vision, mehr nicht. Sie hatte das Glück empfunden, ein junges Leben tragen zu dürfen, dicht unter ihrem Herzen; nun war jenes Glück zerstört, hatte es sich in Leid und Schmerz verwandelt. 

Er stand ihr bei und sah einen Film an sich vorüberziehen. Ein Stück Lebensfilm wurde für ihn abgerollt, so richtig menschlich, so tragisch und tief wie Lebensfilme nur selten sein werden. Er sah den Augenblick an sich vorbeiziehen, da er mit ihr ein Gespräch über die Kindersphäre führte. 

„Sie ginge mit ihrem Gommel spazieren und wollte ihn nicht für alle Schätze dieser Erde missen.“ 

Der Mensch dachte, doch Gott lenkte. 

Nunmehr musste sie ohne Gommel weiterleben. Er erzählte ihr von seinem furchtbaren Kampf, dass er es nicht hatte annehmen wollen, bis er einige Tage vor diesem Ende die Überzeugung bekam. Er stand ihr zur Seite und er spürte, dass es sie stärkte. 

„Sieben Monate lang habe ich gekämpft, habe ich Alcars Liebe besudelt. Ich werde ihn um Vergebung bitten, denn er weiß, dass ich nur ein Mensch bin, und er wird mir vergeben. Übergebe es und lege es in Gottes heilige Hände.“ Sie fügte sich. 

„Gommel war zu gut für diese Welt. Dort, worüber ich dir erzählte, dort lebt sie nun und ist glücklich. Sie sollte das Licht der Welt nicht erblicken.“ 

André war Medium, Medium in allem. Jenes „in allem“ bedeutete, dass er für andere schrieb, sie von einem Fortleben überzeugte und das auch er in der tiefen Bedeutung erleben sollte. Er sollte alles erleben, ihm wurde nichts, absolut nichts geschenkt. So war es, wenn man höheren Mächten diente, das war psychischer Mediumismus. Er hatte eine Aufgabe zu vollbringen, wodurch für die Menschheit der Schleier gelüftet wurde. Diesen Kelch mussten und sollten sie bis auf den letzten Tropfen leeren. Er verstand und spürte alles. Er bezahlte seine medialen Fähigkeiten mit seinem eigenen Glück und mit dem ihren. Trotzdem war er jetzt glücklich, dass er für sie wirken durfte, ja, er meinte es ehrlich, er war trotz allem dennoch glücklich. 

Sein Frauchen erholte sich schnell und kehrte heim. André rief jemanden an, um ihre Zeichnung einrahmen zu lassen. Im selben Augenblick, da er etwas sagen wollte, hörte er wie Alcar sprach: „Die andere auch, André.“ 

„Was? Welche andere?“, fragte er sich innerlich. 

„Diese“, hörte er wieder und sah in einer Vision die andere Zeichnung. Er legte den Hörer auf und konnte nicht mehr, durch so viel Liebe fühlte er sich gebrochen. Es war die Zeichnung, die den Seelenzustand des Kindes darstellte. Zwei gleichzeitig, es war mächtig. Die erste bedeutete den Tod, die andere den Übergang ins ewige Leben. Wie war es möglich, dass man den Menschen – die nicht glauben wollten – so viele Beweise eines Fortlebens gab. 

Er weinte, ließ seine Tränen fließen. Und neben sich spürte er seinen großen und liebevollen Alcar, seinen geistigen Leiter, der trotz allem nicht böse auf ihn war, der in allem Liebe bedeutete, der ihn Gott kennen lernen ließ. Er war wahrhaftig, sanft und groß. Er nötigte ihm Ehrfurcht ab, nichts als Ehrfurcht. Mächtig war das Geschehen. Die Toten lebten und die Lebenden waren tot. Er fühlte diese Wahrheit. Die Toten trugen eine Wissenschaft, die den Lebenden zu mächtig war und nicht von ihnen angenommen wurde. Die Toten wussten alles, doch er wollte ihre Wahrheit damals nicht annehmen. Wie groß war das Problem. Wie viele Beweise eines Fortlebens hatte er nunmehr erhalten? War der Tod nicht intelligent? Spürte man diese große Kraft? Sein Kampf wäre nicht nötig gewesen, wenn er sofort alles angenommen hätte. Aber hätte man das aushalten können? Hätte er alles verbergen können? Wer sollte das können? War es ein Wunder, dass er rebellierte? Ist es nicht wahr, dass wir nur Menschen sind, kleine Menschen mit einem kleinen Herzen, mit oh so wenig Liebe? Er fühlte seine Schwächen und darum hatte er Kummer gehabt, hatte er Leid und Schmerz empfunden, weil er rebellierte. Doch wenn er alles übergeben hätte, wäre alles anders gewesen. Deutlich lag das ganze Problem vor ihm, wie ein offenes Buch: Zunächst hatte Alcar es ihn spüren lassen – er glaubte nicht daran. Alcar kehrte zurück und schrieb, um seinem Frauchen und allen anderen Müttern beizustehen. Er schüttelte abermals alles von sich ab und löste sich von dieser Wahrheit. Er wollte nur das eine, das Kind, das wollte er besitzen. Dann seine Vision – auch das verstand er nun vollkommen. Er durfte seine Frau nicht sehen, doch er hätte sich auf alles vorbereiten sollen, dann hätte er die Dinge auch anders gesehen und würde er auch dafür Kraft erhalten haben. Aber nein, er warf alles meilenweit von sich und glaubte nicht einmal was er wahrnahm. Wie konnte sich ein Mensch so betrügen? Er hatte eine Lektion fürs Leben erhalten, so tief gehend und furchtbar, dass er für sein ganzes Leben auf Erden genug daran hatte. 

Dann zeichnete Alcar. Er wollte nicht daran glauben, aber er zeichnete dennoch den Tod seines Kindes. Jetzt erst drang es zu ihm durch, wie groß, wie mächtig diese Beweise des ewigen Fortlebens waren. Wer hatte durch ihn gezeichnet? Waren es Schwingungen? Schwingungen, die er nicht empfangen wollte? Kannte man auf Erden intelligente Schwingungen, die zeichnen konnten, ja die im Voraus wussten, dass ein Kind geboren würde, doch dass es tot zur Welt kommen sollte? Kannte die Wissenschaft jene Schwingungen? Er hatte niemals gehört, dass es außer dem Menschen lebende Schwingungen gab, die ein gleiches intelligentes Denkvermögen besitzen sollten, wie Gott es allein dem Menschen als heiliges Geschenk gegeben hatte. Das Göttlichste, was dem Menschen gegeben wurde! Waren auf Erden noch mehr Planeten bekannt, mit denen sie verbunden waren? Woher kamen diese intelligenten Schwingungen? Woher? Wissen Sie es? Komm, sagen Sie mir wo außerhalb der menschlichen Abstimmung intelligente Schwingungen leben. Wissenschaft, beuge auch du den Nacken vor dieser Wahrheit. Oder ist es Unterbewusstsein? Wie sollte ein Unterbewusstsein, das man im Bewusstwerden nicht annehmen will, hochkommen können? Es ist so wie hier oben erwähnt. Kennen Sie ein Unterbewusstsein, das nicht empfangen will und dennoch empfängt? Ist ein Mensch zu erreichen, wenn er nicht wünscht, dass er erreicht wird? Kann ein Mensch etwas zustande bringen, wenn er nicht will, wenn er nicht wünscht, dass er empfängt? Er hatte noch nie gehört, dass diese Phänomene Wahrheit enthalten konnten. Nein, er würde alles zerreißen, was ihm sein Unterbewusstsein geben wollte, was jene Schwingungen ihm sagen wollten. Er wollte nichts mit seinem Unterbewusstsein und Schwingungen zu tun haben. Aber wie groß, wie mächtig waren beide, was die Liebe anging. Trotzdem war sein Unterbewusstsein stärker als seine bewussten Kräfte im irdischen Leben. In seinem Bewusstsein konnte er sein Unterbewusstsein nicht verdrängen, es kam zurück und zeichnete. Hatte ein Mensch keinen eigenen Willen? Und sollte es seinem Unterbewusstsein möglich gewesen sein, um sein bewusstes Leben anzuhalten? War dies der Wissenschaft bekannt? Kannte man diese Kräfte? Er kannte sie nicht. Doch er kannte eine andere Wahrheit, eine heilige, eine schöne Wahrheit. Nämlich, dass die Toten durch ihn zeichneten, dass allein jene es waren, die auf Erden lebten, die jedoch ihren Stoffkörper abgelegt hatten. Es war so einfach und großartig, um damit glücklich zu sein. 

Ist es nicht ein großes Glück, um ausrufen zu dürfen, und es auch zu können: „Mensch, wir leben später weiter, wenn wir unser Stoffkleid ablegen, unser Leben ist ewig.“ Ein Wesen, das die Erde schon vor langer Zeit verlassen hatte, zeichnete und wusste, dass sein Kind tot geboren werden sollte. 

Was für eine Macht, welch ein Denkvermögen, um wie vieles ist ihre Weisheit doch größer als unsere. Verneigen, verneigen sollte sich der Mensch vor ihrem Wissen. Er, der einst auf Erden lebte, kehrte wieder und zeichnete für einen Lebenden das Hinübergehen seines Kindes. Aber gleichzeitig zeichnete er das ewige Leben. Ist das kein Trost? Sagt Ihnen das nichts? Ist es nicht Ehrfurcht gebietend, wenn man das fühlt? Sollte man sich nicht vor ihnen verneigen? Ist das Teufelswerk? Er, der hinter dem Schleier lebte, wollte ihn überzeugen, genau so lange, bis dass er annahm. Er nahm an und es war geschehen. 

André spürte eine gewaltige Kraft in sich aufkommen. Hierfür gab er sein Leben, hierfür wollte er alles opfern. Um den Menschen auf Erden überzeugen zu können, um das Leid von Tausenden aufzulösen, dafür wollte er kämpfen; und nun dankte er Gott, dass er seinen Kelch bis zum letzten Tropfen hatte leeren dürfen. Jetzt, da er wusste, war es kein Kampf mehr, und auch sein Frauchen fand sich mit dieser heiligen Botschaft ab und fügte sich. Beide fühlten sie Kraft, gegeben durch diejenigen, die hinter dem Schleier lebten. 

Für sie gab er sein Leben; es war für alle Menschen, um ihr Leid in Glück zu verwandeln. 

Mensch auf Erden, deine Toten sehen, sie hören und sie sind bei dir, um dir zur Seite zu stehen; doch die Lebenden auf Erden sind taub und geistig blind. Leider, es ist die Wahrheit, auch André erlebte es, während er sah, spürte und hörte. Doch er wollte nicht sehen, er wollte es nicht annehmen. Das ist Spiritismus, heiliger Spiritismus und kein Teufelswerk. Das ist kein Tischrücken, sondern Wissen, reines Wissen und der Wille, um zu helfen. 

Einige Tage später hörte er seinen geistigen Leiter sprechen, der zu ihm sagte: „Da bin ich wieder, André, mein lieber Junge, wir sind wieder zusammen.“ 

André weinte, Alcar war in seiner Liebe unerschöpflich. Es erwärmte seine Seele, die diese Wärme so nötig hatte. 

„Hör zu André: Der Mensch denkt, aber Gott lenkt. Leuchtet dir das ein? Begreift mein Sohn alles? Ist das Leben nicht wert, dass es gelebt wird, wenn es auch noch so schwer scheint? Der Mensch wägt ab und fleht: ‚Vater, lasse diesen Kelch an mir vorübergehen‘, doch Gott sagt: ‚Komm, mein Kind, es ist zu deinem Besten‘, und der Mensch folgt seinem Weg, zu dem man ihn zwingen muss. So siehst du es auch jetzt wieder. Der Mensch wägt ab und fragt sich: ‚Soll ich dieses oder jenes tun? Welchem Weg soll ich folgen? Diesem oder jenem Weg?‘ Vielen Menschen stehen viele Wege offen. Aber welchen Weg soll man nun gehen? Rechts oder links? Sie wissen es nicht, denn Gottes Weg ist so schwer zu finden. Der eine Weg erscheint so einfach, so breit, und sie können nicht so leicht davon abkommen. Doch der Mensch spürt und sieht seinen eigenen Untergang nicht, denn früher oder später wird er auf diesem Wege abrutschen. Und so wägt der Mensch ab: ‚Soll ich diesen oder den anderen Weg beschreiten?‘ Dieser, vor dem sie stehen, ist so schwer und deshalb folgen sie einem Weg, der sie regelrecht in die Finsternis führt. Und so stöhnt der Mensch weiter und fragt sich: ‚Aber welchen Weg dann?‘ Und er sucht alle Lebenswege ab, die er gehen kann. Er erwägt hin und her, doch Gott fügt. Gott weist ihm den Weg, wie auch dir der Weg gewiesen worden ist. Doch auch wenn der Mensch diesem Weg nicht folgen will, einst wird er ihn trotz allem beschreiten. Und wenn sie sich bis zum Schluss widersetzen und weiterhin lange hin und her erwägen: Gott führt sie alle dennoch über Seinen Weg, notfalls auf den bloßen Knien, weil es für alle Menschen der einzige Weg ist. Es ist der Weg, der zu Ihm führt, und es ist Sein Weg. Du hast lange abgewägt, mein Sohn. Du hast viele Wege beschritten, doch Gott führte dich auf Seinen Weg, den wir alle gehen müssen und noch beschreiten werden. Denn es ist Gottes Wille, und alle Wege werden auf Seinen Weg führen; dann wird der Mensch seinen Gott erreichen. Nach langem Umherirren, nach vielen Sünden, nach vielen Fehltritten kommt der Mensch zu Gott. Gott hat gefügt und letztendlich werden alle akzeptieren. 

Ist es so einfach, um Gottes Weg zu finden? Nein, es ist äußerst schwer. Und dennoch ist es auch wiederum so einfach, um Gottes Weg zu finden. Und es könnte so leicht sein, denn Gottes Weg ist ein Weg des Lichts; aber die Menschen wollen Gottes Weg nicht sehen. Sie tasten im Dunkeln und legen die Hände vor die Augen, um zu verhindern, dass sie Gottes Licht sehen werden. Manchmal tun sie es unbewusst, oft jedoch bewusst; und dann verschließen sie sich absichtlich dem Weg, den sie gehen müssen, und irren und irren sie umher, bis sie zur Einkehr kommen. Bis einst die Liebe Gottes in ihren Herzen spricht und sie innewerden, dass Gott ihr Vater der Liebe ist. Dann werden sie ihre Hände von den Augen nehmen und werden sie das Licht Gottes in all seiner Herrlichkeit erblicken. Dann verneigt sich der Mensch tief, ganz tief, und dann fleht er für all seine Irrwege um Vergebung. 

Dann danken sie Gott, ihrem Vater, dass Er ihnen den Weg gewiesen hat. Und dann erst können sie sagen: ‚Gott, du lenkst, denn du kannst nicht zulassen dass dein Funke der Liebe in Sünde und tiefer Finsternis lebt‘. André, lass uns im Leben reiflich überlegen, lass uns Gutes wollen, dann wird es auch leichter zu tragen sein. Was Gott in all Seiner großen Liebe zu uns fügt, ist wohl getan. Einst werden wir alle, du genauso gut wie wir, vor unserem göttlichen Vater stehen. Dann stehen wir in völliger Nacktheit vor Ihm, und dann gibt es kein Fleckchen, auf das die Liebe Gottes nicht scheint. Dann gibt es nichts mehr, das Gott nicht spürt. Und wenn die Menschen auf Erden einander auch gegenüberstehen, und wenn sie ihre tiefsten Gefühle dort auch verbergen können: Wenn sie vor ihrem Heiligen Vater stehen werden, gibt es kein Fleckchen mehr, ja nichts, was Er nicht sieht, nicht gesehen hat; und dann werden sie Seinen Weg beschreiten. Bete zu Gott, mein Junge, bete oft, mit Herz und Seele, bitte um viel Licht, damit du anderen helfen kannst. Bete, dass deine Sünden beschienen werden mögen, auf dass du selbst sehen kannst, stets sehen wirst, damit du sie selbst bekämpfen kannst. Bete, dass du stets Licht, Gottes heiliges Licht vor dir sehen darfst, vor dir behalten mögest, um Seinen Weg zu erkennen, auf dass dir die Wahrheit gegeben werden möge. Und wenn du es einst in voller Kraft hast erblicken und kennen lernen dürfen, dann wirst du und werden alle anderen Menschen kein anderes Licht mehr sehen wollen. Amen. 

Sage Anna, dass wir für ihre Kleine sorgen, und dass ihr Kind lebt. Für ewig, auf ewig. Sage ihr auch, dass sie sich, will sie es später wieder sehen, auf das Wesen abstimmen muss, was allein möglich ist, indem man die Liebe im Geiste entwickelt. Gott bestimmte über dieses junge Leben. Meine Liebe, meine Treue ist stets mit dir, wo du auch bist; wo immer du auch hingehst, du wirst Liebe empfangen. Nun will ich dir verschiedene Dinge erklären: Erstens wusste ich, dass es kommen würde, aber auch, dass es zurückkehren sollte. Ich ließ dich dies im Voraus spüren und du André, solltest es annehmen. Deutlicher durfte ich es dir nicht vermitteln, du hättest nicht alles tragen können. Jenes kleine Fünkchen Hoffnung ließ dich leben. Dein Kampf wäre kein Kampf gewesen, wenn du diese Erkenntnis in dir gespürt hättest. Trotzdem hast du es vollbracht, weil Gott es wollte. Das junge Leben ist gekommen, um den Prozess des Bewusstwerdens im Stoff zu erleben. Es sollte zurückkehren, ehe es geboren wurde. Es sollte die Sonne nicht aufgehen sehen. Das ist ein Gesetz, das wir an dieser Seite kennen, und von dem ich dir auf unserer letzten Reise erzählt habe. In jenem Leben lag jene Kraft, die man auf Erden nicht ergründen kann, wovon der Mensch nichts weiß. 

Das Leben schloss sein Leben ab und kehrte zurück. 

Diese Kraft lag in ihrem Unterbewusstsein. ‚Ergründet nur, Leute – ihr spürt die Tiefe dieses Geschehens nicht!‘ Das rufe ich der Wissenschaft zu, mein Sohn. Hieran war nichts zu ändern. Mir wurde es von höheren Geistern mitgeteilt, wodurch ich meine Berechnungen machte. Als du es nicht annahmst, baute ich meine Beweise auf, sodass es eine Macht von Beweisen geworden ist. Wenn du es angenommen hättest, wäre es mir nicht möglich gewesen. Ich, mein Junge, legte die entgegenwirkenden Kräfte in dich. Es ging mir darum, um zu sehen, was mein Instrument wollte. Du solltest den Kelch bis auf den Boden leeren, wofür du mir später dankbar sein solltest. 

Dir leuchtet doch sicher alles ein? Du führtest einen inneren Kampf, den du nun nicht mehr zu führen haben wirst. Ich machte, indem ich dir alle Kräfte abverlangte, aus dieser Situation ein großes mächtiges Ganzes, wodurch du die Menschheit überzeugen kannst. Alle Beweise, die ich dir gegeben habe, dienen dazu, um das Leben nach dem Tode nachzuweisen. Je tiefer das Leid der Menschen ist, André, desto größer wird ihr Glück sein. Ich spielte das Katz-und-Maus-Spiel, nicht du. Ich, mein Junge, verlangte alles von meinem Instrument. Denke gut über alles nach, es wird dir in deinem Leben auf Erden eine Stütze sein. Du wirst glücklich sein, dass du es der Menschheit vermitteln kannst, denn durch dein Leid, durch ihren Schmerz, empfängt der Mensch reines und pures Glück. Das ist die Gewissheit, dass seine Lieben leben, in Glück und Liebe, auf ewig. Ich kann nun zeigen dass wir ewig leben, weil es Gottes Wille ist. 

Darum rufe ich der Menschheit von dieser Seite aus zu: ‚Nehmen Sie diese Beweise an, sie sind echt und lauter. Ich, Alcar, der ich vor einigen Jahrhunderten auf Erden lebte, kehrte zu Ihnen wieder und zeichnete das Leid und den Schmerz in einem menschlichen Geschehen. Ich bin Gott dankbar, dass mir die Gnade gewährt wurde, um Sie von unserem Leben überzeugen zu dürfen. Wie groß ist unser Glück, dass wir von irdischen Instrumenten Gebrauch machen dürfen, damit wir unsere Wahrheit überliefern können. Schwestern und Brüder, wir leben. Wir alle erwarten Sie und bereiten alles für Sie vor, um Sie demnächst an dieser Seite zu empfangen. Daher rufe ich Ihnen zu: Ziehen auch Sie zu Tausenden los und setzen Sie Ihre Pilgerreise fort. Wie diejenigen, die an unserer Seite leben und nicht wissen, dass sie auf Erden gestorben sind. Folgen Sie dem Weg der Liebe, damit Sie das Land der Liebe erreichen können. Ihre Lieben leben, sie alle erwarten Sie. Stimmen Sie sich in Liebe auf sie ab, auf dass Sie an dieser Seite sehend sein werden.‘ Das ewige Leben ist eine einzige Realität. 

Ich will dir nun die Zeichnungen erklären, André. Die erste stellt den Tod dar, der siebenzackige Stern die Geburt und das Leben an unserer Seite. Das Kreuz bedeutet das Ende auf Erden, so auch der abgebrochene Lebenszweig, was du deutlich gespürt hast. Die zweite Zeichnung stellt den Kreislauf der Seele beziehungsweise das ewige Leben dar. Oben siehst du einen Muttervogel; er trägt in seinem Schnabel ein Kreuz in der Form eines Schwertes. Es bedeutet Liebe durch Leid und Schmerz. Rechts oben das Junge, das in Frieden und Glück zur Mutter zurückkehrt und ihr Friede und Glück bringt, nichts als ewige Wahrheit. Beide sind durch das Herz der Liebe verbunden. Das Kreuz zeigt auf ihr Herz; für den Menschen ist kein größeres Leid denkbar, als dass eine Mutter ihren Besitz hergeben muss. Der kleine Kreis ist die Abstimmung des Wesens im Geiste. Wieder ist es durch Liebe verbunden. Du siehst das geistige Kreuz, die Kraft ihrer Liebe. Von diesem Zustand aus gelangte das Leben auf die Erde. Ein Pfeil weist vom Geiste aus auf die Erde; so ist der Stoff das Fundament, wo sie die Bewusstwerdung erleben sollte. Dann ein Pfeil, dass sie in dieses Leben zurückkehren sollte. Der große Kreis bedeutet den Kreislauf der Seele, und die verschiedenen Zeichen sind Lebenszustände, die das Wesen abgelegt hat, was ich Reinkarnation nennen könnte. Reinkarnation dient allein dazu, dass man diesen Prozess auf Erden erleben kann. Wenn es seinen Kreislauf vollbracht hat, wird das Wesen ins Göttliche zurückkehren. 

Alles, was du empfangen hast, André, ist die heilige Wahrheit. Wenn ich nur einige überzeugen werde, werden viele mit mir glücklich sein. Noch bin ich nicht fertig und wirst du viele andere Situationen erleben, die ich dir auf anderen Reisen erklären werde. 

Freunde, ihr könnt hin und her erwägen, doch Gott fügt über all Seine Kinder. Gott bestimmt über ihr Leben, weil Gott das Leben ist. 



Ewiges, ewigliches Glück erwartet euch. Und dir und auch deiner Frau danke ich für deine Liebe, mein Sohn. Schöpfe Kraft aus dieser Quelle der Weisheit, der Wahrheit und des Lichtes. Einst wird sie ihr Glück wieder finden, in strahlender Schönheit, in ewigem Glück. 



Gott auferlegt nicht mehr, als man tragen kann. 

Nun gehe ich fort. 

Dein Alcar.“ 



André fährt fort, um die Menschen zu überzeugen, und wird sein Geschenk Gottes lauter anwenden, um Alcars Weg zu folgen, dem Weg des Lichtes.